Wirtschaftskrise EZB senkt Leitzins so stark wie nie


Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für den Euroraum um 0,75 Prozentpunkte von 3,25 Prozent auf 2,50 Prozent gesenkt. Das ist die stärkste Senkung der letzten zehn Jahre. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft ankurbeln.

Mit der drastischsten Zinssenkung in ihrer zehnjährigen Geschichte stemmt sich die Europäische Zentralbank (EZB) gegen einen Verschärfung der Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa. Die Notenbank nahm auf ihrer Ratssitzung in Brüssel den Leitzins für die 15 Länder des Euro-Raums um 0,75 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent zurück. Bereits im Oktober und November hatte die EZB den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld wegen der Zuspitzung der Finanzmarktkrise und im Kampf gegen die Rezession in vielen europäischen Ländern um je 0,50 Punkte gesenkt.

Am Donnerstag machte auch die Bank von England erneut einen deutlichen Zinsschritt nach unten: Ihr Leitzins fällt um einen Prozentpunkt auf 2,0 Prozent. Damit ist der dortige Zinssatz so tief wie seit 1951 nicht mehr. Die Bank of England hatte ihren Leitzins schon im November überraschend deutlich um 1,5 Punkte auf 3 Prozent gesenkt. Die schwedische Reichsbank reduzierte den Zinssatz um 1,75 Prozentpunkte auf zwei Prozent.

Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft anschieben. Sparguthaben werden allerdings ebenfalls niedriger verzinst. Zudem ließ zuletzt der Inflationsdruck, der für höhere Zinsen spricht, etwa wegen sinkender Ölpreise nach. Der EZB-Leitzins liegt immer noch deutlich höher als in den USA mit einem Prozent.

Zu ihrer künftigen Zinspolitik hielt sich die EZB weitgehend bedeckt. "Zu Januar sage ich nichts", betonte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Brüssel. Er wich damit Fragen aus, ob die Erwartungen der Finanzmärkte nach weiteren Zinssenkungen im nächsten Jahr gerechtfertigt seien.

Auf die Frage, ob die EZB-Spitze auch Schritte um einen halben oder ganzen Prozentpunkt diskutiert habe, sagte Trichet nur, dass die Entscheidung für 75 Basispunkte einstimmig gefallen sei. Er bekräftigte, dass die EZB alles Notwendige tun werde, um Preisstabilität zu gewährleisten.

Mit in die Überlegungen der Notenbanker flossen auch die aktualisierten Prognosen der EZB-eigenen Ökonomen ein. Diese wurden kräftig nach unten revidiert. Im kommenden Jahr erwarten die Experten nun einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität in den nach dem Beitritt der Slowakei dann 16 Euro-Ländern. Noch vor drei Monaten hatten die Volkswirte ein Wachstum von 1,2 Prozent prognostiziert. 2010 gibt es allerdings die Chance auf eine Erholung nach einem rabenschwarzen 2009.

DPA DPA

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