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KRANKENKASSEN: Kassen geben oft Kur-Zuschüsse

Obwohl es ihnen theoretisch zusteht, beantragen viele Menschen wegen mangelnder Information oder aus finanziellen Gründen, keine Kur.

Grundsätzlich haben alle in der Gesetzlichen Krankenkasse (GKV) Versicherten Anspruch auf eine Vorsorge- beziehungsweise Rehabilitationsmaßnahme, denn so regelt es das Sozialgesetzbuch. Das gilt auch für Rentner, mitversicherte Ehegatten, Jugendliche und Kinder.

Verzicht aus Angst um den Job

Viele Bundesbürger beantragen allerdings trotz gesundheitlicher Beschwerden keine Kur. Einige sind unsicher, ob ihnen die Kur zusteht, andere wissen wegen der Zuzahlungen nicht, ob sie sich die Auszeit im Dienste der Gesundheit überhaupt leisten können. »Manche verzichten auch aus Angst um ihren Arbeitsplatz auf Kurmaßnahmen«, sagt die Juristin Anette Marienberg vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Als Folge drohen häufige Fehlzeiten, die dann erst recht den Job kosten können.

Trend zu Reha-Maßnahmen rückläufig

Bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) ist die Zahl der stationären Reha- und Vorsorgemaßnahmen auch in den vergangenen zwölf Monaten wieder leicht zurückgegangen: um drei Prozent. Dies entspricht einem seit Jahren zu beobachtenden Trend, insbesondere im Bereich der ambulanten Maßnahmen, sagt Stefan Hodes, Pressereferent der DAK. Doch er fügt hinzu: »Wer eine Vorsorge- oder Reha-Maßnahme wirklich braucht, bekommt sie auch bewilligt«.

Kur ist kein Erholungsurlaub

Der Begriff »Kur« wurde durch das GKV-Gesundheitsreformgesetz 2000 in »medizinische Vorsorgeleistungen und Rehabilitations-Maßnahmen« umgewandelt. Dies wurde als notwendig erachtet, weil der Begriff »Kur« allzu häufig mit einem von der Krankenkasse bezahlten Erholungsurlaub in Verbindung gebracht wurde.

Keine Kur ohne Attest

Der erste Schritt zur »Kur« führt über den Hausarzt. Hält dieser eine solche Maßnahme für notwendig, stellt er ein entsprechendes Attest aus. »Jedem Kurantrag muss eine Bescheinigung des behandelnden Arztes beigefügt sein, die Angaben zur Diagnose und Indikation enthält«, erläutert Christine Richter vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen. Außerdem muss der Arzt darlegen, welche Vorsorge- oder Reha-Maßnahme er für erforderlich hält und ob sie ambulant oder stationär vorgenommen werden soll. Nachdem der vollständig ausgefüllte Antrag bei der zuständigen Krankenkasse eingegangen ist, wird zunächst geprüft, ob grundsätzlich ein Anspruch für die beantragte Maßnahme besteht, so DAK-Sprecher Hodes. Ist dies der Fall, muss die Kostenübernahme geklärt werden.

Kassen haben eigene Reha-Berater

Kostenträger für Reha-Maßnahmen bei Erwerbstätigen ist die Rentenversicherung wie zum Beispiel die Landesversicherungsanstalt oder die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin. »Kuren« für Rentner, Studenten, Hausfrauen und Selbstständige werden von den Krankenkassen finanziert. Für Maßnahmen nach Arbeitsunfällen oder in Folge von Berufskrankheiten sind die Berufsgenossenschaften zuständig, für Kriegs- und Wehrdienstgeschädigte sowie Opfer von Gewalttaten das Versorgungsamt. »Wer Fragen zum Thema Zuständigkeit, Zuzahlungen oder Auswahl des Kurortes hat, kann sich bei seiner Krankenkasse ausführlich beraten lassen«, empfiehlt Christine Richter. »Häufig gibt es dort spezielle Reha-Berater.«

Nach Zuschüssen fragen

Die bewilligte Kur kann auf unterschiedliche Weise realisiert werden: Bei der so genannten ambulanten Vorsorge, früher auch »Offene Badekur« genannt, können der Kurort und die Unterkunft - nach Rücksprache mit dem Hausarzt - frei gewählt werden. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten der ärztlichen Behandlung sowie 85 Prozent der Kurmittelkosten. Der Patient muss die An- und Abreise, Unterkunft und Verpflegung sowie die Kurtaxe selbst bezahlen. Die meisten Kassen gewähren zu diesen Kosten einen Zuschuss von bis zu 15 Mark, für chronisch kranke Kleinkinder bis maximal 30 Mark pro Kurtag - es lohnt sich also, danach zu fragen.

Volle Kostenübernahme bei stationärer Kur

Die stationäre Kur mit Unterbringung in einer Kurklinik, einem Sanatorium oder einer Reha-Einrichtung wird nur verschrieben, wenn der Arzt eine ambulante Kur nicht mehr für ausreichend hält. Alle Kosten werden übernommen - einschließlich Bahnfahrt 2. Klasse. Der Patient muss aber für jeden Kurtag eine Zuzahlung in Höhe von 17 Mark leisten sowie bei den Fahrtkosten einen Eigenanteil von 25 Mark je Fahrt übernehmen.

Sozialklauseln helfen Geringverdienern

Für Patienten mit geringen Einkünften gibt es eine Härtefallregelung, die so genannte Sozialklausel. Je nach Einkommen reduziert sich hier die Zuzahlung gestaffelt bis zum Nulltarif. Sind die Krankenkassen der Kostenträger, so brauchen allein Stehende mit einem monatlichen Brutto-Einkommen von weniger als 1.792 Mark und Ehepaare mit einem Einkommen von weniger als 2.464 Mark keinen Eigenanteil zu leisten.

Von Zuzahlung befreien lassen

Auf Antrag können sich wirtschaftlich weniger Leistungsstarke auch vom Rentenversicherungsträger ganz oder teilweise von den Zuzahlungen befreien lassen, hier zählt das monatliche Nettoeinkommen. Voraussetzung ist, dass ein Kind im Haushalt lebt oder der Versicherte oder sein Ehepartner pflegebedürftig ist. Bei einem Monatseinkommen bis 1.792 Mark muss dann beispielsweise gar keine Zuzahlung geleistet werden.

Erneute kurs nur nach vier Jahren

Ob ambulant oder stationär - eine Kurmaßnahme dauert in aller Regel drei Wochen. Eine erneute Vorsorge- oder Reha-Maßnahme wird erst nach Ablauf von vier Jahren bewilligt - es sei denn, es liegen zwingende gesundheitliche Gründe vor.

Informationen:

Der von Verbraucherzentralen und -verbänden herausgegebene »Ratgeber Kuren« enthält ausführliche Tipps vom Kurantrag bis zur Zuzahlung. Er kann zum Preis von 18 Mark plus 5 Mark Portokosten bestellt werden beim

Bundesverband derVerbraucherzentrale

Postfach 11 16

59930 Olsberg.