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Trendwende: Rauchen ist out: Warum qualmt eigentlich keiner mehr?

Zigaretten sind längst nicht mehr so beliebt wie früher. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der jugendlichen Raucher halbiert. Wir haben junge Menschen gefragt, wieso.

Von Johannes Zimmermann

Zwei junge Männer werden von einem stern.de-Reporter befragt

Als ich in der fünften Klasse aufs Gymnasium kam, hat mich die Raucherecke abgeschreckt – wegen der älteren, bedrohlich wirkenden Jahrgänge dort. Später hat mich hauptsächlich der beißende Qualm gestört. Und als ich mein Abi hatte war die Raucherecke fast verschwunden. Offenbar war Rauchen aus der Mode gekommen. Nur eine Clique hatte die Lust an den teuren nie verloren – sie hatten sie in ihrem Freundeskreis schlussendlich wirklich jedem schmackhaft gemacht. Abgesehen von diesen zehn Menschen benutzte jedoch fast keiner mehr den einst so stark umvölkerten Aschenbecher. Und das war tatsächlich keine rein lokale Erscheinung an meiner Schule.

Viel weniger jugendliche Raucher

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen halbiert. Unter denen, die per Gesetz eigentlich noch gar nicht rauchen dürfen, ist die Zahl besonders zurückgegangen. 2006 rauchte noch jeder fünfte Teenager zwischen 12 und 17 Jahre, 2016 nur noch einer von 14. Somit gibt es in einer durchschnittlichen 7. Klasse nur zwei Raucher. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervor. Von den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahre rauchte 2008 fast jeder zweite, heute nur noch jeder vierte. Das ist ein nie da gewesener historischer Tiefstand. 

Abschreckende Experimente zur Prävention

Nach Ansicht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) setzte die Trendwende in den 2000er Jahren ein, nachdem die Präventionsarbeit deutlich verstärkt wurde. In der Schule wurde - jedenfalls bei mir - auch tatsächlich häufig über Rauchen gesprochen. Mit unserem Bio-Lehrer haben wir das bekannte Experiment durchgeführt, bei dem eine Zigarette in eine Vorrichtung gesteckt, angezündet und dann durch einen Filter hindurch an der Zigarette "gezogen" wurde - allerdings haben nicht wir eingeatmet, sondern ein Blasebalg. Und das Ergebnis war abschreckend: Der Filter war vorher weiß und nun sehr stark gebräunt. Die Bilder von Raucherlungen haben vielen von uns dann den Rest gegeben. Die meisten von uns haben nie begonnen, zu rauchen. 80 Prozent der Teenager und 40 Prozent der jungen Erwachsenen geben heute an, nie geraucht zu haben.

Wer widerstehen kann, ist stolz darauf

Aber liegt es wirklich nur am Gesundheitsbewusstsein? Ich wollte wissen, warum niemand mehr qualmt und habe über die Gründe fürs Rauchen und Nichtrauchen mit einigen jungen Menschen gesprochen. Sie haben mir ihre Erfahrungen im Video (siehe oben) geschildert. Viele haben es geschafft, zu widerstehen, wenn andere zur Zigarette gegriffen haben. Laut hat das Umfeld junger Menschen großen Einfluss darauf, ob sie mit dem Rauchen anfangen oder nicht. In meinen Interviews habe ich auch andere Stimmen gehört: Die rauchende Familie kann zum Beispiel eine abschreckende Wirkung haben, weil man den Qualm als Kind oft eklig findet. Und wer es geschafft hat, den Zigaretten zu widerstehen, ist ein bisschen stolz darauf - das ist zumindest mein Eindruck.

Als Alternative zur Zigarette sind übrigens Wasserpfeifen immer noch sehr beliebt. Unter den jüngeren Teenagern gab jeder zehnte an, in den vergangenen 30 Tagen Wasserpfeife geraucht zu haben. Unter den jungen Erwachsenen waren es sogar 16 Prozent. Jeder dritte Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahre hat außerdem mindestens einmal Cannabis geraucht.

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