Vorläufiges Aus für "Die Woche" Die Axt kam vor dem Start


Nach dem Absprung der WAZ Mediengruppe und der Axel Springer GmbH muss sich Stefan Aust neue Gesellschafter für sein geplantes Wochenmagazin "Die Woche" suchen.

Die Axel Springer AG und die WAZ-Gruppe ziehen sich aus der Entwicklung eines neuen, wöchentlichen Nachrichtenmagazins zurück. Der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust arbeitet seit einigen Monaten mit einem renommierten Journalistenteam an dem Projekt, das den Arbeitstitel "Woche" trägt. Aust werde das Projekt mit anderen Partnern fortsetzen, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme am Donnerstag.

Springer ("Bild", "Welt") und WAZ ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") nannten als Grund für ihren Ausstieg "als potenzielle Gesellschafter" das "gegenwärtige wirtschaftliche Umfeld". Beide Verlage bedauerten, dass sie "daher von der Realisierung einer attraktiven journalistischen Idee Abstand nehmen müssen".

Aust erklärte der Nachrichtenagentur dpa: "Das ist für mich keine Überraschung und das ist auch nicht das Ende des Projekts. Manchmal ist es ja auch nicht so schön, mit Großverlagen im Boot zu sitzen, die ihre eigenen Probleme zu lösen haben. Ich habe mich bislang an den Spekulationen um das Projekt nicht beteiligt und werde das jetzt erst recht nicht tun."

In den vergangenen Monaten gab es wenig Handfestes zu dem Projekt zu hören; Aust selbst hüllte sich bei entsprechenden Fragen meist in Schweigen. Medienfachdienste berichteten immer mal wieder von angesehenen Reportern, Grafikern und Blattmachern, die Aust von renommierten Medien abgeworben habe, um das Projekt "Woche" zu realisieren. So scharte er ein schlagkräftiges Team in Hamburg um sich, das ein Wochenmagazin auf die Beine stellen soll, das es so als Neugründung nach dem "Focus" 1993 nicht mehr gegeben hat.

Ein ehrgeiziges Projekt, zumal in einer Zeit, in der die klassischen Medien durch die Wirtschaftskrise, den daraus resultierenden Anzeigenrückgang, zunehmende Internetkonkurrenz und andauernden Leserschwund gebeutelt sind.

Ähnlich wie die Tageszeitungen litt der überschaubare Markt der politischen Wochenmagazine zuletzt stark unter Auflagenverlusten. Als Marktführer lag "Der Spiegel" im ersten Quartal 2010 bei 1,010 Millionen Exemplaren, 4,0 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Der "Focus" von Burda, der vor 17 Jahren aus dem Nichts als Gegenentwurf zum "Spiegel" startete und rasch zu dessen ärgstem Konkurrenten wurde, verlor gar 14,0 Prozent auf knapp 588 000 Exemplare. Auch das "Gruner+Jahr"-Flaggschiff "Stern" - zwischen Politmagazin und Illustrierte angesiedelt - büßte kräftig ein: 897 000 verkaufte Exemplare bedeuteten ein Auflagenminus von 6,9 Prozent.

DPA/APN DPA

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