HOME

Kranken-Zusatzschutz: Mehr Gesundheit gibt es nicht umsonst

Je weniger die Kassen dazuzahlen, desto wichtiger wird die Kranken-Zusatzversicherung. Aber welcher Extraschutz lohnt sich und was kostet er?

Von Brigitte Zander

Ich bin doch krankenversichert - wozu brauche ich eine Zusatzversicherung?

Mit der Gesundheitsreform im vergangenen Jahr wurden Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen - einige der Leistungen lassen sich nun privat absichern, gegen Extragebühr. Die Kassen bezahlen nach wie vor alles, was medizinisch notwendig und wirtschaftlich sinnvoll ist, aber sie sparen bei Alternativtherapien und Massagen, bei Fahrten zum Arzt und Medikamenten. Beim Arztbesuch und im Krankenhaus müssen Patienten oft mehr als früher zuzahlen. Seit Januar 2005 hat sich auch das Abrechnungssystem beim Zahnarztbesuch geändert: Die Kassen beteiligen sich nur noch mit Festbeträgen. Früher steuerten die Kassen generell 50 bis 65 Prozent der Kosten bei, auch zu teureren Reparaturrechnungen. Zwar konnte man sich eine bessere Zahnbehandlung oder die Chefarztbetreuung im Krankenhaus schon immer bei einer privaten Krankenversicherung dazukaufen - inzwischen sind aber alle gesetzlichen Kassen Kooperationen mit den Privatanbietern eingegangen und bieten private Zusatzversicherungen an.

Bei welchen Versicherungen gibt es den Zusatzschutz?

In der Regel arbeiten die Gesetzlichen mit jeweils einer privaten Versicherung zusammen, die den Zusatzschutz anbietet. So kooperiert die DAK mit der Hanse-Merkur, viele Landes-AOKs sind mit der DKV liiert. Vertragspartner des Kunden für den Zusatzschutz ist die private Firma, nicht die Kasse. Außerdem können Verbraucher den Zusatzschutz auch direkt bei Privatversicherungen einkaufen. Die Basis-Krankenversicherung bleibt unberührt.

Welche Krankheitsrisiken lassen sich zusätzlich absichern?

Das Angebot ist riesig - und verwirrend, weil jede Versicherung einen anderen Schutz bietet und so die Vergleichbarkeit der Offerten fast unmöglich wird. Die Palette reicht von A wie Auslandsreisekrankenversicherung bis Z wie Zahnersatz. Man kann sich einen Rundumschutz gönnen für alles, was die Krankenkasse nicht bezahlt, oder einen prozentualen Zuschuss zu einzelnen Gesundheitsproblemen dazukaufen. Versichern lassen sich Brillen, Kontaktlinsen, die freie Klinikwahl, Extras wie Ein- und Zweibettzimmer samt Chefarztbehandlung oder Praxis-, Rezept- sowie Krankenhausgebühren und Pflegekosten, aber auch nichtverschreibungspflichtige Arzneimittel und Heilpraktikerbesuche. Fast jede Kasse hat Broschüren darüber, welche Leistungen sie im Einzelnen anbietet.

Was kostet der Extraschutz?

Ein Komplettpaket kostet je nach Eintrittsalter, Geschlecht und Höhe der Versicherungsbeteiligung von 50 bis weit über 100 Euro Prämie im Monat. Aber es lassen sich auch Schwerpunkte setzen: Für monatlich 25 bis 50 Euro kann man sich die Privatpatientenbetreuung in der Klinik kaufen. Oder man kann sich für acht bis 30 Euro im Monat ambulante Leistungen etwa für die Zahnversorgung oder den Heilpraktikerbesuch sichern.

Sind die Versicherungen sinnvoll?

Gut investiert ist das Geld in Prämien für eine höhere Übernahme der Zahnersatzkosten und eine bessere Behandlung im Krankenhaus. Dort kann man sich die Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung hinzukaufen. Auch der Extra-schutz für Krankentagegeld, das die Differenz zwischen dem Krankengeld der Kasse und dem Nettogehalt ausgleicht, kann sinnvoll sein. (Rentner brauchen das natürlich nicht.) Für Globetrotter, die bis ins hohe Alter verreisen wollen, ist eine Auslandsreisekrankenversicherung optimal. Denn die kann später nicht aus Altersgründen gekündigt werden, was üblicherweise mit separaten Reiseverträgen passiert.

Welcher Schutz ist überflüssig?

Keine Zusatzversicherung ist lebensnotwendig. Jeder muss entscheiden, wie viel ihm das Ausbremsen kleiner Risiken wert ist. Denn aufs Jahr hochgerechnet, kommt eine hübsche Summe zusammen. Oft lohnt es sich, das Geld anzusparen und im Ernstfall den Arzt oder die Klinik damit direkt zu zahlen.

Verzichtbar ist eine Sehhilfen-Police. Die Brillenversicherung erstattet oft nur Kosten bis zu einem Höchstbetrag von rund 200 Euro alle zwei Jahre. Wer dafür eine Versicherung über acht Euro Monatsbeitrag abschließt, hat dann schon 192 Euro gezahlt. Ebenso überflüssig sind alle Tarife, die Zuzahlungen übernehmen, etwa für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel oder Klinikaufenthalte. Dazu gehört auch die Versicherung eines Krankenhaustagegeldes. Für jeden Tag Klinikaufenthalt gibt es eine bestimmte Summe. Häufig zahlt man mehr ein, als man herausbekommt. Auch die Praxisgebühr für den Arztbesuch braucht man nicht zu versichern. Zuzahlungen dürfen ohnehin nicht mehr als zwei Prozent des Jahresbruttoeinkommens betragen, für Chroniker endet die Zahlungspflicht bereits bei einem Prozent.

Was passiert mit dem Zusatzschutz, wenn ich die Kasse wechseln will, über die ich ihn abgeschlossen habe?

Das kann ein Problem werden. Das rabattierte Paket ist mit der Kassenmitgliedschaft verknüpft. Wer zur Konkurrenz geht, verliert oft die Vorzugskonditionen für den Privatversicherer und muss sich neu zusatzversichern, was dann teurer wird, weil man inzwischen älter geworden ist. Eine Ausnahme machen die Betriebskrankenkassen: Wechselt man innerhalb deren Systems, wandert die Zusatzversicherung mit.

Was ist besser: Zusatzschutz bei der eigenen Kasse oder eine private Versicherung suchen?

Es spricht einiges für den Abschluss bei der eigenen Krankenkasse. Wer ein Paket über seine Kasse zum Spezialtarif kauft, spart die Wartezeit bis zur Aufnahme. Die kann, wenn man sich direkt an eine Privatversicherung wendet, bis zu sechs Monaten betragen. Die Prämien sind im Vergleich zu Angeboten auf dem freien Markt oft ein bis zehn Prozent günstiger. Allerdings sollte man in jedem Fall einige Angebote vergleichen, nicht immer schneiden die privaten Anbieter schlechter ab. Ein weibliches Mitglied der BKK Essanelle etwa, 33 Jahre alt, zahlt bei dem Kooperationspartner Axa für eine Klinikversicherung mit Einbettzimmer 49,33 Euro monatlich. Ähnliche Tarife, die von der Stiftung Finanztest als "sehr gut" bewertet wurden, gibt es aber auch direkt günstiger, zum Beispiel bei der Concordia und HUK-Coburg ab 37 Euro.

Kann jeder eine Zusatzversicherung abschliessen?

Vor dem Abschluss steht eine Gesundheitsprüfung. Sie kann eine Zusatzversicherung mit steigendem Alter verteuern, sogar unmöglich machen. Neukunden, die nach Ansicht der Assekuranz ein zu großes Risiko darstellen, werden abgelehnt. Chroniker finden daher kaum noch ein Unternehmen, das sie privat zusatzversichert. Schummeln beim Ausfüllen des Antrags bringt nichts: Wenn verschwiegene Vorerkrankungen später Probleme machen, zahlt die Versicherung im Ernstfall nicht. Krankenkassen bewerben ihre Zusatzpakete zwar mit "vereinfachter Gesundheitsprüfung". Tatsächlich aber wird im Zweifelsfall auch dort gründlich nachgebohrt. Der Antragsteller muss den Zugriff auf seine Kassendaten erlauben und seinen Arzt von der Schweigepflicht entbinden.

Auf welche Tricks im Kleingedruckten muss ich achten?

Vorsicht, wenn der Begriff "Wahlleistungstarif" auftaucht. Er bedeutet, dass man die Differenz zum möglichen Spitzenhonorar eines Chefarztes selbst zahlen muss, denn das Arzthonorar wird oft nur bis zum 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung ersetzt. Nur wenn im Vertrag der Begriff "Restleistung" steht, übernimmt die Versicherung alles.

Auch hinter der Formulierung "nach Vorleistung der Kasse" steckt ein Ausschluss: Er besagt, dass der Privatversicherer nichts drauflegt, wenn die Krankenkasse für eine Leistung überhaupt nichts zahlt. Das betrifft etwa Alternativtherapien, Sehhilfen, Implantate oder Schönheitsoperationen - sie sind komplett vom Versicherten selbst zu zahlen.

Schließlich sollte man bedenken, dass Zusatzprämien, wie reguläre Kassenbeiträge auch, angehoben werden können. Geringe Einstiegspreise nützen nichts, wenn die Prämie dann zu Höhenflügen ansetzt. Fragen Sie nach der Entwicklung der Tarife in den vergangenen Jahren - das ist zumindest ein Fingerzeig, wie die Preispolitik des Versicherers ist.

Vorsicht auch vor billigen "Optionstarifen" für junge Versicherte. Die bilden keine Altersrückstellung und enden oft nach einigen Jahren.

print
Themen in diesem Artikel