HOME

Ungarn: Die Bauern sind die Dummen

Der Esel, den aufgebrachte ungarische Bauern diesen März vor das Parlament in Budapest geführt hatten, trug ein Pappschild mit der Aufschrift "Ich hätte es besser gemacht". Sie sehen sich als klare Verlierer des EU-Beitritts.

Das Plakat und der Esel waren noch die mildeste Form, mit der die Landwirte ihrem Ärger darüber Luft machten, dass sie ihre EU-Subventionen für 2004 wegen der schleppenden ungarischen Bürokratie nicht bekommen hatten. Unweit des klassizistischen Heldenplatzes, am Aufmarschgelände, wo früher Panzer bei kommunistischen Militärparaden auffuhren, hatten sie mehr als 1000 Traktoren geparkt. Landesweit blockierten die Bauern Fernstraßen und Grenzübergänge. Am Ende einigten sie sich mit der Regierung über Subventionen und den Aufkauf von Getreide.

Bürokratie war mit Auszahlung überfordert

In Ungarn sind die Bauern die klaren Verlierer der EU-Erweiterung. Doch viele Experten sind sich einig, dass manche Härten durch umsichtigere Planung seitens der Regierung hätten vermieden werden können. Dass die Landwirte Existenzprobleme bekommen würden, war abzusehen. Schätzungen zufolge leben 700.000 bis 1,2 Millionen Ungarn von der Landwirtschaft - 7 bis 10 Prozent der Bevölkerung. Davon sind 80 Prozent Kleinbauern. Nach unterschiedlichen Schätzungen von Regierungsexperten ist etwa ein Drittel oder gar die Hälfte der Agrarbetriebe nicht überlebensfähig. Zudem war die ungarische Bürokratie im vergangenen Jahr nicht darauf vorbereitet, die Auszahlung der EU-Gelder abzuwickeln - im Gegensatz zu Polen, Tschechien und der Slowakei, wo dies reibungslos klappte.

Noch dazu investierte Ungarn zu wenig in Lagerkapazitäten für Getreide und in Infrastruktur für dessen Absatz. So kam es, dass die Bauern von der Rekord-Getreideernte im vergangenen Sommer nicht viel hatten. Sie fuhren 90 Prozent mehr Getreide ein als im Vorjahr, als es wegen Dürre zu einer schweren Missernte kam. Auch Himbeeren und Sauerkirschen verfaulten an ihren Stängeln, weil die staatlichen Aufkaufpreise zu gering waren, als dass sich das Pflücken gelohnt hätte. Seit dem EU-Beitritt wird Ungarn zunehmend von billigerem Obst und Gemüse aus Polen und Milchprodukten aus der Slowakei überschwemmt. Der Anteil der inländischen Lebensmittel-Erzeuger am Binnenmarkt sank von 90 auf 85 Prozent.

Weg von der 'verlängerten Werkbank'

Unterdessen bemüht sich das sozial-liberale Kabinett des Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany, das Land weiter als Standort für westliche Investoren auszubauen, weg von der verlängerten Werkbank, hin zu mehr IT, Maschinenbau, Forschung und Logistik. Zahlenmäßig sah die allgemeine Entwicklung im Land widersprüchlich aus: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 3,9 Prozent, nach einem Tief von 2,3 Prozent im Vorjahr, doch kletterten die Preise um 6,8 Prozent, nach einer Inflation von 4,7 Prozent 2003.

Deutlich sanfter wirkte sich der EU-Beitritt in der Industrie aus, weil viele Investoren sich schon Jahre vorher darauf eingestellt hatten. Schon jetzt sind nach Einschätzung von Professor Andras Inotai, Direktor des Budapester Instituts für Weltwirtschaft, zwei Drittel der ungarischen Exporte in den Westen Produkte von mittlerem und höherem technischen Niveau. Doch bedarf diese Entwicklung nach Einschätzung der Regierung weiterer Förderung, vor allem im IT-Bereich, in der Biotechnologie sowie bei Forschung und Entwicklung. Jetzt wurde dafür ein Fördertopf gebildet, den Wirtschaft und Staat speisen. Firmen wie Siemens und Audi kooperieren mit ungarischen Universitäten. Bildungsminister Balint Magyar will das veraltete Lernsystem grundlegend reformieren.

Mehr Fremdsprachenunterricht

Als erstes verordnete er den Schülern im vergangenen Jahr intensiven Fremdsprachen-Unterricht. In einem Pilotprogramm lernen die Kinder nun an einem Drittel der ungarischen Schulen in 40 Prozent der Unterrichtszeit Englisch, Französisch und Deutsch. Ungarns Bauern haben die Notwendigkeit zur Kommunikation in einer Weltsprache bereits erkannt: Das Schild des Esels vor dem Parlament war auch in Englisch beschriftet.

Kathrin Lauer/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(