Tschechien Die Grenze ist immer noch spürbar


Zwischen den Städten Selb im Nordosten Bayerns und Asch in Tschechien liegen nur sieben Kilometer. Doch die kurze Distanz bedeutet keineswegs, dass die Unterschiede zwischen den beiden Städten jetzt nicht mehr zu spüren sind.

"Ich fahre nicht nach Tschechien, ich habe keine Interesse daran", sagte eine zufällig befragte Passantin in der Selber Innenstadt. Auch der zweite Bürgermeister von Asch, Jiri Knedlik, nimmt kein Blatt vor den Mund: "Mein persönlicher Wunsch wäre eine bessere Zusammenarbeit mit der Stadt Selb." Ein weiterer Herzenswunsch von Bürgermeister Knedlik ist die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke zwischen Selb und Asch. Bis 1995 wurden hier noch Güter transportiert, seitdem passiert hier nichts mehr. Die Wiederaufnahme dieser Verbindung würde den Lückenschluss auf der Strecke zwischen Hof und Eger bedeuten. "Bayern wird sich dagegen nicht verwehren", betont das Selber Stadtoberhaupt Wolfgang Kreil (CSU). Einen konkreten Nutzen für die Wirtschaft sieht Kreil aber nicht, da die meisten Unternehmen von der Bahnlinie abgekoppelt seien und der Personenverkehr ohnehin immer defizitär sein werde.

Wunsch nach gemeinsamem Wirtschaftsraum

Beide Bürgermeister wünschen sich jedoch einen gemeinsamen Wirtschaftsraum und einen regen Handel, wie es ihn schon vor dem Zweiten Weltkrieg einmal gab. "Die Ascher sind nach Selb zum Kaffee trinken gegangen und die Selber nach Asch zum Bier trinken. Vielleicht sollten wir das wieder aufbauen", sagt Knedlik. "Essen, tschechisches Bier und böhmische Musik", das sind die angenehmen Seiten der Nachbarschaft", erzählt Selbs Stadtoberhaupt Kreil. "Ich bin relativ gut bekannt mit den beiden Bürgermeistern von Asch. Auf beiden Seiten ist der Wille da, miteinander auszukommen."

Mehr ist es offensichtlich bislang noch nicht. Es gebe eine erste Zusammenarbeit im kulturellen Bereich. Bei der Fremdenverkehrswerbung sei sie angedacht und auch die beiden Feuerwehren hätten miteinander Kontakt, berichtet Kreil. Es seien erste Anfänge, beide Städte gehörten zu unterschiedlichen Ländern und damit zu unterschiedlichen Rechts- und Finanzsystemen. Die Verbindungen seien daher nicht so groß, sagte Kreil.

Sprachbarriere als Hindernis

Erschwerend hinzu kommen noch die Wartezeiten an der Grenze und die Sprachbarriere. Während jenseits der Grenze die deutsche Sprache weit verbreitet ist, beherrschen nur wenige Deutsche das Tschechische, gesteht Oberbürgermeister Kreil ein. Bei Anfängerkursen der Volkshochschule sei das Interesse sehr gering. Diese Aussage untermauert die Vermutung von Bürgermeister Knedlik: "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Deutschen zu faul sind, Fremdsprachen zu lernen." Zudem sei das Tschechische auch ziemlich schwierig. Während Knedlik die deutsche Sprache fast perfekt beherrscht, bringt es sein Amtskollege in Selb nur auf ein paar tschechische Brocken. "Bislang hat mir die Zeit, aber nicht die Lust gefehlt", beteuert Kreil.

Christoph Gahlau/DPA DPA

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