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Telekom: Eichel: Keine bewusste Anleger-Täuschung

Finanzminister Hans Eichel hat den Vorwurf zurückgewiesen, im Jahr 2000 Käufer von Telekom-Aktien absichtlich über die wahre Lage des Unternehmens getäuscht zu haben.

Bundesfinanzminister Hans Eichel hat den Vorwurf zurückgewiesen, im Jahr 2000 Käufer von Aktien der Deutschen Telekom absichtlich über die wahre Lage des Unternehmens getäuscht zu haben, um möglichst viel Geld herauszuschlagen. Allerdings räumte er am Dienstag in Berlin ein, dass es beim Erwerb der britischen Mobilfunkfirma One2One für rund zehn Milliarden Euro durch die Telekom viele verschiedene Einschätzungen gegeben habe. Doch seien "unterschiedliche ökonomische Bewertungen" etwas ganz anderes als eine "bewusste Täuschung" der Öffentlichkeit.

"Marktübliche Preise"

Aus der Sicht Eichels erfolgte der Kauf von One2One im August 1999 zu damals marktüblichen Preisen. Strategische Entscheidungen der Telekom seien jedoch generell Sache des Managements und nicht des Bundesfinanzministers, betonte er. Auch dien Telekom hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Kaufpreis schon 1999 umstritten

Der Kaufpreis für One2One war schon 1999 umstritten. Schon viele Monate vor dem dritten Börsengang der Telekom Mitte 2000 soll der damalige Finanzvorstand Joachim Kröske die anderen Mitglieder des Vorstandes auf milliardenschwere Risiken hingewiesen haben, insbesondere auf überteuerte Zukäufe. Kröske soll im September 1999 gewarnt haben, die Kluft zwischen dem wirklichen Wert der Telekom und dem Aktienkurs werde immer größer.

Bund nahm 15 Mrd. Euro ein

Der Bund ist nach wie vor Mehrheitsaktionär der Telekom. Der dritte Telekom-Börsengang - pro Aktie 66 Euro - brachte ihm 15 Milliarden Euro Einnahmen. Kurze Zeit später begann der rasante Wertverlust der Aktie. Vorwürfe an Bund und Telekom, die wahre Lage des Unternehmens bewusst verschwiegen zu haben, um mehr Geld einzunehmen, gibt es schon seit gut zwei Jahren.

Keine Angaben zu Besprechungen

Eichel betonte, er könne und dürfe keine Angaben über Besprechungen im Aufsichtsrat machen. Deren Mitglieder müssten ausschließlich zum Wohle des Unternehmens handeln. Der Minister wies daraufhin, dass beispielsweise France Telecom etwa zum selben Zeitpunkt für das Telekommunikationsunternehmen Orange einen höheren Preis bezahlt habe, obwohl Orange seinerzeit schlechter dagestanden habe als One2One. Entscheidungen über Zukäufe und Kaufpreise müssten Vorstand und Aufsichtsrat untereinander ausmachen.

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