HOME

Schoko-Hersteller gewinnt: Stiftung Warentest verschluckt sich an Ritter Sport

Der Schoko-Streit ist gegessen, die Stiftung Warentest hat nun endgültig gegen Ritter Sport verloren. Sie darf auch weiterhin nicht behaupten, dass der Hersteller künstliches Vanille-Aroma verwendet.

Ritter Sport obenauf: Vor Gericht gewann die Firma den Rechtsstreit gegen die Stiftung Warentest

Ritter Sport obenauf: Vor Gericht gewann die Firma den Rechtsstreit gegen die Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest hat den Schoko-Streit mit Ritter Sport verloren. Das Oberlandesgericht München wies am Dienstag einen Widerspruch der Warentester gegen eine einstweilige Verfügung des Landgerichts München I zurück. Damit darf die Verbraucherschutzorganisation nicht mehr behaupten, Ritter verwende für seine Voll-Nuss-Schokolade statt des angegebenen natürlichen Vanille-Aromas ein künstliches Vanille-Aroma.

Die Stiftung Warentest hatte der Voll-Nuss-Schokolade des Herstellers mit der markanten quadratischen Schokoladenform im November vergangenen Jahres die Note "mangelhaft" gegeben. Grund dafür war, dass nach Überzeugung der Tester bei der Produktion ein chemisch hergestelltes Vanille-Aroma anstelle des versprochenen natürlichen Vanille-Aromas eingesetzt wird. Gegen diese Behauptung ging Ritter vor und setzte per einstweiliger Verfügung durch, dass sie nicht mehr aufgestellt werden darf. Diese einstweilige Verfügung hat nun Bestand.

Kein Test des Aromas - nur eine Folgerung

Der Testbericht erwecke bei vielen Lesern den Eindruck, dass die Warentester das künstliche Vanillearoma Piperonal in der Schokolade von Ritter Sport chemisch nachgewiesen hätten. Diese Behauptung sei aber nicht richtig, da es sich nur um eine Schlussfolgerung der Warentester gehandelt habe, hatte die Vorsitzende Richterin Eva Spangler in einer ersten Bewertung des Falls gesagt.

In dem Testbericht 2013 bezeichnet die Stiftung Warentest die Schokolade von Ritter Sport wegen der "irreführenden Kennzeichnung" des Vanillearomas als "nicht verkehrsfähig". Dagegen legte Ritter Sport mit Erfolg eine Klage vor dem Landgericht München ein: Die Richter verboten der Stiftung, die Behauptung weiter aufrecht zu erhalten und drohten bei Verstößen mit einer Geldstrafe. Seitdem ist die Passage über Ritter Sport im Testbericht geschwärzt.

Für die Stiftung Warentest ist die endgültige Niederlage in dem Rechtsstreit ein schwerer Schlag, da sie bei ihren Testergebnissen auch von ihrem guten Ruf profitiert, den sie sich in 50 Jahren erarbeitet hat. Gerade wegen der immensen Bedeutung der Testberichte müsse die Stiftung Warentest ihre Worte besonders sorgsam wählen, mahnte die Richterin. "Wenn Sie schreiben, Sie haben das nachgewiesen, dann müssen Sie sich daran festhalten lassen."

Die Stiftung Warentest argumentierte hingegen, das Piperonal müsse künstlich hergestellt worden sein, da kein natürliches Verfahren zur Gewinnung des Aromas bekannt sei. "Dieser Fall stinkt zum Himmel", kritisierte ein Anwalt der Stiftung vor Gericht.

Es ging nur gegen die meistvekaufte Schokolade

Ritter Sport setzt Piperonal in allen Schokoladen ein. Gegenstand des Schokoladen-Tests war aber nur die Voll-Nuss-Schokolade, die für Ritter Sport die meistverkaufte Schokotafel ist. Das Unternehmen aus Waldenbuch wirbt seit Jahren damit, ausschließlich natürliche Aromen zu verwenden.

mia/AFP/DPA / DPA