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Siemens-Affäre: Versicherer sollen für Manager blechen

Die Siemens-Affäre könnte Versicherer teuer zu stehen kommen: Das Unternehmen hat einen Schaden von bis zu 250 Millionen Euro gemeldet. Beklagte Manager könnten so mit einem blauen Auge davon kommen. Jedoch nur unter einer Bedingung.

Von Herbert Fromme

Versicherer sollen für Teile des finanziellen Schadens aus der Siemens-Affäre aufkommen. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hat Siemens bei einem Konsortium unter Führung des Allianz-Konzerns einen Schaden von bis zu 250 Millionen Euro aus der Managerhaftpflicht gemeldet. Über diese Summe hatte Siemens bei dem Konsortium für 2004 bis 2007 eine sogenannte Directors' and Officers' Liability Insurance (D&O) abgeschlossen. Mit der D&O-Deckung sichern Konzerne ihre Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder gegen mögliche Schadensersatzansprüche ab - von Dritten oder vom eigenen Unternehmen. Bei Siemens waren Zentralvorstand, Aufsichtsrat sowie einzelne Bereichsvorstände versichert. Siemens und die Allianz wollten den Vorgang nicht kommentieren.

Allein die Allianz stehe in dem Fall mit 70 Millionen Euro im Risiko, hieß es aus Branchenkreisen. Beteiligt sind zudem die Versicherer Zurich, HDI-Gerling und andere. Auch Rückversicherer sind betroffen.

Geldstrafen, Steuernachzahlungen und Ermittlungskosten im Zusammenhang mit der Affäre summieren sich Siemens zufolge auf über 1,6 Milliarden Euro. Der Konzern plant offenbar, Schadensersatz von früheren Vorstandsmitgliedern zu verlangen. Nur der Siemens-Aufsichtsrat kann Forderungen gegen Ex-Vorstände erheben. In dem Gremium, das am Dienstag über die Ansprüche beraten will, sitzt seit Januar auch Allianz-Chef Michael Diekmann.

Viel Spielraum hat der Aufsichtsrat nicht. Rechtlich ist er verpflichtet, mögliche Ansprüche gegen frühere Mitarbeiter geltend zu machen. Siemens kann die D&O-Versicherer nicht direkt bemühen - sie kommen nur für erfolgreiche Schadensersatzansprüche gegen die Manager auf.

Von Pierer muss mit Verfahren rechnen

Mehrere Zentralvorstände mussten wegen der Siemens-Affäre bereits zurücktreten, zuletzt Medizintechnikchef Erich Reinhardt. Die Staatsanwaltschaft München will frühestens am Mittwoch entscheiden, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen den langjährigen Konzern- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer eröffnet. Das kündigte die Anklagebehörde am Wochenende an.

D&O-Versicherungen erreichen in Deutschland Prämieneinnahmen von 300 bis 400 Millionen Euro. Ein Siemens-Großschaden würde also mehr als die Hälfte der gesamten Jahresprämien kosten.

Ähnliche Dimensionen hatte der Fall des früheren Daimler-Chrysler-Chefs Jürgen Schrempp. Dieser hatte in einem Interview gesagt, der Zusammenschluss zwischen Daimler und Chrysler sei keine Fusion zwischen Gleichen. Für erfolgreiche Schadensersatzansprüche von Chrysler-Aktionären mussten die Managerhaftpflichtversicherer im Umfang von 193 Millionen Euro aufkommen.

Versicherer warten auf Antwort auf Fragebogen

Siemens und die Versicherer hätten Stillhalteabkommen geschlossen, hieß es. Bis der Konzern die Ansprüche beziffert und konkret erhoben hat, wollen beide Seiten keine juristische Auseinandersetzung um den Fall eröffnen.

Nach einer D&O-Schadenmeldung schicken die Versicherer in der Regel einen Fragebogen an das Unternehmen, den es nach Rücksprache mit den Managern beantworten muss. Offenbar haben die Versicherer den Fragebogen an Siemens geschickt, bestehen aber vorläufig nicht auf einer Antwort.

Hat ein Manager vorsätzlich gehandelt, zahlt die D&O-Versicherung nicht. Die Ansprüche von Siemens gegen die Ex-Führungskräfte dürften aber so oder so teuer werden. Denn die Versicherer müssen auf jeden Fall zunächst die Kosten übernehmen, wenn Manager sich rechtlich gegen Schadensersatzansprüche zur Wehr setzen.

FTD