HOME

Türkei: Erdogan sagt der Marktwirtschaft den Kampf an - und verbietet einfach die Inflation

In der Türkei wütet die Inflation, die Preise sind sich kürzester Zeit explodiert. Präsident Recep Tayyip Erdogan will die Teuerung nun stoppen - indem er sie einfach verbietet. Der irre Kampf gegen die Marktwirtschaft 

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan will die Inflation aufhalten.

Picture Alliance

Die Türkei wird von einer knallharten Wirtschaftskrise erschüttert. Allein im September stieg die Teuerungsrate auf knapp 25 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Wert bei 2,3 Prozent. Doch viel schlimmer explodierten die Produzentenpreise - hier stieg die Inflation sogar auf über 46 Prozent. Damit die Verbraucherpreise da nicht nachziehen, hat die türkische Regierung nun reagiert. Am Dienstag sprach der türkische Wirtschaftsminister und Schwiegersohn  Recep Tayyip Erdogans, Berat Albayrak von einem "radikalen Krieg gegen die Inflation". 

Den Kampf hat die Regierung Erdogans bereits Mitte September aufgenommen. Und das mit einem drastischen Schritt: Eine staatliche vorgeschriebene Preissenkung. Staatliche Unternehmen haben bereits die Preise um zehn Prozent gesenkt. Firmen, die Produkte produzieren, die zur Berechnung der Inflation herangezogen werden, sind ebenfalls angehalten den Rotstift bei den Preisen anzusetzen."Das ist eine Freiwilligen-Kampagne", sagte Albayrak zur "Welt". Geschäfte, die mitmachen, sollen das Logo der Aktion in ihr Schaufenster hängen, schreibt das "Handelsblatt". 

Doch so ganz freiwillig scheint die Aktion nicht zu sein, denn offenbar wird sehr genau geprüft, wer die Preise senkt. Die Zabita, eine  Preispolizei, soll inzwischen in türkischen Supermärkten und kleineren Läden patrouillieren. Sind die Preise zu hoch, werden Mahnungen verteilt, schreibt die "Wirtschaftswoche". Laut dem türkischen Handelsministeriums wurden 69.000 Produkte von 4000 Firmen kontrolliert, 114 Unternehmen bekamen eine Mahnung wegen zu hoher Preise, berichtet das Wirtschaftsmagazin weiter. 

Preiskontrolle in der Türkei

Preiskontrolle, nichts anders wird in der Türkei umgesetzt - und somit das Ende der freien Marktwirtschaft. Nicht mehr Nachfrage und Angebot regeln die Höhe des Preises, sondern das Regime Erdogan. Gar keine gute Idee. "Seit mehr als 4000 Jahren haben Diktatoren, Despoten und Politiker aller Couleur immer wieder Preiskontrollen als ultimatives Versprechen an die Bevölkerung eingeführt, alles billiger zu machen. Doch das Ergebnis war immer verheerend“, sagt der amerikanische Wirtschaftsprofessor der Uni Loyola Thomas DiLorenzo zur "Welt". Denn die Auswirkungen sind gefährlich: Der Schwarzmarkt und die Korruption florieren, die Qualität der Produkte sinkt, Versorgungsengpässe können auftreten. "Unter dem Gesichtspunkt der Inflation ist besonders schwerwiegend, dass Preiskontrollen die Aufmerksamkeit vom einzig wirklichen Grund der Inflation ablenken, nämlich vom Wachstum der Geld- und Kreditmenge", schreibt der US-Wirtschaftsjournalist Henry Hazlitt in seinem Buch

Inflation in der Türkei

Ursache für den starken Anstieg der Inflation in der Türkei sind vielfältig. Zum einen leidet das Land unter der restriktiven Handelspolitik der USA und dem Anstieg der Dollar-Leitzinsen. Dadurch steigt der Dollar im Wert - kleinere Währungen wie die türkische Lira geraten unter Druck und werden geschwächt. Dazu kommt auch das schwindende Vertrauen ins die Führung der Türkei. Der angekündigte Einfluss Erdogans auf die Zentralbank bereitet Experten Sorgen. Das Ergebnis: Investoren bleiben fern. Schon länger greift der Präsident hart in die Geldpolitik des Landes ein. So kurbelte er 2017 mit einem 60-Milliarden-Dollar-Paket die inländische Konjunktur an - doch das zu einem hohen Preis. Denn die steigende Geldmenge entwertete das Geld, die Inflation steigt rasant. 

Türkischer Staatschef: Warum Erdogan wegen Hetze schon im Gefängnis saß