Whisky-Nation Schottland Jeder nur einen winzigen Schluck!


Die Erfinder des "Lebenswassers" wollen den Alkoholmissbrauch mit Mindestpreisen bekämpfen. Nicht nur die Brennereien laufen Sturm. Kann James Bond helfen?
Von Andrew Bolger

Whisky hat in Schottland den Status eines Heiligtums. Und das seit mindestens 1494. In jenem Jahr lässt sich John Cor, Mönch des Klosters Lindores in der Stadt Dunfermline, den Erwerb von "acht Bollen Malz" ins Steuerregister eintragen, "um hieraus Aquae Vitae zu gewinnen" - es ist die offizielle Geburtsstunde der Whiskyindustrie. Und wie der Ordensmann verehren Generationen von Schotten das Destillat aus Getreidemaische seitdem als "Wasser des Lebens".

1500 Alkoholtote pro Jahr

Um dieses Elixier tobt nun ein Kulturkampf. Denn ausgerechnet Schottland führt einen Feldzug gegen den übermäßigen Alkoholgenuss, der selbst vor dem Single Malt nicht haltmacht. Die Lokalregierung in Edinburgh will die Heimat des Whiskys zur ersten Region Europas erklären, die Mindestpreise für Alkohol einführt - wogegen die Brennereien Sturm laufen. Und nicht nur die: Studenten, Einzelhandel und die Opposition sind in Aufruhr.

Die regierende Scottish National Party (SNP) ist sich ihrer Sache sicher. "Schottland hat beim Rauchverbot eine Vorreiterrolle gespielt, und das können wir auch bei der Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs", sagt Harry Burns, gesundheitspolitischer Chefberater der schottischen Regierung. Studien zufolge liegt das Land unter den Regionen mit dem höchsten Alkoholkonsum weltweit auf Platz acht. 1500 Alkoholtote gebe es pro Jahr, argumentiert Gesundheitsministerin Nicola Sturgeon. Die Kosten des Missbrauchs erreichten 2,25 Milliarden Pfund.

Zonenzwang für Whisky

Experten haben es vorgerechnet: Um 69 Prozent seien die schottischen Alkoholpreise seit 1980 in realer Kaufkraft abgestürzt. Ein Grund hierfür ist die weitverbreitete Praxis britischer Supermarktketten, den Verkauf von Keksen, Schokolade oder eben auch Alkohol mit Lockangeboten anzukurbeln: Kauft man zwei Packungen, gibt es die dritte gratis.

Solche Schnäppchen will die Regierung nun verbieten. In Supermärkten und Getränkeläden sollen Bier, Wein und Whisky nur noch in besonderen Zonen angeboten werden. Fallen gelassen hat Edinburgh den Plan, Extrakassen für Alkohol vorzuschreiben. Und auch den Vorschlag, das Mindestalter für den Kauf alkoholischer Getränke auf 21 Jahre anzuheben, hat die Regierung inzwischen stark abgeschwächt.

Brennereien hoffen auf Sean Connery

Wie hoch der Mindestpreis für Alkohol ausfallen soll, ist noch nicht entschieden. Der Verband der Whiskybrennereien warnt nun davor, dass Schottland EU-Bestimmungen und internationales Recht verletzt; die drei Milliarden Pfund schwere Whisky-Exportindustrie sei gefährdet, wenn Schottland selbst gegen Handelsregeln verstoße.

Auf einen Fürsprecher können die Brennereien vielleicht noch hoffen: Ex-Bond-Darsteller Sean Connery gilt als einer der prominentesten Unterstützer der schottischen Nationalisten. Und einem gepflegten Single Malt dürfte er zumindest keinesfalls abgeneigt sein.

FTD

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