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Lebensversicherung ohne Garantiezins: Warum die Produkte für Verbraucher ungeeignet sind

Niedrigzinsen machen den Lebensversicherern zu schaffen. Die Allianz stellt nun eine Police ohne lebenslange Zinsgarantie vor. Für Kunden steigen damit die Chancen - aber auch die Risiken.

Von Friederike Krieger

Versicherern fällt es wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt immer schwerer, klassische Lebens- und Rentenversicherungen mit Garantien anzubieten. Die Gesellschaften tüfteln deshalb an Alternativprodukten. Ergo hat bereits Policen mit abgespeckten Garantieversprechen auf den Markt gebracht, jetzt hat auch die Allianz ihre neuen Verträge vorgestellt. Die neuen Produkte ermöglichen den Versicherten höhere Renditechancen, bürden ihnen aber auch mehr Risiken auf. Die Kosten sind unverändert hoch. Was Sie über das neue Modell wissen sollten.

Wie funktionieren klassische Policen?

Wer heute eine klassische Lebensversicherung abschließt, erhält eine garantierte Verzinsung von 1,75 Prozent auf den Sparanteil der Beiträge. Das ist der Betrag, der nach Abzug von Verwaltungs-, Vertriebs- und Abschlusskosten übrig bleibt. Früher war der Garantiezins wesentlich höher. Bis zum Jahr 2000 lag er bei vier Prozent.

Hinzu kommt eine Beteiligung an den Überschüssen, die der Versicherer zum Beispiel am Kapitalmarkt erwirtschaftet. Dieser Betrag ist allerdings nicht garantiert und wird jedes Jahr neu festgelegt. Auch die Überschussbeteiligung befindet sich im Sinkflug.

In der privaten Rentenversicherung schreiben die Gesellschaften ihren Kunden nach Analyse der Versicherungsratingagentur Assekurata für 2013 noch 3,61 Prozent auf den Sparanteil gut, im Vorjahr lag der Wert bei 3,91 Prozent. Die Gesamtverzinsung einschließlich sonstiger Gewinnanteile sank von 4,73 Prozent auf 4,63 Prozent.

Warum sind alternative Produkte nötig?

Wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt fällt es den Versicherern immer schwerer, die versprochenen Garantien zu erwirtschaften. Insbesondere die Verträge mit vier Prozent Garantiezinsen wiegen schwer. Mit sicheren Anlagen in Staatsanleihen lässt sich immer weniger verdienen. Renditereichere Investitionen in Aktien sind nur begrenzt möglich.

Da Garantiezins wie auch Überschussbeteiligung sinken, werden die Verträge für die Kunden immer unattraktiver. Auch wegen der hohen Kosten sind Lebensversicherungen in der Kritik.

Wie funktioniert die neue Allianz-Police?

Die neue Allianz-Police "Perspektive" verzichtet auf die garantierte Mindestverzinsung von 1,75 Prozent. Stattdessen sagt der Versicherer nur den Erhalt der eingezahlten Beiträge in der Ansparphase zu, sowie eine garantierte Mindestrente in der Rentenphase.

Im Gegenzug verspricht der Versicherer höhere Renditechancen. In diesem Jahr soll die Gesamtverzinsung in der Ansparphase bei "Perspektive" bei 4,5 Prozent liegen, bei den klassischen Produkten sind es 4,2 Prozent.

Verbraucherschützer sind von dem neuen Garantiemodell nicht begeistert. "Der Verbraucher verzichtet auf 1,75 Prozent und bekommt dafür im Moment einen Zugewinn von 0,3 Prozentpunkten, der für die Zukunft völlig unverbindlich ist", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Das ist kein guter Tausch."

Wie unterscheidet sich die Ergo-Police davon?

Die Munich Re-Tochter Ergo verspricht ebenfalls mit ihrer neuen "Ergo Rente Garantie" statt der gängigen Garantieverzinsung von 1,75 Prozent nur den Erhalt der eingezahlten Beiträge. Auch konkrete Rückkaufswerte bei Kündigung der Police will der Versicherer nicht mehr zusagen. Im Gegensatz zur Allianz, die noch relativ nah an der klassischen Police bleibt, funktioniert der Vertrag von Ergo wie eine fondsgebundene Police.

Während das Geld bei der Allianz, wie bei klassischen Policen auch, im Deckungsstock des Versicherers verbleibt, fließen die Beiträge bei Ergo in eine Garantie-, eine Stabilitäts- und eine Wachstumskomponente, die in unterschiedliche Anlageklassen investieren. Aktienquoten von bis zu 40 Prozent sollen dem Kunden eine höhere Rendite sichern. Doch er trägt auch ein höheres Risiko. Wenn sich die Märkte schlecht entwickeln, erhält er nur seinen Einsatz zurück.

Die Garantie, dass Kunden am Ende wenigstens die eingezahlten Beiträge bekommen, hat Ergo bei der Mutter Munich Re rückversichert.

Wie bewerten Experten die neuen Produkte?

Verbraucherschützer Nauhauser hält weder das Allianz- noch das Ergo-Produkt für empfehlenswert. Ihn stören vor allem die hohen Kosten der Verträge. Bei der Allianz liegt die Gesamtkostenquote bei der neuen wie bei der klassischen Versicherung bei 1,06 Prozent. Das schmälere den Betrag des Kunden, der nachher am Kapitalmarkt anlegt werden kann. "Das ist Altersvorsorge mit angezogener Handbremse", so Nauhauser.

Die neue Garantiepolice von Ergo sei sogar noch teuer als die der Allianz, moniert er. Der Versicherer hatte vorgerechnet, dass bei einem Kunden, der über 35 Jahre monatlich 100 Euro in den Vertrag einzahlt, die Abschluss-, Verwaltungs-, Garantieerzeugungs- und Kapitalanlagekosten die Rendite um 2,38 Prozent schmälern.

"Das kann sich ein Kunde nicht leisten, das halbiert ja die Erträge", sagt Nauhauser. Solch eine teure Anlage sei für die Altersvorsorge ungeeignet, glaubt er. Nauhauser empfiehlt, lieber auf kostengünstige Banksparpläne zu setzen.

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