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BKK für Heilberufe: Zweite Krankenkasse ist pleite

Nach dem Aus der City-BKK ist es bereits die zweite Kassenpleite in wenigen Monaten: Die BKK für Heilberufe wird am 1. Januar dicht gemacht. 80.000 Patienten müssen sich jetzt neu versichern.

Die BKK für Heilberufe steht vor dem Aus. Damit wird seit der Einführung des Gesundheitsfonds nach der City-BKK bereits die zweite gesetzliche Krankenkasse geschlossen. "Die Kasse ist in sich nicht mehr lebensfähig", sagte der Geschäftsführer des BKK-Bundesverbands, Heinz Kaltenbach. Eine Schließung sei aus seiner Sicht daher nicht mehr zu vermeiden. Voraussichtlicher Termin dafür sei der 1. Januar 2012. Die verbliebenen rund 80.000 Mitglieder müssen sich dann eine andere Kasse suchen.

Beim Bundesversicherungsamt läuft derzeit ein Anhörungsverfahren. Die Behörde muss am Ende über die Schließung entscheiden. Katastrophale Zustände, wie im Zuge der Schließung der City BKK zur Jahresmitte, sollten vermieden werden, versicherte Kaltenbach. Damals hatten Mitglieder zum Teil große Mühen, bei anderen Kassen unterzukommen.

Fusionsbemühungen für die BKK für Heilberufe waren vor wenigen Tagen gescheitert. Kaltenbach verwies darauf, dass der Fusionspartner einen "hohen zweistelligen Millionenbetrag" pro Jahr für die BKK für Heilberufe aufbringen müsste. Dieses Risiko sei zu groß und von einer Kasse allein nicht zu schultern. Aus wirtschaftlicher Sicht sei es daher besser, die Mitglieder auf alle Kassen zu verteilen.

Aus der Pleite der City-BKK gelernt

"Die Versicherten sollen nicht leiden", versprach Kaltenbach. Die Auflösung der BKK für Heilberufe werde durch eine Gemeinschaftsleistung geordnet abgewickelt, um alle Fragen zu klären. Unter anderem sollen die Mitglieder eine Liste mit allen Krankenkassen zugestellt bekommen, um sich damit einfach bei einem neuen Unternehmen anmelden zu können.

Im Zuge der Pleite der City BKK waren viele Mitglieder von anderen Kassen abgewimmelt worden, obwohl eine gesetzliche Aufnahmepflicht besteht. Andere hatten lange in Warteschlangen bei anderen Kassen ausharren müssen.

Die BKK für Heilberufe hatte vor einigen Jahren noch mehr als 400.000 Mitglieder. Seit rund zehn Jahren befindet sie sich in einem Sanierungsprozess. Laut Kaltenbach hatte die Kasse bis zum Start des Gesundheitsfonds drei Viertel ihrer Schulden abgebaut. Nach der Reform sei sie jedoch gezwungen gewesen, einen Zusatzbeitrag zu erheben, wodurch weitere 50 Prozent ihrer Mitglieder abgewandert seien. Geblieben seien vor allem Schwerkranke und chronisch Kranke, die viel Geld kosteten.

"Zusatzbeiträge wirken als Katalysator"

Kaltenbach gab der Politik eine wesentliche Schuld an der schlechten Lage vieler Betriebskrankenkassen. Der Gesundheitsfonds mit seinem Einheitsbeitrag und den individuellen Zusatzbeiträgen zeige eine "perfide Wirkung". Zusatzbeiträge müssen Kassen erheben, die mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen.

Ein Teufelskreis: Die Gesunden und Leistungsfähigen würden die Kasse verlassen, die Kranken und teuren Versicherten aber blieben. Immer weniger Gesunde müssten dadurch immer mehr Kranke finanzieren. "Die Solidaritätswirkung geht kontinuierlich verloren." Der Zusatzbeitrag habe letztlich auch bei der BKK für Heilberufe wie ein "Katalysator" gewirkt. Kaltenbach warnt, was sich hier zeige, seien "Frühindikatoren" für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung.

pen/Reuters / Reuters
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