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Spritpreise: Volle Konten für die Ölscheichs

Des einen Leid ist des anderen Freud: Während Industrie und Autofahrer in den westlichen Industrienationen über die hohen Spritpreise stöhnen, füllt der Petrodollar-Segen die Konten der Herrscherfamilien - und der Beamten.

Von dem Geldsegen, den die hohen Ölpreise in die Staatskassen spült, profitieren nicht nur die Monarchien, sondern auch die Allgemeinheit. So hob der saudiarabische König Abdullah im August die Bezüge der Beamten - das sind immerhin ein Drittel der Arbeitnehmer in Saudi-Arabien - um 15 Prozent an. Die gleiche Erhöhung erhalten die saudiarabischen Rentner.

Reduzierung der Staatsschulden

Gleichzeitig wird im Golf derzeit allerorts in Großprojekte investiert, deren Wirtschaftlichkeit allerdings zum Teil umstritten ist. In ärmeren arabischen Ländern hofft man unterdessen, dass die arabischen Brüder einen Teil des warmen Petrodollar-Regens auch bei ihnen investieren. So hat beispielsweise die ägyptische Regierung bei der Privatisierung ihres Traditionskaufhauses Omar Effendi vor allem in den Golfstaaten die Werbetrommel gerührt. Saudi-Arabien, der größte Erdölexporteur weltweit, kann sich zudem endlich wieder der Reduzierung seiner Staatsschulden widmen.

Doch der Geldsegen ruft auch Ängste wach. So warnten Öl-Experten in Kuwait vergangene Woche vor möglichen negativen Langzeitfolgen des Preisbooms. Erstens steigen durch die hohen Ölpreise auch die Preise für Industrieprodukte, was auch die Golfstaaten, die einen Großteil ihrer Waren importieren, trifft. Zweitens befürchten die Golfstaaten, dass die Rekordpreise der Weltwirtschaft einen so großen Schaden zufügen könnte, dass dadurch auch ihre eigenen Volkswirtschaften in den Abwärtssog geraten könnten. Und drittens besteht die Sorge, dass der Preisboom die erdölimportierenden Staaten dazu bringen könnte, stärker als bisher in alternative Formen der Energiegewinnung zu investieren.

Auch Scheichs halten Spekulationen für Hauptproblem

Die Ölminister der arabischen OPEC-Mitgliedstaaten meinen, dass die hohen Preise, abgesehen von den Folgen der Naturkatastrophe an der amerikanischen Westküste, vor allem durch Spekulation zu Stande kommen und weniger durch die aktuellen Daten zu Angebot, Nachfrage, Raffineriekapazitäten und Ölreserven. Deshalb wissen sie auch nicht mehr, wie sie den Markt noch beruhigen sollen. Selbst Produktionssteigerungen, wie sie etwa Saudi-Arabien und die Emirate kürzlich verkündet hatten, verpufften ohne jeden Effekt.

Das bringt einige Länder der Golfregion in eine schwierige Situation. Denn abgesehen von den möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen der hohen Ölpreise sehen sich die arabischen Golfstaaten zudem politisch in der Pflicht. "Wir haben kein anderes Werkzeug, um das Klettern der Preise zu verhindern, außer einer Steigerung unserer Produktion", erklärte Saudi-Arabiens Kronprinz Sultan, so als müsse sich das Königreich rechtfertigen. Denn zwischen Saudi-Arabien und den USA besteht ein ungeschriebener Pakt, der besagt, dass sich die Herrscher in Riad redlich um stabile Preise bemühen sollen und dafür von Washington politisch und militärisch geschützt werden. Von diesem "Deal" profitierten in den vergangenen Jahren letztlich auch die Autofahrer in Europa.

VAE: Benzinpreis jetzt bei 39 Cent

Für deutsche Autofahrer dürfte es bei Preisen von rund 1,45 Euro für einen Liter Superbenzin nur ein kleiner Trost sein, dass inzwischen selbst die Menschen in den mit reichlich Ölquellen gesegneten Vereinigten Arabischen Emiraten an der Tankstelle mehr berappen müssen. "Ölförderung und -vertrieb sind zwei paar Stiefel", wurde ihnen vergangene Woche erklärt. Die Benzinpreise stiegen um mehr als 30 Prozent: Auf 0,39 Euro.

Anne-Beatrice Clasmann/DPA / DPA