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Urteil gegen Inkasso-Anwältin: Ein Schlag gegen die Abofallen-Abzocke

Hoffnung für Abofallen-Opfer: Das Amtsgericht Karlsruhe hat eine Inkasso-Anwältin zu Schadenersatz verurteilt. Das Urteil dürfte den Kampf gegen dubiose Webseiten-Betreiber erleichtern.

Von Sönke Wiese

Formal geht es nur um 46,41 Euro. Diesen Betrag muss die Münchner Inkasso-Anwältin Katja Günther einer Frau als Schadensersatz zahlen, die im Internet in eine sogenannte Abofalle geraten war. 46,41 Euro und Verfahrenskosten von rund 150 Euro treiben eine Anwältin nicht in den Ruin. Doch es steht mehr auf dem Spiel. Dieses Urteil des Amtsgerichts Karlsruhe könnte Signalwirkung haben. "Wenn andere Gerichte sich daran ein Beispiel nehmen, können wir das Geschäft mit den Abofallen empfindlich stören", sagt Opfer-Anwalt Benedikt Klas stern.de.

Die Masche der Abofallen

Abofallen-Seiten sind seit Jahren eine Plage im Internet, die Masche ist immer die gleiche: Die Seiten bieten belanglose Inhalte wie Rezepte, Songtexte oder Horoskope an. Dafür sollen die Nutzer nur ihre Kontaktdaten hinterlassen. Den Hinweis auf ein kostenpflichtiges Abo verstecken die Betreiber irgendwo im Kleingedruckten. Zehntausende Menschen sind nach Schätzungen von Verbraucherschützern schon darauf hereingefallen. Wer nicht zahlt, wird mit Mahnschreiben von Inkasso-Anwälten traktiert.

Viele Opfer lassen sich davon einschüchtern, so dass sie schließlich nachgeben. Ein einträgliches Geschäft - sowohl für die Seitenbetreiber wie auch für die Inkasso-Anwälte. Verbraucherschützer raten, solche Schreiben zu ignorieren. Wer dagegen die Forderungen mit Hilfe eines Rechtsbeistands abwehrt, bleibt auf den Kosten für den eigenen Anwalt sitzen. Denn die Seitenbetreiber, die oft als Briefkastenfirmen vom Ausland aus agieren, sind meist nicht zu fassen.

Opfer-Anwalt dreht den Spieß um

Doch nun hat Anwalt Benedikt Klas aus Karlsruhe einen anderen Kniff angewendet. Im Auftrag einer Mandantin, die auf ein "Geburtstags-Archiv" hereingefallen war, nahm er sich nicht die Seitenbetreiber vor, sondern die Inkasso-Anwältin Katja Günther. Damit seine Mandantin das Ärgernis ohne Zusatzkosten übersteht, verklagte er Günther auf Schadensersatz: Sie sollte die Anwaltsgebühren erstatten, die zur Abwehr ihrer Forderung angefallen waren.

Und das Amtsgericht Karlruhe folgte seiner Argumentation. In dem Urteil (Az. 9 C 93/09) stellt die Richterin fest: "Die Seite ist ersichtlich darauf angelegt, Internetbenutzer zu täuschen über die Kostenpflichtigkeit des Angebotes." Anwältin Günther sei selbst davon ausgegangen, "dass die von ihr geltend gemachten Forderungen nicht existieren." Damit sei ihr Versuch, trotzdem Geld einzutreiben "Beihilfe zu einem versuchten Betrug." Günther muss nun Schadensersatz zahlen und trägt die Gerichtskosten.

Verbraucherschützer erfreut über Urteil

Doch es geht um mehr als nur knapp 200 Euro. "Wir hoffen, dass das Urteil Präzedenzwirkung entfaltet", sagt Anwalt Klas. Wenn viele Opfer auf diese Weise gegen die Inkasso-Anwälte vorgingen, sei für die Geschäftemacher mit den Abofallen-Seiten irgendwann einmal die Schmerzgrenze erreicht. Auch die Gegenseite habe die Brisanz erkannt, meint Klas. Günthers Anwalt Bernhard Syndikus habe den geforderten Betrag bereits vor dem Urteil überwiesen.

Zwar ist das Urteil bereits rechtskräftig, wie das Amtsgericht stern.de bestätigte. Trotzdem will Günthers Anwalt Syndikus die Entscheidung so nicht stehenlassen. "Das ist ein Fehlurteil", sagte er zu stern.de. "Es gibt noch Mittel und Wege, dagegen vorzugehen."

Doch vorerst werden tausende Opfer hoffen, dass endlich ein probates Mittel gegen die Abofallen-Masche gefunden worden ist. Auch für Verbraucherschützer ist die Karlsruher Entscheidung eine gute Nachricht: "Ich freue mich sehr über dieses Urteil", sagt Susanne Nowarra von der Verbraucherzentrale Berlin. Sie rät Internetnutzern, die in eine Abofalle getappt sind: "Nicht zahlen, Ruhe bewahren."