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Siemens: Schaden hoch, Bilanz unten

Bei Siemens ist der Schaden durch Korruption und Untreue offenbar höher als bisher angenommen. Die Bilanz des Konzerns musste nach unten korrigiert werden, auch der Gewinn verringert sich deutlich. Die Unternehmensführung hat die Korruption erstmals eingeräumt.

Die Siemens-Führung hat erstmals jahrelange Korruption im Konzern offen eingeräumt. Zahlungen über 420 Millionen Euro seien als zweifelhaft einzuschätzen, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser am München. Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sagte, die Konzernspitze sei entschlossen, "diesem Spuk der Korruption bei uns wirklich ein Ende zu machen".

Die Schwarzgeldaffäre hinterlässt Spuren in der Bilanz. Nach Überprüfung bestimmter Transaktionen und Zahlungen korrigierte das Unternehmen den Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr 2005/06 (per Ende September) nach unten.

Der Gewinn nach Steuern verringere sich auf 3,033 Milliarden Euro und der Nachsteuergewinn aus fortgeführten Aktivitäten auf 3,087 Milliarden Euro, erläuterte ein Konzernsprecher nach einer Aufsichtsratssitzung. Das Unternehmen verbuche nun für 2005/06 vorsorglich eine zusätzliche steuerliche Belastung von 168 Millionen Euro, die sich summiert aus nicht genau nachvollziehbaren Zahlungen aus den vergangenen sieben Jahren ergebe.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit Mitte November in der Schwarzgeldaffäre gegen ein Dutzend Beschuldigte. Sie sollen bei Siemens rund 200 Millionen Euro abgezweigt und auf schwarze Kassen im Ausland geleitet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Geld für Schmiergeldzahlungen verwendet wurde. Laut Medienberichten liegen den Behörden mittlerweile sechs Geständnisse vor. Fünf Beschuldigte sitzen derzeit in Haft.

Reuters / Reuters