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Verkehrte Daimler-Welt: Mercedes rot, Chrysler schwarz

Jahrelang galt Mercedes als hochprofitables Aushängeschild der deutschen Auto-Industrie. Doch inzwischen schreibt Mercedes rote Zahlen und das langjährige Sorgenkind Chrysler arbeitet profitabel. Der Sündenbock heißt Smart.

Verkehrte Welt beim Autokonzern DaimlerChrysler: Die einstmals sichere Ertragsbank Mercedes schreibt rote Zahlen, das langjährige Sorgenkind Chrysler erweist sich als stabiler Profitbringer. Und die boomende Nutzfahrzeugsparte hat mit zwei Milliarden Euro sogar den größten Gewinn aller Sparten eingefahren. Der neue Konzernchef Dieter Zetsche verkündete am Donnerstag in Sindelfingen Zahlen für das Jahr 2005, die auf den ersten Blick ein verändertes Kräfteverhältnis zwischen den Sparten zeigten.

Smart-Sanierung knabberte am Mercedes-Ergebnis

Mercedes galt jahrelang als hochprofitable Ikone deutschen Autobaus. Doch inzwischen fährt BMW an der Spitze, haben teure Qualitätspannen am makellosen Ruf und am Gewinn gekratzt. Im Jahr 2003 spülte die Mercedes-Gruppe noch 3,1 Milliarden Euro Gewinn in die Konzernkasse, 2004 waren es immerhin 1,6 Milliarden Euro. Für das vergangene Jahr musste Zetsche wegen der smart-Sanierung und dem geplanten Stellenabbau nun einen Ertragsschock verkünden: 505 Millionen Euro Minus - in früheren Zeiten undenkbar bei Mercedes.

Chrysler dagegen trägt bereits die Handschrift von Zetsche, der den US-Autobauer binnen fünf Jahren vom Pleitekandidaten zum profitabelsten Mitglied der "Großen Drei" (General Motors, Ford) verwandelt hat. Noch 2003 machte Chrysler eine halbe Milliarde Euro Verlust - doch Zetsche kappte 26.000 Stellen, schloss mehrere Werke und hatte ein gutes Händchen für neue Modelle. Bereits 2004 verdienten die Amerikaner ordentlich Geld, im Vorjahr waren es nun 1,5 Milliarden Euro. Aber Zetsche warnt auch vor zu großem Optimismus. Angesichts des Kosten- und Wettbewerbsdrucks könnten in Detroit für den Konzern auch wieder härtere Zeiten anbrechen.

Mercedes Car Group soll 2007 wieder profitabel sein

Bei Mercedes hat der DaimlerChrysler-Boss, der gleichzeitig auch die Car Group leitet, gerade erst mit dem Transformationsprozess begonnen. Doch schon nach sechs Wochen an der Konzernspitze wird deutlich, dass der Manager vor unbequemen Entscheidungen nicht zurückgeschreckt, um Mercedes wieder auf Profit zu trimmen. So sollen 8500 Stellen in den deutschen Werken bis September abgebaut werden (Kosten 950 Mio Euro). Bei seiner ersten Jahrespressekonferenz unterstrich der Manager, dass er die ungewohnte Schwäche der Marke mit dem Stern nicht als Dauerzustand betrachtet.

"Unser Ziel ist, dass die Mercedes Car Group im nächsten Jahr eine Umsatzrendite von sieben Prozent erwirtschaftet." Da Branchenkenner dies für realistisch halten, dürfte die Sparte mit der Kernmarke Mercedes-Benz, smart und Maybach bald wieder das Prunkstück des Autokonzerns sein. Doch die Mercedes-Welt wird dann eine andere sein: Zetsche will den deutschen Konzernteil viel enger mit Chrysler verzahnen als sein Vorgänger Schrempp. Eines Tages wäre es vielleicht sogar denkbar, dass Modelle von Mercedes und Chrysler von einem Band rollen könnten, erzählte er im kleinen Kreis. Zetsche weiß um die Psychologie solcher Aussagen - und kündigte prompt an, dass die nächste Jahrespressekonferenz nicht in Stuttgart, sondern in Detroit stattfinden wird.

Frank Heidmann und Tim Braune/DPA/DPA