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Wechselkurs: Euro knackt 1,50 Dollar-Marke

Die Rezessionsangst in den USA und das überraschend gute Geschäftsklima hierzulande haben den Eurokurs erstmals über die Marke von 1,50 Dollar gehievt. Der Verfall der amerikanischen Währung trieb auch den Ölpreis auf Rekordniveau. Der Preis für ein Fass lag deutlich über 100 Dollar.

Der Euro hat am Mittwoch erstmals die Marke von 1,50 Dollar übersprungen. Aus Angst vor einer Rezession in den USA flohen die Anleger in Scharen aus dem Dollar. Viele legten ihre Gelder nun in Euro sowie Gold an. Der Euro stieg in der Spitze auf 1,5087 Dollar, dem höchsten Stand seit seiner Einführung 1999. Die Feinunze Gold verteuerte sich um ein Prozent auf ein Rekordhoch von 964,70 Dollar. Der Verfall des Dollar trieb auch den Ölpreis auf Rekordniveau. Der Preis für ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl stieg erstmals über 102 Dollar.

"Nachdem der Euro aus seiner Handelsspanne ausgebrochen ist, hat er charttechnisch noch Luft bis 1,55 Dollar", sagte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Seit Monaten schien der Euro in einer Spanne von 1,43 bis 1,49 Dollar einbetoniert zu sein. Die meisten Analysten hatten kaum mehr mit einem nachhaltigen Anstieg gerechnet. "Die Bewegung jetzt kam überraschend und könnte dem Euro neue Dynamik geben", hieß es. Allerdings rechnen viele Banken bislang noch mit einer Erholung der US-Wirtschaft im Jahresverlauf und sagen für das Jahresende einen Eurokurs von um 1,40 Dollar voraus.

Schwache Konjunkturdaten

Auslöser des Kursanstiegs waren am Vortag veröffentlichte Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA. Während die Daten für die Euro-Zone eine eher robuste Konjunktur und damit stabile Zinsen suggerierten, deuteten sie für die USA auf eine schwache Konjunktur mit steigenden Preisen hin. Der stellvertretende Fed-Chef Donald Kohn schüttet noch Öl in das Feuer, als er erklärte, die Wachstumsrisiken in der weltgrößten Volkswirtschaft seien höher als die Inflationsgefahren. Die US-Notenbank (Fed) habe das Instrumentarium und stehe bereit, zu tun, was notwendig sei, sagte Kohn. Die US-Notenbank ist - anders als die Europäische Zentralbank (EZB) - neben der Preisstabilität auch dem Wirtschaftswachstum verschrieben. "Die schlechten Neuigkeiten für den Dollar reißen nicht ab", kommentierte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

Mit einer Serie von Zinssenkungen hat die Fed bereits der Wirtschaft unter die Arme gegriffen. Analysten rechnen damit, dass sie Mitte März erneut die Zinsen um 50 Basispunkte auf 2,50 Prozent senken wird. Im Sommer hatten die US-Zinsen noch bei 5,25 Prozent gelegen. In der Euro-Zone liegt der Leitzins derzeit bei 4,0 Prozent, was den Euro sehr viel attraktiver für Anleger macht als den Dollar.

Gold als sicherer Hafen

Von der unsicheren Aussicht über die Entwicklung der US-Wirtschaft profitierte Gold. "Niedrige Zinsen, steigende Preise und wegbrechendes Wachstum - das ist Gift für eine Währung. Deshalb sehen einige Anleger im Gold einen sicheren Hort", sagte ein Händler. "Sagen wir mal, 970 Dollar sind vorstellbar. Und ich vermute 1000 Dollar sind auch vorstellbar", fasste Darren Heathcote von Investec Australia in Sydney die Prognosen für den Goldpreis zusammen. Es gebe einfach keine Gründe, Gold zu verkaufen.

Die Dollarschwäche führte dazu, dass viele Anleger am Ölmarkt zukauften, wo in Dollar abgerechnet wird. Dies trieb den Ölpreis weiter in die Höhe. Mit über 101 Dollar blieb der Preis für US-Leichtöl aber vorläufig unter dem errechneten inflationsbereinigten Rekordhoch von 102,53 Dollar aus den 1980er Jahren. Ein Fass der Nordseesorte Brent erreichte in der Spitze 100,53 Dollar. Dazu trugen Händlern zufolge auch Wetterkapriolen in den USA bei, dem weltgrößten Ölkonsumenten. "Eine Kaltfront im Nordosten der USA und die Annahme, dass die Opec ihre Ölförderung nächste Woche nicht erhöhen wird, stützen den Ölpreis zusätzlich", sagte David Moore, Rohstoffstratege bei der Commonwealth Bank of Australia in Sydney.

Reuters / Reuters