WM-Markenstreit Sponsoren wollen Geld zurück

Wieder Ärger für die Fifa: Zuerst entschied ein Gericht, dass nicht nur sie allein den Begriff "Fußball WM 2006" vermarkten darf. Nun wollen einem Zeitungsbericht zufolge einige nationale WM-Sponsoren Geld vom Fußballverband zurückverlangen.

Im Streit um die exklusive Vermarktung der Fußball-WM wollen einzelne deutsche Sponsoren vom Fußball-Weltverband Fifa Geld zurück. Aus Branchenkreisen war zu hören, dass sich Sponsoren von der Fifa allerdings ein Entgegenkommen erhoffen. "Keine Exklusivität bedeutet auch weniger Geld", hieß es nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes, wonach die Bezeichnung "Fußball WM 2006" nicht länger exklusiv von der Fifa genutzt und vermarktet werden darf. Nach Informationen der "Welt" erwägen einzelne WM-Sponsoren sogar, vom Weltverband einen 20-prozentigen Rechnungsnachlass für die erworbenen Exklusivrechte zu fordern.

Die Fifa habe die Exklusivität der Marke "Fußball WM 2006" sehr hoch gehängt und jetzt müsse sie die Suppe auslöffeln, hieß es aus Sponsorenkreisen. So kurz vor dem Beginn der WM seien die Auswirkungen durch den Verlust der Exklusivität aber nicht mehr von so großer Bedeutung, wurde eingeschränkt.

Postbank will Urteilsbegründung abwarten

Besonders betroffen sind der "Welt" zufolge die sechs nationalen Sponsoren der WM, die jeweils knapp 13 Millionen Euro für ihre Partnerschaft bezahlt hätten. Dazu gehören neben Obi und der Postbank auch die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), die Hamburg-Mannheimer Versicherung, der Wettanbieter Oddset und die Deutsche Bahn. "Unsere Marketing-Strategie ist durch das Urteil nicht gefährdet", sagte unterdessen eine Sprecherin der Baumarktkette Obi. Dabei wies sie Berichte zurück, dass das Unternehmen wegen des Verlustes der Exklusivität verärgert sei. Obi könne man beispielsweise die Bandenwerbung genauso wenig nehmen wie die Eintrittskarten, die verlost wurden.

Jetzt werde das Unternehmen kühlen Kopf bewahren und die Stellungnahme der Fifa abwarten. Die Zusammenarbeit mit dem Weltverband sei kooperativ und das solle auch so bleiben, sagte sie. Ein Sprecher der Postbank sagte, dass das Institut die Urteilsbegründung abwarten wolle und dann prüfen werden, welche Schritte eingeleitet werden können.

Adidas, Puma und die Telekom reagieren gelassen

Gelassen hatten Adidas und Puma reagiert, aber auch die Deutsche Telekom. Adidas verwies auf seine umfangreichen Exklusivrechte als offizieller Sponsor, Ausrüster und Lizenznehmer. Die offiziellen Werbepartner der Fifa seien mit langjährigen Verträgen an den Fußball-Weltverband gekoppelt und wollten es sich auch deshalb nicht unbedingt mit der Fifa verscherzen, hieß es in der Zeitung.

Fifa pocht auf "Fußball WM 2006"

Die Fifa will der "Welt am Sonntag" (WamS) zufolge die Bezeichnung "Fußball WM 2006" trotz des BGH-Urteils auch mit juristischen Mitteln verteidigen. "Die Bezeichnung 'Fußball WM 2006' ist jetzt nicht gemeinfrei. Es wurde uns lediglich der Markenschutz versagt, aber natürlich nicht der Werbeschutz", sagte Martin Stopper, Jurist der Fifa Marketing&TV Deutschland GmbH der Zeitung. "Die Behauptung, dass nun jeder mit der Fußball WM 2006 werben darf, stimmt nicht", sagte Stopper. "Diese Bezeichnung zu verwenden, kann nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb immer noch ein Rechtsverstoß sein." Ob man gegen solche Rechtsverletzungen vorgehe, wolle man wie bisher je nach Schwere des Falles entscheiden.

Die Fifa hat derzeit 15 internationale sowie sechs nationale Sponsoren, denen die Fifa größtmögliche Exklusivität garantieren möchte. Für die im Paket verkauften Zeitabschnitte 2007 bis 2010 sowie 2011 bis 2014 habe die Fifa ihr Lizenzprogramm umgestellt. Die sechs Premium-Pakete für beide Weltmeisterschaften sowie rund 50 weitere Veranstaltungen kosten zwischen 160 und weit über 300 Millionen Euro und sind, wie die "WamS" berichtet, bereits verkauft.

DPA DPA

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