HOME

VOLKSAKTIE: Telekom geht in die Offensive

Sommer kündigt Wachstumsprogramm an und will sich von allen Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, trennen. Das Mobilfunkgeschäft gedeiht.

Die Deutsche Telekom geht in die Offensive. Telekom-Chef Ron Sommer kündigte am Dienstag ein Fünf-Punkte-Programm an, mit dem Wachstum und Profitabilität des Konzerns vorangetrieben werden sollen. Zugleich präsentierte Sommer die endgültigen Zahlen für das ersten Halbjahr, wonach Konzernumsatz und operatives Ergebnis vor allem dank des Mobilfunkgeschäfts deutlich zulegten. Die vorläufigen Zahlen waren Ende Juli bekannt gegeben worden.

Konzerntration auf das Kerngeschäft

Sommer erklärte, dass es unter anderem Ziel des Programms ist, die Schuldenlast des Unternehmens bis Ende 2002 um rund 15 Milliarden Euro (rund 30 Milliarden Mark) zu verringern. Erreichen will er das unter anderem mit dem Verkauf der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten. Das operative Ergebnis soll durch eine Optimierung der Abläufe und eine Fortführung der Personalanpassungen verbessert werden. Zugleich kündigte Sommer ein Programm zur Qualitätsverbesserung an, das unter anderem eine Verringerung der Rechnungsreklamationen vorsieht.

Konzernumsatz legte ordentlich zu

Zufrieden zeigte sich Sommer mit dem Halbjahresergebnis: »Die Deutsche Telekom wächst um ein Vielfaches stärker als die übrige Wirtschaft«. Der Konzernumsatz legte gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 16,9 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro (44,01 Milliarden Mark) zu. Das operative Ergebnis ist ebenfalls deutlich höher und liegt voll im Rahmen der Erwartungen des Kapitalmarktes. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bereinigt um Sondereinflüsse wurde um 11,9 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro gesteigert.

Mobilfunksparte verdoppelte sich

Vor allem das Mobilfunkgeschäft legte deutlich zu. T-Mobile konnte sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 1,375 Milliarden Euro mehr als verdoppeln und erreichte bereits zur Jahresmitte fast das Niveau des gesamten Vorjahres. Die Zahl der Mobilfunkkunden stieg den Angaben zufolge um rund 90 Prozent auf 43,9 Millionen. In Deutschland hat T-D1 damit die Marktführerschaft übernommen. Der Umsatz von T-Mobile verbesserte sich um 31 Prozent auf 5,97 Milliarden Euro, ohne die Neukonsolidierung der in diesem Jahr übernommenen US-Gesellschaften Voicestream und Powertel betrug das Wachstum knapp 20 Prozent.

T-Online boomt

T-Online International steigerte seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten um knapp 53 Prozent auf 539 Millionen Euro, die Zahl der Kunden stieg um 46 Prozent auf 9,2 Millionen. Das Ergebnis zur Jahresmitte lag mit 52 Millionen Euro im Minus, die Zahl ist allerdings mit dem Vorjahreswert von 2,7 Milliarden Euro nicht direkt vergleichbar. Damals verzeichnete T-Online einen Sondereinfluss von rund 2,66 Milliarden Euro aus dem Börsengang. T-Systems verbesserte seinen Umsatz um 46 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis verringerte sich deutlich von 2,97 Milliarden Euro auf 354 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war allerdings ein Sonderertrag aus dem Verkauf der Beteiligung an Global One von 2,86 Milliarden Euro angefallen.

Mehr ISDN- und T-DSL-Anschlüsse

Im Bereich T-COM berichtete die Telekom von einem starken Wachstum der Neuanschlüsse bei ISDN und T-DSL. Der Umsatz von T-COM sank vor allem durch den Verkauf der Kabel-Regionalgesellschaften in Nordrhein-Westfalen und Hessen leicht um 3,4 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis lag mit rund 3,9 Milliarden Euro etwa auf Vorjahresniveau.

Telekom sucht Gespräch mit Großaktionären

Die Deutsche Telekom befindet sich laut Sommer mit der Hutchison Whampoa in Gesprächen darüber, wie die Gruppe aus Hongkong ihre Telekom-Aktien marktschonend verkaufen kann. Bereits am Wochenende hatte die Telekom mitgeteilt, die finnische Sonera von ihrer Haltefrist für T-Aktien entbunden zu haben, wodurch Sonera 21,9 Millionen Aktien der Telekom vorzeitig verkaufen konnte.

Haltefristen enden bald

Die Telekom hatte die Übernahme der US-Mobilfunkfirmen VoiceStream und Powertel rund 1,1 Milliarden neue Aktien an deren ehemalige Aktionäre, darunter Sonera und Hutchison, ausgegeben. Diese Aktionäre waren allerdings dazu verpflichtet worden, die Aktien eine gewisse Zeit zu halten. Die Fristen dazu laufen Anfang September beziehungsweise Anfang Dezember aus.

Finanzministerium stellt sich erneut hinter Sommer

Erleichtern dürfte den in letzter Zeit heftig in die Kritik geratenen Telekom-Chef, dass sich das Bundesfinanzministerium erneut hinter ihn gestellt hat. »Es gibt keinen Anlass für die Bundesregierung, an der Person von Herrn Sommer zu zweifeln«, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die Telekom ist mittel- und langfristig auf Erfolgskurs. Zu einem Treffen von Finanzminister Hans Eichel mit Sommer sagte sie: »Es ist überhaupt nichts Spektakuläres gewesen.«