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Unicredito/HVB-Fusion: "Stellenabbau ist ein großes, großes Problem"

Die bisher größte europäische Bankenfusion ist unter Dach und Fach: Die italienische Unicredito wird die Hypo-Vereinsbank übernehmen. Arbeitnehmervertreter erwarten den Abbau von 10.000 Stellen.

Arbeitnehmervertreter sind enttäuscht über den geplanten massiven Arbeitsplatzabbau in Deutschland nach der Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredito. "Der Stellenabbau ist ein großes, großes Problem", sagte HVB-Aufsichtsrat Hanns-Peter Kreuser vom Deutschen Bankangestellten-Verband zur Nachrichtenagentur DPA. Es sei unklar, wo die Stellen in Deutschland nach dem Abbau der vergangenen Jahre überhaupt noch gestrichen werden könnten.

Unicredito will nochmals sieben Prozent der Stellen in Deutschland streichen. Damit könnten knapp 2000 Arbeitsplätze zusätzlich wegfallen. Die HVB hatte erst im Februar angekündigt, im Rahmen des neuen Sparprogramms "PRO" würden 2200 bis 2400 Stellen gestrichen. "Wir haben verhandelt, aber es ist nicht das rausgekommen, was wir erwartet hatten", sagte Kreuser. Allerdings gebe es jetzt wohl nur noch wenige Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. "Das Thema ist erledigt."

Nun könnten nur noch die Aktionäre "mit den Füßen abstimmen", in dem sie das Übernahmeangebot der Italiener nicht annehmen. Das sei aber nicht zu erwarten. Die Übernahme durch Unicredito sei im Aufsichtsrat der Hypo-Vereinsbank sehr kontrovers diskutiert worden.

Die HVB hatte Ende 2004 noch knapp 58.000 Mitarbeiter, davon gut 26.000 in Deutschland. Nach Einschätzung Kreusers gibt es keine Zusage der Italiener, auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland zu verzichten. HVB-Aufsichtsrat Klaus Grünewald hatte am Sonntag von einem solchen Versprechen berichtet. Offiziell ist bisher lediglich eine Bestandsgarantie von Unicredito für das Deutschlandgeschäft der Hypo-Vereinsbank über fünf Jahre. Diese Zusagen können jedoch mit einer Mehrheit von 19 von 24 Stimmen im Unicredito-Aufsichtsrat abgeändert werden.

Fusion soll Talfahrt beenden

Die Fusion der beiden Banken soll die finanzielle Talfahrt des Münchner Bankinstituts beenden. Die Rahmenbedingungen für den Zusammenschluss stehen bereits. Der Verwaltungsrat von Unicredito und der HVB-Aufsichtsrat haben sich am Sonntag auf folgende Konditionen geeinigt: Der italienische Branchenprimus bietet den Anteilseignern der deutschen Bank in einem reinen Aktientausch fünf eigene Aktien je HVB-Papier. Für eine erfolgreiche Übernahme müssen mindestens 65 Prozent der HVB-Aktien eingetauscht werden. Dabei wird die Münchener Großbank gemessen am Schlusskurs vom Freitag mit 15,4 Milliarden Euro bewertet. Einschließlich Abfindungsangeboten bei Banktöchtern hätte die gesamte Transaktion ein Volumen von gut 19 Milliarden Euro.

Chef der neuen Bank soll der Unicredito-Vorstandschef Alessandro Profumo werden, HVB-Chef Dieter Rampl werde Präsident und dem Board der Bank - einer Mischung aus Vorstand und Aufsichtsrat - vorstehen. Im Vorstand wird die HVB-Seite vier oder fünf von elf Vertretern stellen. Für das ertragsschwache Deutschland-Geschäft der HVB vereinbarten die Banken ebenso wie für die österreichische Tochter Bank Austria eine Bestandsgarantie von fünf Jahren.

Rampl hatte alles versucht

Der HVB-Chef hatte bis zu der Einigung mit dem neuen italienischen Partner alles versucht um das Geldinstitut allein in die schwarzen Zahlen zu bringen: Nach seinem Amtsantritt Anfang 2003 verordnete Rampl der HVB eine Schrumpfkur, strich tausende Stellen und räumte mit Altlasten aus der Zeit seines Vorgängers Albrecht Schmidt auf. Beteiligungen wie die Norisbank wurden verkauft, die gewerblichen Immobilienkredite in der Hypo Real Estate abgespaltet. Die österreichische Tochter Bank Austria brachte Rampl gegen den anfänglichen Widerstand Schmidts wieder an die Börse und verschaffte sich so Kapital.

Doch seine Erfolge wurden stets von milliardenschweren Abschreibungen zunichte gemacht. Nach dem gescheiterten Versuch, mit der Commerzbank über eine Fusion zu verhandeln, brachte Rampl im April 2005 die HVB öffentlich für Unicredito als Juniorpartner ins Gespräch - mit Erfolg wie sich jetzt zeigt. Bei einem gelungenen Abschluss entsteht das nach Marktkapitalisierung neuntgrößte Kreditinstitut in Europa. Die neue Bank mit einer Bilanzsumme von 733 Milliarden Euro wird in 19 Ländern vertreten sein. Weit über 120.000 Mitarbeiter werden mehr als 28 Millionen Kunden betreuen. Ein Abschluss der gesamten Transaktion wird bis Oktober erwartet. Zunächst muss noch eine außerordentliche Hauptversammlung der UniCredito-Anteilseigner am 27. Juli das Vorhaben billigen, bevor das Tauschangebot im August abschließend unterbreitet werden kann. Zudem müssen zuvor die Bankenaufsicht und die Kartellbehörden die Transaktion noch genehmigen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters