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Studie zu weltweiten Vermögen So viel Geld hamstern die Deutschen


Steigende Aktienkurse haben die Geldvermögen der Privathaushalte weltweit auf ein Rekordniveau getrieben. Davon profitieren auch deutsche Sparer: Ihre Guthaben wachsen trotz Niedrigzinsen.
Von Alexander Sturm

Kräftige Kursgewinne an den Weltbörsen haben das Geldvermögen der Privathaushalte rund um den Globus auf einen Höchststand getrieben. Weltweit kletterten ihre Ersparnisse in Form von Bankeinlagen, Bargeld, Wertpapieren oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen 2012 auf das noch nie erreichte Niveau von 111 Billionen Euro - ein Zuwachs von 8,1 Prozent. Das zeigt der "Global Wealth Report" des Versicherungskonzerns Allianz, der über die Entwicklung der Geldvermögen in 50 Ländern Auskunft gibt.

Auf der Gewinnerseite stehen vor allem Aktionäre: Laut der Studie haben vor allem steigende Aktienkurse zum überdurchschnittlichen Wachstum von mehr als acht Prozent gegenüber dem Vorjahr beigetragen - das stärkste Plus seit sechs Jahren. So wuchs das Vermögen, das in Wertpapieren gehalten wurde, 2012 um gut zehn Prozent. Mit durchschnittlich 218.000 Euro pro Kopf sind die Geldvermögen in der Schweiz am höchsten, gefolgt von den USA und Japan (siehe Grafik). Über die stärksten Zuwächse können sich Sparer aus Asien freuen (plus 16 Prozent), das krisengeplagte Westeuropa bleibt Schlusslicht - allerdings mit einem Wachstum von immerhin 5,3 Prozent.

Deutsche Sparer holen auf

Der durchschnittliche Deutsche besaß 2012 rund 61.000 Euro in Bankeinlagen, Bargeld, Wertpapieren oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen. Immobilien oder Kunstgegenstände zählen nicht zum Geldvermögen. Abzüglich Schulden aller Art blieb ein so genanntes Netto-Geldvermögen von 42.000 Euro; das sind 6,7 Prozent mehr als 2011. Damit liegen die Deutschen auf Platz 17 und teils weit hinter europäischen Nachbarn wie Belgien, Großbritannien und den Niederlanden. Schon im März hatte eine Studie der Bundesbank für Empörung gesorgt: Ihrzufolge sind die Vermögen der deutschen Privathaushalte niedriger als in vielen Euro-Krisenländern.

Auf längere Sicht schneiden die Deutschen hingegen sehr gut ab: Ihr Netto-Geldvermögen wuchs im Vergleich zum bisherigen Höchstwert vor der Finanzkrise 2008 um knapp 18 Prozent - so stark wie nirgendwo sonst in der Eurozone. Dadurch ist der Abstand zu den besser platzierten Nachbarn Italien und Frankreich geschrumpft. "Die deutschen Sparer sind bisher relativ gut durch die Krise gekommen", sagt Michael Heise, Chefsvolkswirt der Allianz. Zu verdanken sei dies der weitverbreiteten Abneigung gegenüber Schulden. "Eine hohe Sparbereitschaft, gepaart mit einer guten Einkommensentwicklung konnte den scharfen Rückgang der Zinsen kompensieren."

Deutsche Vorliebe für Sparbücher rächt sich

Langfristig dürften die niedrigen Zinsen aber dem Vermögensaufbau schaden. Anleger im gesamten Euro-Raum stecken laut der Studie immer mehr Geld in zinsschwache Bankeinlagen und verzichten auf riskantere, aber einträglichere Anlagen wie Wertpapiere. "Der geringe Ertrag ihrer Anstrengungen scheint die Sparer in eine Art Resignation zu versetzen", heißt es in der Studie. Gerade die Deutschen hätten eine Vorliebe für Sparbücher und Tagesgelder, die sich räche: Denn oft lägen die Einlagezinsen unter der Inflation, wodurch die Teuerung die Ersparnisse teils wieder auffresse. "Deutschlands Platz im Mittelfeld ist kein Ruhmesblatt und kein Grund zur Selbstzufriedenheit", sagt Heise.


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