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Telekom-Affäre: René Obermann - bei Anruf Chef

Telekomchef René Obermann ist für seine Durchsetzungskraft bekannt. In der Affäre um die Bespitzelung der eigenen Vorstände und Aufsichtsräte könnte ihm diese Charaktereigenschaft nun sehr von Nutzen sein.

Ein Porträt von Arndt Ohler und Astrid Maier

Durchsetzungsvermögen hat René Obermann in seinen fast 18 Monaten an der Spitze der Telekom bewiesen. Wochenlang bestreikten Mitarbeiter der Telekom das Unternehmen, um die Sparpläne des Managers zu stoppen. Geholfen hat es nichts. Trotz des immensen Drucks hielt er an seinem Ziel fest. 50.000 Mitarbeiter müssen nun für weniger Geld länger arbeiten.

Ebenso unnachgiebig und zügig muss René Obermann nun Licht in die Affäre um die Bespitzelung der eigenen Vorstände und Aufsichtsräte bringen. Auch um sich selbst zu schützen. Denn unklar ist, ob die Überwachung zeitgleich mit dem Rücktritt seines Vorgängers Kai-Uwe Ricke Mitte November 2006 endete. Dies müssten Staatsanwälte klären, sagte ein Konzernsprecher. Direkt nach Bekanntwerden des Falls hatte Obermann sich vor die Kameras gestellt und versprochen: "Wir nehmen den Vorgang sehr ernst. Ich bin über die Vorwürfe zutiefst erschüttert."

Der sportliche Manager ist für die bevorstehende Aufgabe gewappnet. Klare Worte scheut er nicht - auch wenn das Arbeitsklima dadurch leidet. "Er hat nichts gegen ein gutes Betriebsklima. Es ist allerdings nur sekundär für ihn, sofern die Ergebnisse stimmen", sagt ein Unternehmensberater mit Einblick in dessen Arbeitsweise.

Kontrollbesessen und ehrgeizig

Der 45-Jährige hat einen steilen Aufstieg hingelegt. 1998 beginnt der ausgebildete Industriekaufmann als Vertriebsgeschäftsführer bei T-Mobile Deutschland. Bereits vier Jahre später ist er Chef von T-Mobile International und im Telekom-Vorstand für Mobilfunk verantwortlich. Im November 2006 rückt er an die Konzernspitze auf.

In seinem Umfeld gilt der Manager als kontrollbesessen und extrem ehrgeizig. Privates gibt er ungern preis, auf öffentlichen Veranstaltungen agiert er souverän - leidenschaftlich wirkt er dabei nie. Zu umständlich sind Sätze, die er formuliert, zu nüchtern - Beamtendeutsch. "Ich finde Ihr Beispiel sehr betroffen machend", sagt er zu einer Callcenter-Mitarbeiterin, die so wenig verdient, dass sie staatliche Hilfe braucht, um zu überleben.

Mehr Standfestigkeit nötig als gedacht

Dass das Ende seiner langjährigen Ehe und die neue Partnerschaft mit TV-Moderatorin Maybrit Illner tagelang Thema in Presse und Fernsehen war, dürfte für den gebürtigen Düsseldorfer ein Graus gewesen sein. Seine Art hat ihm unter den vielen Tausenden Mitarbeitern wohl wenig Freunde gemacht. Dafür kann er auf die Großinvestoren zählen. Die Aktionäre Bund und Investor Blackstone haben sich demonstrativ hinter den Telekom-Chef gestellt. Analysten bemängeln hingegen eine fehlende Vision.

So ist auch der Aktienkurs seit seinem Amtsantritt um 19,6 Prozent gesunken. Obermann selber schwante wohl, dass die Streiks nicht das Ende der Turbulenzen gewesen sind. "Ich bin mir bewusst, dass ich auch über 2008 hinaus viel Standfestigkeit brauche, um durch diesen Sturm zu kommen, den Reformkurs fortzusetzen", sagte Obermann im Februar. An eine Spitzelaffäre dachte er dabei wohl nicht.

FTD
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