Drückeberger Warum Versicherungen nicht zahlen


Eine Versicherung bedeutet nicht immer Sicherheit im Schadensfall. "Die Versicherer versuchen sich immer häufiger vor der Verantwortung zu drücken", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Versicherte riskieren vor allem durch falsches Verhalten im Schadensfall ihren Schutz. "Die erste Falle, in die man tappen kann, besteht darin, falsche Angaben beim Vertragsabschluss zu machen", warnt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das gelte vor allem für Lebens- und für Berufsunfähigkeitsversicherungen. Riskant ist es auch, Änderungen des Versicherungsrisikos nicht zu melden. So sei ein Gerüst am Haus, das Einbrechern den Einstieg erleichtern könnte, meldepflichtig.

Keine Haftung bei grober Fahrlässigkeit

Zudem muss der Versicherte durch sein Verhalten das Schadensrisiko minimieren, für grobe Fahrlässigkeit kommen Versicherungen nicht auf. "Grob fahrlässig handelt, wer die übliche Sorgfalt besonders leichtfertig außer Acht lässt", sagt Rechtsanwalt Hubertus van Bühren aus Köln. Wer betrunken Auto fährt oder im Bett raucht, tut dies auf eigenes Risiko. Nur die Haftpflichtversicherung zahlt laut van Bühren auch bei grober Fahrlässigkeit - für Fremdschäden.

Im Schadensfall muss die Versicherung sofort eine schriftliche Meldung bekommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, schickt ein Einschreiben mit Rückschein. "Dann kann man den Zugang beweisen", so Sandra Scholz von der Verbraucherzentrale Hamburg. Auch zu späte und falsche Meldungen können den Schutz kosten. "Man muss wahrheitsgemäße Angaben über Höhe und Hergang des Schadens machen", sagt van Bühren.

Augenzeugen oder Fotos sind unerlässlich

"Am besten fragt man den Versicherer, wie man sich verhalten soll", rät Castelló. Der Kunde muss alles tun, um den Schaden zu mindern. "Er muss bei einem Wasserschaden dafür sorgen, dass der nicht noch größer wird", sagt Rudnik. Nach einem Brand oder Einbruch darf jedoch nicht aufgeräumt werden: "Der Versicherer muss sich ein Bild machen können, ohne dass etwas verfälscht wurde", sagt Castelló.

Falsch wäre auch, den Schaden sofort zu beseitigen: Ist schnelles Eingreifen nötig, sollte der Versicherte Fotos von der Schadensstelle machen, rät van Bühren. Ratsam ist es, sich Augenzeugen zu besorgen. Hilfreich sind auch Fotos und Quittungen des versicherten Eigentums. "Es kann auch sinnvoll sein, einfach mal alle Schränke aufzumachen und alles zu filmen", rät Rudnik.

Versicherungsombudsmann hilft

Spätestens vier Wochen nachdem der Schaden ermittelt wurde, muss die Versicherung zumindest einen Abschlag bezahlen. "Dauert es länger, sollte man eine Frist setzen und danach sehr eilig zum Anwalt gehen", rät Castelló. Kostenlos ist eine Beschwerde bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Berlin. Ebenfalls gratis hilft der Verein Versicherungsombudsmann in Berlin. "Bei Schäden bis 5.000 Euro kann er sogar entscheiden, ob der Versicherer zahlen muss.", sagt Rudnik. Ein Nachteil daber ist aber die lange Bearbeitungszeit von meist mindestens einem halben Jahr. (DPA)


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