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QUARTALSZAHLEN: Post erwartet 2002 keine konjunkturelle Trendwende

Die Post bleibt bei ihrer Prognose für das laufende Jahr vorsichtig: Nach einem Gewinnrückgang im ersten Quartal bleibt es unsicher, ob das Vorjahresergebnis überboten werden kann.

Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (Ebita) sank im ersten Quartal zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent auf 785 Millionen Euro. Der Umsatz nahm dagegen vor allem infolge der Mehrheitsübernahme des Expressdienstes DHL um mehr als 13 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich erzielte die Post einen Überschuss von 417 Millionen Euro nach 539 Millionen Euro im Vorjahr, was auch auf eine höhere Steuerquote von inzwischen 40 Prozent zurückzuführen ist.

Turboeffekt für Aktie

Analysten hatten im Schnitt mit einem Ebita von 770 Millionen Euro und einem Nettogewinn von 417 Millionen Euro gerechnet. Für den Umsatz hatten die Experten 10,1 Milliarden Euro vorhergesagt. Da der Umsatz geringer und der Gewinn höher als prognostiziert ausfielen, konnte die Post bessere Gewinnmargen erzielen als erwartet, sagten Experten. Die Post-Aktie gewann bis zum Mittag in einem etwas schwächeren Gesamtmarkt 0,5 Prozent auf gut 15 Euro.

Schwache Konjunktur belastet nun doch

Die Post führte den Gewinnrückgang im ersten Quartal in erster Linie auf die weltweite schwache Wirtschaftslage zurück. Damit rückte der Konzern etwas von seiner früherer Formulierung ab, derzufolge die Logistik nur begrenzt von der Konjunktur berührt wird. Im vergangenen Jahr hatte Konzernchef Klaus Zumwinkel noch anders argumentiert: Damalshieß es, dass sich im Gegenteil für die Post neue Geschäftspotenziale eröffnen könnten, da viele Firmen wegen der Wachstumsschwäche Bereiche wie den Transport ausgliederten (»Outsourcing«), - das war allerdings vor den Anschlägen am 11. September.

Schwächere Aussichten

Insgesamt erwartet die Post, dass sich die schwierige weltwirtschaftliche Situation in diesem Jahr fortsetzt, hieß es weiter. Die Post rechnet nicht mit einer baldigen konjunkturellen Trendwende in ihren Märkten und sieht es daher als »große Herausforderung« an, 2002 dass Ebita des Vorjahres zu übertreffen, hieß es. Zuvor war lediglich von einer Herausforderung die Rede gewesen. »Ich glaube, vom Wording ('Wortwahl') her ist es ein bisschen schwächer geworden«, sagte Analystin Martina Jung vom Bankhaus Metzler.

Vorsichtigere Wortwahl

Für Analystin Gerlinde Gollasch von der Bankgesellschaft Berlin hat die Post offenbar damit begonnen, bei ihren Prognosen mehr Vorsicht walten zu lassen. Die frühere Behauptung, die Post-Geschäfte hingen nur begrenzt von der Konjunktur ab, sei ohnehin »wenig glaubhaft« gewesen, sagte sie. »Letztes Jahr hat sich die Post immer sehr ambitionierte Ziele gesetzt, die sie von Quartal zu Quartal zurücknehmen musste. Ich hoffe, sie hat daraus gelernt und geht jetzt etwas realitätsnäher vor.« Nach Einschätzung von Gollasch wird die weitere konjunkturelle Entwicklung für die Post-Geschäfte entscheidend sein. »Das ist die Triebfeder. Und da keiner weiß, wie es konjunkturell weiter geht, ist es jetzt besser, eher pessimistisch zu sein.« Einen Ergebniseinbruch für das Gesamtjahr erwartet Gollasch bei der Post aber nicht.

Briefgeschäft im ersten Quartal rückläufig

In ihrem wichtigsten Geschäftsfeld Brief verbuchte die Post in den ersten drei Monaten Umsatz- und Gewinneinbußen, wobei das Ebita hier um mehr als neun Prozent auf 675 Millionen Euro deutlich schrumpfte. Auch der Bereich Express verdiente infolge erstmals konsolidierter DHL-Verluste operativ mit 33 Millionen Euro nach 88 Millionen Euro im Vorjahr deutlich weniger. Da die ersten Monate des Jahres beim Brief die stärksten sind, könnte das Ergebnis im Jahresverlauf hier noch weiter zurückgehen.

Logistik legte zu

Die Konzernsäulen Logistik und Finanzdienstleistungen hatten trotz konjunkturbedingt geringerer Umsätze höhere Gewinne erwirtschaftet. Beim Logistik-Ebita von 32 Millionen Euro (plus 3,2 Prozent) schlugen sich Kosteneinsparungen positiv nieder, und der Gewinn im Finanzbereich - also allen voran der Postbank - stieg trotz des niedrigeren Zinsniveaus um 5,6 Prozent auf 131 Millionen Euro.