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Stiftung Warentest: Bankberatung so schlecht wie ihr Ruf

Die Banken beraten ihre Kunden trotz Finanzkrise nur mäßig bis schlecht. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest macht Anlegern wenig Hoffnung, ihr Geld in gute Hände zu geben.

Die Anlageberatung deutscher Banken liegt mehr als ein Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise weiter im Argen. Wie die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift "Finanztest" berichtet, wurde von 21 Instituten keines mit "gut" bewertet; zwei Banken bekamen gar ein "mangelhaft", weil sie eine einfache Aufgabe nicht bewältigen konnten.

"Finanztest" zog nach eigenen Angaben zwischen Ende Juli und Anfang September 2009 eine Stichprobe aus 147 Beratungsgesprächen bei sieben Großbanken, neun Sparkassen und fünf Genossenschaftsbanken. Die Tester gaben vor, dass sie 30.000 Euro auf fünf Jahre sicher anlegen wollten und eine Rendite von vier Prozent erwarteten. Allerdings gab es in diesem Sommer keine vier Prozent, es sei denn für Sonderaktionen und Lockzinsangebote.

Laxe Auffassung von "Sicherheit"

Erstaunt zeigten sich die Tester über die laxe Auffassung der Bankberater darüber, was "sicher" bedeutete. "Und das, obwohl sie Zigtausende von Kunden, die ihr Geld sicher anlegen wollten, schon einmal um ihre Ersparnisse gebracht haben - und Besserung schworen", heißt es in der Verbraucherzeitschrift. Auch hätten die Mitarbeiter den Kunden nicht einmal die elementaren Fragen gestellt, die das Wertpapierhandelsgesetz vorschreibe. "Wer nicht weiß, wie es um die finanziellen Verhältnisse seines Kunden steht und welche Kenntnisse er hat, dessen Empfehlung kann nur Zufall sein", kritisieren die Finanztester. Am besten schnitten unter den Banken im Test die Commerzbank, die Kreissparkasse Köln und die Berliner Sparkasse ab. Die Stiftung Warentest rät jedem Anlagewilligen, sich vor dem Beratungsgespräch genau zu überlegen, wie viel Geld er anlegen will, wie lange, wofür und welches Risiko er dabei eingehen will. Statt vager Anlagemöglichkeiten soll der Interessent auf konkreten Empfehlungen bestehen und nach Kosten und Provisionen fragen. "Unterschreiben Sie erst einmal nichts", lautet die Empfehlung. Entscheidungen sollte der Kunde erst nach sorgfältiger Überlegung treffen.

Auch verwies die Stiftung darauf, dass Bankberater ab 1. Januar 2010 Beratungsgespräche nach strengen Vorgaben protokollieren müssen. Außerdem verjährt die Falschberatung einer Bank schon seit August nicht mehr nach drei Jahren, sondern im äußersten Fall erst nach zehn Jahren.

"Ohne stärkere Kontrolle geht es nicht"

Verbraucherschutzministerin Aigner äußerte im "Hamburger Abendblatt" Enttäuschung über die Qualität der Bankberatung. Auf freiwilliger Basis hätten sich die Institute nicht verbessert, deshalb müsse nun der Staat handeln. "Die jüngsten Fälle eklatanter Falschberatung zeigen: Ohne gesetzliche Regelungen und ohne stärkere Kontrolle geht es nicht", so die CSU-Politikerin.

"Noch immer wird versucht, gutgläubigen Kunden riskante Finanzprodukte anzudrehen. Viele Kunden fühlen sich nicht beraten, sondern verkauft", sagte Aigner dem Blatt. Wenn sie höre, wie den Leuten riskante Geldanlagen als vermeintlich sichere Produkte verkauft würden, könne sie sich nur wundern.

AFP/Reuters / Reuters
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