Versicherungskonzern Allianz wagt trotz Milliardengewinn keine Prognose

Europas größter Versicherer Allianz bleibt auch nach einem Milliardengewinn im dritten Quartal in der Deckung und gibt kein Gewinnziel für dieses Jahr aus.

Europas größter Versicherer Allianz bleibt auch nach einem Milliardengewinn im dritten Quartal in der Deckung und gibt kein Gewinnziel für dieses Jahr aus. "Bei uns ist die Unsicherheit über die Entwicklung in unseren Märkten nach wie vor signifikant", sagte Allianz-Vorstand Oliver Bäte am Montag in einer Telefon-Konferenz in München. Man wolle kein Ziel ausgeben, dass man später wieder kassieren müsse. Neben dem anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfeld blieben auch die Kapitalmärkte anfällig für Schwankungen. Zuverlässige Aussagen über das künftige Ertragsniveau seien daher nicht möglich.

Im dritten Quartal fuhr der Konzern vor allem dank der Erholung an den internationalen Kapitalmärkten wieder einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro ein, nachdem die Finanzkrise und die Probleme mit der an die Commerzbank verkauften Dresdner Bank der Allianz im Vorjahr noch einen Milliardenverlust eingebrockt hatten. Allein der Verkauf von Commerzbank-Anteilen spülte dem Versicherer zwischen Juli und September rund 120 Millionen Euro in die Kasse.

Das dritte Quartal habe gezeigt, dass das Unternehmen über eine gute Ausgangsbasis verfüge, um in einem "herausfordernden Marktumfeld" solide Ergebnisse zu liefern, erklärte Bäte. Das operative Ergebnis lag mit 1,9 Milliarden Euro um knapp ein Viertel über dem Vorjahreswert und übertraf die Erwartungen vieler Branchenexperten. Der Umsatz wuchs um 4,3 Prozent auf 22 Milliarden Euro. Auch ihr finanzielles Fundament konnte die Allianz weiter verbessern. Das Eigenkapital wuchs seit Jahresmitte von 34,5 auf 39,4 Milliarden Euro.

Unter dem Strich hat die Allianz seit Jahresbeginn bereits 3,2 Milliarden Euro verdient. Die Allianz-Aktien profitierten kräftig von der Quartalsbilanz. Am Mittag kletterten die Papiere zeitweise um knapp sechs Prozent auf fast 84 Euro.

Im Kerngeschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen musste der Konzern im Jahresvergleich allerdings Federn lassen: Das operative Ergebnis der Sparte gab um 18 Prozent nach. Neben einer "ungewöhnlich hohen" Zahl von Unwetterschäden belasteten auch zahlreiche Unternehmensinsolvenzen den Konzern, die auf das Geschäft mit Kreditversicherungen drückten.

In der Lebens- und Krankenversicherung profitierte die Allianz von dem günstigeren Kapitalmarktumfeld und deutlich niedrigeren Wertberichtigungen. Das operative Ergebnis der Sparte vervierfachte sich im dritten Quartal nahezu auf 859 Millionen Euro. Auch im Segment Financial Services konnte die Allianz ihr operatives Ergebnis kräftig steigern von 167 Millionen auf 332 Millionen Euro.

Anders als beim Konkurrenten Axa stehen bei der Allianz derzeit keine Zukäufe oder Kapitalmaßnahmen an. Mögliche Übernahmeziele würden dem Unternehmen zwar immer wieder angetragen, doch derzeit werde nichts konkret geprüft, sagte Bäte. Eine Kapitalerhöhung sei auch nicht nötig. Der zweitgrößte europäische Versicherungskonzern Axa will dagegen sei Kapital um zwei Milliarden Euro erhöhen, um Zukäufe auf Wachstumsmärkten zu stemmen.

Ihre Beteiligung an der Commerzbank will die Allianz nicht weiter zurückfahren. "Die Commerzbank bleibt eine wichtige strategische Beteiligung und Partnerschaft", sagte Bäte. Die Allianz wolle ihren Anteil an dem Kreditinstitut daher bei etwa 10 Prozent halten. Die Allianz hatte ihre Commerzbank-Beteiligung im Gegenzug für den Verkauf der Dresdner Bank erhalten.

DPA DPA

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