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Smokers International Airways: Party über den Wolken

Livebands, Models und Cocktails - Flüge von Smintair sind etwas anders. Rauchen ist an Bord übrigens ausdrücklich erwünscht. Im Oktober soll der Flugbetrieb von Düsseldorf aus endlich starten. Doch die Zeit wird knapp: Bisher wissen die Behörden von nichts.

Von Björn Maatz

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass das Rauchen während des gesamten Fluges gestattet ist - gleich präsentieren wir Ihnen eine Auswahl feiner Zigarren." So könnte es schon bald an Bord der Smokers International Airways (Smintair) heißen. Während sich in vielen Teilen der Welt die Rauchverbotszonen ausweiten und Deutschland um die Gesundheitsreform ringt, werkelt Alexander Schoppmann an seinem Lebenswerk. Der 55-jährige Ex-Börsenmakler gründet eine Airline, in der das Rauchen als Genuss rekultiviert werden soll.

"Warum soll ich für einen Langstreckenflug Tausende von Euro ausgeben, nur um mir vorschreiben zu lassen, was ich alles nicht darf?", hatte sich Schoppmann vor einigen Jahren gefragt. Sein Konzept: Statt mehr als 500 Sitzplätze gibt es nur noch 138, eine Economy-Klasse entfällt ganz. "Da werden Sie nicht wie Vieh in eine fliegende Tonne gesperrt."

Nur charmante und hübsche Flugbegleiterinnen hätten eine Chance im Service. Männliche Stewards kämen höchstens als Barkeeper in Frage. Alle Passagiere könnten mit ihrem eigenen Handy telefonieren, mit ihrem Laptop online surfen und im Onboard-Duty-Free-Shop aus Produkten bis zu einem Einzelwarenwert von 50.000 Euro auswählen.

"Luft wie im Operationssaal"

Zudem soll es eine Upper-Deck-Lounge und Frischluftzufuhr geben. Das verbrauche zwar mehr Kerosin und sei damit teurer, als nur die Luft umzuwälzen - aber es lohne sich. "Die Luft wird besser sein als in einem Operationssaal - man wird nicht spüren, dass da jemand in der Bude raucht", verspricht Schoppmann.

Die Aufregung um das Passivrauchen kann Schoppmann eh nicht verstehen: "Es gibt da kein Risiko - sonst wären wir doch schon alle längst tot." Seine Begründung: Jeder sei in seinem Leben von Rauchern umgeben, krank werden seiner Auffassung nach eher die Nichtraucher. Passend dazu will er eine einstweilige Verfügung gegen die Bundesrepublik Deutschland erwirken. Er wolle unterbinden, dass der "Unsinn von den Gefahren des Passivrauchens" weiterverbreitet werde.

Ende Oktober soll die Airline an den Start gehen, geplant ist zunächst ein täglicher Abflug von Düsseldorf über Tokio nach Schanghai. Ein Return-Ticket in der Business Class soll rund 6500 Euro kosten, für die First Class werden 10.000 Euro fällig. Die Kosten sollen mit "lukrativen Frachtraten" wieder reinkommen. Die erste Boeing 747 least Smintair von South African Airways, ausgeliefert wird sie im Sommer. Für die weiteren beiden Jumbo-Jets liefen bereits Gespräche mit drei Fluggesellschaften.

Investoren? "Die einfachste Sache"

Schoppmann benötigt zwei Flugzeuge zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebes, das dritte dient als Backup und Eventflieger. "Sie glauben gar nicht, was Sie in der Luft alles machen können", sagt der Unternehmensgründer. Models könnten auf einem Laufsteg die neueste Haute Couture präsentieren, Bands live ihr neues Album promoten - Platz sei ja genug vorhanden. Die Vorbuchungen seien jedenfalls "irre".

Die Finanzierung des ganzen Vorhabens sei sichergestellt. Ein Schweizer Konsortium habe 80 Millionen Euro beigesteuert. Zudem sei Schoppmann im Gespräch mit Finanzinvestoren aus Abu Dhabi, die zwischen 150 und 750 Millionen Euro in Aussicht gestellt hätten - gegen eine entsprechende Beteiligung an der Smint-Holding. "Investoren zu bekommen war die einfachste Sache der Welt", sagt Schoppmann.

Zunächst soll es bei der einen Strecke bleiben - für 2008 könne sich der Smintair-Gründer auch Johannesburg oder Sao Paulo vorstellen. Seine Heimatstadt Düsseldorf habe Schoppmann mit Bedacht gewählt - nach London und Paris leben hier die meisten Exiljapaner Europas.

Start zweimal verschoben

Schoppmann kann eigentlich nur noch an der eigenen Realität scheitern - denn Smintair sollte bereits im Oktober 2006 abheben. Der Airline-Gründer gibt anderen die Schuld für die zweimalige Verzögerung: Zunächst habe es keine verfügbaren Slots, also Start- und Landerechte, mehr gegeben, und der dann geplante Start zum März dieses Jahres sei verschoben worden, weil er angeblich keine A380 bekommen habe.

Dem Luftfahrt-Bundesamt liegt nach Angaben einer Sprecherin noch kein offizieller Antrag vor, der Grundvoraussetzung für die Zulassung der Airline ist. Laut Schoppmann wird das im Sommer nachgeholt.

Am Düsseldorfer Flughafen weiß man auch noch nichts Konkretes. "Die Gespräche, die Smintair mit uns geführt hat, sind bislang rein theoretischer Natur", sagt ein Sprecher.

Kampf um die Slots

Die Flughafenkoordination Deutschland, die sämtliche Slots festlegt, hat von Smintair ebenfalls noch nichts gehört. Die von Schoppmann gewünschte tägliche Abflugzeit von 18.30 Uhr hält Armin Obert, Leiter der Koordination, für unrealistisch: "Die wird er höchstwahrscheinlich nicht kriegen."

Starts in den Morgen- und Abendstunden seien sehr beliebt. Andere Fluggesellschaften müssten schon Slots zurückgeben, damit Smintair seine Wunschzeit bekommt.

Bis Anfang Mai muss Schoppmann seine Start- und Landerechte beantragen - einen Monat später werden die bundesweiten Flugzeiten für den Winterflugplan 2007/2008 festgelegt.

Andreas Kretzschmar, Vorsitzender des "Board of Airline Representatives in Germany", der Interessenvertretung der Fluggesellschaften, zeigt sich skeptisch: "Ich denke nicht, dass ein reiner Business-Class-Flieger für Raucher ökonomisch von Düsseldorf aus geführt werden kann."

Eins hat Schoppmann schon festgestellt: "Es ist komplizierter, eine Fluggesellschaft aufzumachen als eine Tüte Chips." Doch genauso gelte folgendes für den ehemaligen Börsenmakler: "Ich erreiche alle meine Ziele - egal, wie lange es dauert."

FTD