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Zinspolitik: EZB setzt auf Abwarte-Taktik

Die Europäische Zentralbank hat sich entschieden: Sie wird den Leitzins für die Euro-Zone weder senken noch anheben - er bleibt bei vier Prozent. Schuld ist die anhaltende Krise an den Finanzmärkten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für die Euro-Zone wie erwartet zum fünften Mal in Folge bei vier Prozent belassen. Das teilte die Notenbank in Frankfurt im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mit. Alle 77 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Volkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Der für die Refinanzierung der Banken maßgebliche Schlüsselzins ist seit Juni dieses Jahres stabil.

Die EZB hat seit Ende 2005 ihre Kredite an die Geschäftsbanken schrittweise verteuert, indem sie den Zinssatz von zwei auf vier Prozent verdoppelte. Damit dämmte sie den Preisauftrieb während des Aufschwungs ein. Wegen der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten hatte die Notenbank im September auf ihre eigentlich geplante Zinserhöhung verzichtet und das Zinsniveau auch im Oktober nicht angetastet.

Die US-Notenbank Fed hingegen hat ihren Leitzins zuletzt zwei Mal in Folge gesenkt, um eine Abschwächung der Wirtschaft im Zuge der Hypothekenkrise zu verhindern. Die Bank von England hielt die Zinsen dagegen am Donnerstag stabil bei 5,75 Prozent.

Die Notenbank hat sich so besorgt zum starken Euro geäußert wie seit Jahren nicht mehr. "Ich habe schon gesagt, dass brutale Veränderungen nie willkommen sind", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zum Höhenflug des Euro. Er wiederholte damit eine Formulierung von Anfang 2004, mit der er den starken Fall der Dollar beschrieben hatte.

Zudem wiederholte er die Formulierung der führenden Industrienationen (G-7), wonach ungeordnete Bewegungen von Wechselkursen dem Wachstum schadeten. "Das gilt mehr denn je", betonte Trichet. Zudem sei es "noch klarer", dass ein starker Dollar im Interesse der USA seien. Derzeit eilt der Euro von Rekord zu Rekord und überschritt am Mittwoch erstmals die Marke von 1,47 Dollar.

"Bereit, gegen Risiken vorzugehen"

Die EZB verzichtete aufgrund der unklaren Folgen der Finanzmarktkrise abermals auf einen Zinsschritt. Allerdings machte Trichet erneut deutlich, dass die Währungshüter mittelfristig immer noch Inflationsgefahren fürchten und deshalb die Geldpolitik weiter straffen könnten. "Wir stehen bereit, gegen diese Risiken vorzugehen", sagte Trichet.

Trichet wiederholte damit weitgehend das bisherige Szenario der Zentralbank, wonach sich die Risiken für den Preisdruck erhöht haben und die Gefahr einer Konjunkturabkühlung gestiegen ist.

Im Oktober hatten sich die Verbraucherpreise in der Euro-Zone um 2,6 Prozent zum Vorjahr verteuert. Damit lag die Teuerung über der Marke von knapp unter zwei Prozent, bis zu der die EZB Preisstabilität gewährleistet sieht. Teuerung bereite Sorgen, sagte Trichet. Deshalb werde die EZB alle Entwicklungen "sehr genau verfolgen".

Reuters / Reuters