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Übernahme: UNIQA rettet die Mannheimer

Dem Plan, die angeschlagene Mannheimer Versicherungsgruppe von der österreichischem UNIQA-Gruppe übernehmen zulassen, stimmten die Aktionäre mit mehr 95 Prozent zu. Eine Alternative gab es kaum.

Mit der geplanten Übernahme der Mannheimer Versicherungsgruppe durch den österreichischen UNIQA-Konzern hat der angeschlagene deutsche Konzern die Weichen für die Zukunft gestellt. Wie ein Unternehmenssprecher am Freitagabend mitteilte, stimmte die Hauptversammlung dem Plan in allen Punkten mit mehr als 95 Prozent zu. Zuvor hatte Mannheimer-Vorstandssprecher Lothar Stöckbauer bei der außerordentlichen Hauptversammlung erklärt, dazu gebe es keine Alternative.

Die UNIQA sei bereit, der Mannheimer das neue Eigenkapital zuzuführen, das zu ihrer Existenzsicherung dringend erforderlich sei. Heftige Kritik übten Kleinaktionäre wegen des Ausschlusses des Bezugsrechtes bei der anstehenden Kapitalerhöhung.

Frisches Eigenkapital

Auf der Hauptversammlung wurde der Weg für die Erhöhung des Anteils der UNIQA an der Mannheimer AG Holding freigemacht. Die größte Versicherungsgruppe Österreichs mit europaweit über 7.600 Mitarbeitern soll dem angeschlagenen deutschen Unternehmen frisches Eigenkapital in Höhe von 79,5 Millionen Euro zuführen. Somit erhöhe sich der Anteil am Grundkapital von jetzt unter 20 auf knapp über 87 Prozent. Zunächst soll zur Sanierung das Grundkapital der Mannheimer massiv herabgesetzt werden. Anschließend ist eine Barkapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrecht der freien Aktionäre geplant. Die neuen Aktien sollen ausschließlich von der UNIQA gezeichnet werden.

Schwarzer Peter bei den Aktionären

Der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Siegfried Pfündl, sprach sich für den Rettungsplan aus. Nur mit einem starken Partner könne das Unternehmen weiter bestehen. Der Schwarze Peter liege bei den geschädigten Aktionären. Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre sprach von einer "insolvenzreif geschossenen Gesellschaft". Er kündigte die Ablehnung des Sanierungskonzeptes an und schloss auch eine Klage nicht aus.

Die Lebensversicherungssparte der Mannheimer Holding war durch missglückte Aktienspekulationen in finanzielle Schieflage geraten und hatte so den Gesamtkonzern in massive Bedrängnis gebracht. Die Mannheimer rechnet für das abgelaufene Geschäftsjahr 2003 mit einem Minus von voraussichtlich 200 Millionen Euro.

Darlehen wird abgelöst

Bestandteil des Sanierungskonzepts ist den Angaben zufolge auch, dass die Mannheimer das Darlehen, das die Protektor Lebensversicherungs-AG ihr im Zusammenhang mit der Übertragung des Versicherungsbestands der Mannheimer Lebensversicherung gewährt hatte, durch Zahlung von 25 Millionen Euro ablöst. Im Gegenzug verzichtet die Auffanggesellschaft der Versicherungswirtschaft auf den verbleibenden Restbetrag.

Stöckbauer sagte, die Mannheimer bleibe im UNIQA-Konzern als eigenständige Gruppe mit Schwerpunkt Sachversicherung erhalten. Mit dem österreichischen Konzern stehe ein Investor bereit, der den Kapitalverlust der Holding ausgleichen werde und so eine finanzielle Gesundung ermögliche. Damit sei dann die Sanierung der Gruppe im Wesentlichen abgeschlossen. Im Vorfeld hatte der deutsche Konzern mit 22 Interessenten aus dem In- und Ausland Gespräche zur Sanierung geführt. Das baden-württembergische Unternehmen mit seinen rund 800 Mitarbeitern zählt zu den kleineren Versicherungsgruppen in Deutschland.

AP / AP