Sexualstörungen Viagra hilft auch Frauen


Bestimmte Anti-Depressiva haben häufig eine unschöne Nebenwirkung: Gedämpfte Lust und Orgasmusprobleme. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass der Wirkstoff aus der Potenzpille Viagra Betroffenen helfen könnte. Besonders Frauen sollen davon profitieren.

Wissenschaftler haben eine neue Anwendungsmöglichkeit für die Potenzpille gefunden. Viagra soll häufige Nebenwirkungen von Anti-Depressiva mildern: Sexualstörungen. Bei Frauen können mit dem Viagra-Wirkstoff Sildenafil die Störungen teilweise behoben werden. Darauf deuten Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie mit Frauen hin, die als Nebenwirkung einer Therapie gegen Depressionen unter Orgasmusproblemen oder einer verminderten sexuellen Erregbarkeit litten. Solche Sexualstörungen sind einer der Hauptgründe für einen vorzeitigen Abbruch einer Therapie mit Antidepressiva. Über ihre Ergebnisse berichten Georg Nurnberg von der Universität von New Mexiko in Alberquerque und seine Kollegen im Fachmagazin "JAMA".

An der Studie nahmen 98 Frauen teil, die alle mit bestimmten Antidepressiva behandelt wurden, den sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Diese Hemmstoffe sorgen für einen Anstieg des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Bei 30 bis 70 Prozent der Patienten träten Sexualstörungen infolge der Behandlung als Nebenwirkung auf, schreiben die Forscher. In der Studie nahm eine Gruppe von Probandinnen über acht Wochen jeweils ein bis zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr Sildenafil ein, während die andere Gruppe ein wirkstofffreies Placebo bekam.

Verbesserung des Sexuallebens

In einer Befragung nach der Studie berichteten 72 Prozent der Frauen, die das Medikament bekommen hatten, von einer Verbesserung ihres Sexuallebens. In der Kontrollgruppe waren es im Vergleich dazu nur 27 Prozent. Außer Kopfschmerzen, Hitzewellen und leichten Verdauungsproblemen seien keine Nebenwirkungen aufgetreten, berichten die Wissenschaftler.

Statistisch gesehen bekam jeder deutsche Erwerbstätige nach einem Bericht der Techniker-Krankenkasse im letzten Jahr für einen Woche Antidepressiva verschrieben - Frauen fast doppelt so häufig wie Männer. Udem sind die Sexualstörungen als Konsequenz der Medikamenten-Einnahme bei Frauen ausgeprägter. Der Wirkstoff Sildenafil, der bisher vor allem gegen Erektionsstörungen bei Männern eingesetzt wurde, könnte hier Abhilfe schaffen, sollten sich die Ergebnisse in größeren Studien bestätigen lassen, schreiben die Forscher. Ob der Viagra-Wirkstoff bei Frauen wirkt oder nicht, war bislang umstritten. Frühere Untersuchungen hatten widersprüchliche Ergebnisse geliefert.

DDP DDP

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