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Schmiergeldzahlungen: Die Denkmäler der Korruption

Was haben ein Dammbau in Lesotho, ein Kernkraftwerk auf den Philippinen oder eine Kölner Müllverbrennungsanlage gemeinsam? Bei allen Bauvorhaben flossen Schmiergelder.

In der diesjährigen Ausgabe des "Global Corruption Report 2005" hat die internationale Organisation Transparency International (TI) einen Schwerpunkt auf die Korruption bei internationalen Bauvorhaben gesetzt. Neben vielen Fällen stachen folgende "Denkmäler der Korruption" besonders hervor:

Das

Lesotho

-Highlands-Wasserprojekt, in dem angeblich zwei Millionen US-Dollar an Bestechungsgeldern von der Firma Acres International und elf anderen internationalen Dammbauunternehmen gezahlt wurden.

Der Bau einer Müllverbrennungsanlage in Köln/

Deutschland

, bei dem angeblich 13 Millionen Euro Bestechungsgelder für das Projekt im Gesamtwert von rund 400 Millionen Euro gezahlt wurden.

Das Yacyretá Wasserkraftprojekt an der Grenze zwischen

Argentinien und Paraguay

, gebaut mit Unterstützung der Weltbank, überflutet die Ibera Sümpfe. Aufgrund von Kostenüberschreitungen ist der von Yacyretá produzierte Strom nicht wirtschaftlich und muss von der Regierung subventioniert werden. Laut dem Leiter des paraguayanischen Rechnungshofes fehlt für die Ausgaben von 1,87 Milliarden US-Dollar "jegliche verwaltungsrechtliche Grundlage, die diese rechtfertigt."

Das Staubecken des Bakun-Damms in Sarawak, Malaysien, das 700 Quadratkilometer tropischen Regenwald überschwemmen wird. Den Auftrag für die Projektentwicklung erhielt ein Holzunternehmer und Freund des Gouverneurs von Sarawak. Die Lokalregierung von Sarawak ist immer noch auf der Suche nach Kunden, die den Strom, der durch dieses Projekt erzeugt wird, nutzen können.

Das Bataan-Kernkraftwerk auf den

Philippinen

, das für mehr als 2 Mrd. US-Dollar gebaut wurde. Der Bauträger Westinghouse gab zu, 17 Millionen US-Dollar Provision an einen Freund des ehemaligen Präsidenten Marcos gezahlt zu haben. Der Reaktor befindet sich über einer aktiven Erdbebenzone und stellt ein großes Risiko für Nuklearunfälle dar, falls er in Betrieb genommen wird.

Der Bujagali-Damm in

Uganda

, dessen Bau derzeit von der Weltbank sowie vier verschiedenen Regierungen wegen Korruption untersucht wird, nachdem eine britische Niederlassung des norwegischen Bauunternehmens Veidekke zugegeben hatte, Bestechungsgelder an einen hohen ugandischen Beamten gezahlt zu haben. Die kumulativen Umwelt-Auswirkungen des Bujagali-Damms und anderer Dämme auf den Nil wurden nie untersucht.

Karin Spitra
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