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Siemens-Schmiergeldaffäre: Offenbar 1,6 Milliarden in schwarzen Kassen

Offiziell wurde die Korruptionsaffäre bei Siemens bislang auf 420 Millionen Euro beziffert. Nun sickerte durch: Eine interne Untersuchung schätzt die Summe verdächtiger Zahlungen weitaus höher ein - auf mehr als das Dreifache.

Die Schmiergeldaffäre bei Siemens ist einem Zeitungsbericht zufolge womöglich größer als bislang bekannt. Das "Wall Street Journal" berichtete am Mittwoch in seiner Online-Ausgabe über das Ergebnis einer internen Untersuchung bei Siemens, wonach sich die Summe verdächtiger Zahlungen auf 1,6 Milliarden Euro beläuft. Bislang hatte Siemens 420 Millionen Euro an dubiosen Geldströmen im Zeitraum von 2000 bis 2006 auf den Prüfstand gestellt.

Bei den Summen handelt es sich im Wesentlichen um Überweisungen und Bargeldentnahmen, für die kein Verwendungsbeleg existiert. Dabei muss es sich aber nicht zwangsläufig um Bestechungsgelder handeln. Zudem ist der Zeitraum vor dem Jahr 2000 in Deutschland und den USA straf- und steuerrechtlich durch Verjährungsfristen kaum mehr von Belang.

Das "Wall Street Journal" berief sich in seinem Bericht auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Aus diesen sei durchgesickert, dass dem Aufsichtsrat vergangene Woche eine neue Schätzung genannt worden sei. Enthalten seien in der Summe Transaktionen, die bis zur Mitte der 1990er Jahre zurückgingen. Die US-Firma Debevoise & Plimpton LLP habe die Zahl enthüllt, schrieb die Zeitung. Siemens hatte Debevoise zur Aufklärung der Affäre engagiert. Weder bei Siemens noch bei Debevoise war zunächst eine Stellungnahme zu erhalten.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bislang wegen des Verdachts auf Bestechung und Untreue gegen mehrere frühere Siemens-Manager. Sie sollen aus schwarzen Kassen vorwiegend der früheren Telekommunikationssparte Com gut 200 Millionen Euro an Schmiergeldern im Ausland bezahlt haben. Die Behörde will noch im Herbst die ersten Verdächtigen offiziell anklagen.

Siemens fürchtet wegen der Schmiergeldaffäre hohe Strafen der US-Börsenaufsicht SEC, die sich bereits in München mit den Strafverfolgern zu Gesprächen getroffen hat. Ob die Amerikaner ein formales Rechtshilfeersuchen in Deutschland gestellt haben, ist indessen unter den Juristen der Staatsanwaltschaft und des Bundesamts für Justiz umstritten. Experten sind sich zudem über die Höhe der möglichen SEC-Forderung uneins.

Reuters / Reuters
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