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Neuer Zulassungsversuch Kommt Viagra für Frauen auf den Markt?

Viagra für die Frau: Die pinke Pille verspricht Lust auf Lust in Tablettenform. Ob das Medikament zugelassen wird, entscheidet sich am Donnerstag.
Viagra für die Frau: Die pinke Pille verspricht Lust auf Lust in Tablettenform. Ob das Medikament zugelassen wird, entscheidet sich am Donnerstag.
© colourbox.de
Sexuelle Lust durch eine Pille - das verspricht das Arzneimittel "Pink Viagra" eines US-Pharmaherstellers. Nach einigen gescheiterten Anläufen könnte die Tablette jetzt die Zulassung bekommen.

Eigentlich kann man Sex nicht revolutionieren. Und doch war der erste Oktober 1998 ein Tag, der das Liebesleben in Deutschland nachhaltig verändert hat. Alter und Lustlosigkeit schienen überwunden - denn Viagra kam auf den Markt. Die kleine blaue Pille verhalf zu neuem Liebesglück. Allerdings: Nur den Männern. Das könnte sich nun ändern.

Am Donnerstag prüft die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA, ob "Pink Viagra" auf den Markt kommt. Zweimal hat die staatliche Stelle schon die Zulassung abgelehnt, nun versucht der Hersteller Sprout Pharmaceuticals einen neuen Anlauf, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" - und bekommt überraschend Unterstützung: Frauenrechtlerinnen kämpfen für eine Zulassung - denn die weibliche Sexualität werde einfach nicht so ernst genommen wie die von Männern. Auch Gynäkologen und Psychologen unterstützen den Antrag. Kommt nun Viagra für die Frau?

Wichtiges, ungelöstes Problem

Hinter dem Fachbergriff "Hypoactive Sexual Disre Disorder", kurz HSDD, verbirgt sich eine sexuelle Funktionsstörung, die nicht selten auch psychische Erkrankungen mit sich bringt. Laut einer Studie eines Pharmakonzerns leiden zehn Prozent der US-Amerikanerinnen unter HSDD. Und auch die FDA setzte bereits 2012 die schwache Libido und ihre Folgeerkrankungen auf die Liste der 20 wichtigsten ungelösten medizinischen Probleme. Doch: Bislang gibt es kein zugelassenes Medikament. "Dieses Jahr bin ich optimistisch, dass Frauen und ihre Partner, auf deren Leben HSDD Auswirkungen hat, ihre erste mögliche medizinische Lösung bekommen", sagt Sproud-Chefin Cindy Whitehead der "Süddeutschen Zeitung".

Forschung eingestellt

Doch als Ansporn haben die Pharmaunternehmen diesen Listeneintrag offenbar nicht verstanden. Die Arzneimittelhersteller gaben bei der Entwicklung des weiblichen Viagras auf: Pfizer, das Pharmaunternehmen hinter Viagra, beendete die Erforschung der kleinen blauen Pille bei Frauen bereits 2004. Der deutsche Pillen-Konzern Boehringer Ingelheim verkaufte 2011 das Medikament Flibanserin, dass die Unlust bei Frauen kurieren sollte - und zwar an das Ehepaar Whitehead.

Dabei hätten den Unternehmen satte Umsätze gewunken. Pfizer erwirtschaftete bis zum Ende des Patentschutzes von Viagra über zwei Milliarden US-Dollar mit dem Arzneimittel, aktuell liegt der Umsatz trotz legaler Nachahmerprodukte immer noch bei knapp 1,7 Milliarden US-Dollar.

Frauen leiden häufiger an sexueller Unlust als Männer - dennoch gibt es bislang kein zugelassenes Produkt auf dem Markt. Weder in den USA noch in Europa. Zum Vergleich: Für Männer wurden von der FDA inzwischen 26 Arzneimittel genehmigt. Die FDA arbeite mit antiquierten Bewertungsmaßstäben, die von Männern festgelegt würden, sagt der Fortpflanzungsmediziner James Simon der "Süddeutschen Zeitung".

Unterstützung für die pinke Pille

Die Lust-Pille für Frauen unterscheidet sich von dem Männer-Präparat. Viagra wirkt auf den Blutfluss in den Genitalien, die pinke Variante setzt im Hirn an. Bislang haben mehr als 11.000 Frauen an Studien mit dem Wirkstoff teilgenommen. Das Ergebnis: Die Zahl der "erfüllenden sexuellen Erfahrungen" konnte von 2,7 auf 4,4 pro Monat gesteigert werden. Allerdings hatte auch die Placebo-Gruppe eine stärkere Libido - sie kam auf 3,3 im Monat.

Pink Viagra wäre das erste Mittel, um Frauen, die unter Unlust leide, zu helfen. Auch deshalb bekommt sie Unterstützung von Frauenrechtsgruppen, die sich inzwischen zu "Even the Score" zusammengeschlossen haben. Auch Frauenärzte und Psychologen sind dabei - und auch einige Politiker haben mit einem Schreiben an die FDA den Druck erhöht. Sproud finanziert die Kampagne inzwischen mit und lässt Betroffene von ihren Erfahrungen berichten. Auch eine Online-Petition gibt es bereits. Ob sich der Einsatz gelohnt hat, wird sich am Donnerstag zeigen. "Männer haben eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten für sexuelle Störungen", sagt Cindy Whitehead. "Wir haben noch keine einzige für die am weitesten verbreitete von Frauen".

kg

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