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Patienten-Umfrage: Kaum Klagen übers Gesundheitssystem

Zu lange Wartezeiten, Bevorzugung von Privatpatienten, unpersönliche Apparatemedizin - die Klagen über das Gesundheitswesen sind vielfältig. Eine Umfrage zeigt jedoch: Trotz aller Kritik genießt die Gesundheitsversorgung bei den allermeisten Patienten hohes Ansehen.

Trotz aller Klagen über eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung sind die allermeisten Menschen in Deutschland mit dem Gesundheitswesen zufrieden. Insgesamt 85 Prozent der Befragten bewerteten die Versorgung laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young positiv - jeder Vierte ist sogar sehr zufrieden. Den eigenen Ärzten geben neun von zehn Patienten gute Noten. Privatpatienten sind der Umfrage zufolge noch etwas zufriedener als Versicherte in gesetzlichen Kassen.

Befragt wurden für das "Gesundheitsbarometer" 2000 Verbraucher. Davon beklagten zwar 41 Prozent eine sinkende Qualität der Gesundheitsversorgung, während nur 14 Prozent eine Verbesserung und die übrigen keine Veränderung sehen. Gleichzeitig bezeichneten aber 90 Prozent die medizinische Versorgung bei ihrem praktischen Arzt als gut oder eher gut. 88 Prozent sagten dies auch über ihre Behandlung beim Facharzt.

Etwas schwächer schnitten in der Umfrage die Kliniken ab. 84 Prozent der Teilnehmer gaben ihnen gute oder eher gute Noten. Noch niedriger waren die Werte für Universitätskliniken, obwohl sie die beste Ausstattung haben: Nur 70 Prozent der Befragten fühlten sich der Umfrage zufolge in der Uni-Klinik gut aufgehoben.

"Die Allgemeinkrankenhäuser und Uni-Kliniken haben offensichtlich ein Image-Problem", schloss daraus Stefan Viering von Ernst & Young. "Anonyme Hochleistungsmedizin" verschrecke die Patienten eher. Wettbewerbsvorteile könnten sich dagegen Häuser ausrechnen, die sich als Ort individueller Pflege präsentierten.

Bevorzugte Behandlung für Privatpatienten Die These einer "Zwei-Klassen-Medizin" sehen die Auftraggeber der Studie nicht belegt. Die Befragungsergebnisse bestätigten aber den Verdacht, dass Privatpatienten tatsächlich eine bevorzugte Behandlung genießen. So seien Privatversicherte durchgängig zufriedener und beklagten sich mit 30 Prozent deutlich seltener über zu lange Wartezeiten bei Fachärzten als Kassenpatienten mit 52 Prozent. Auch beschwerten sich nur 31 Prozent der Privatpatienten über eine schlechter werdende Versorgung, während 43 Prozent der Kassenpatienten dies täten. Allerdings seien die Unterschiede nicht eklatant, gerade wenn man bedenke, dass Privatpatienten den Ärzten mehr Geld brächten, erklärte Ernst & Young.

Aus den Ergebnissen schließen die Experten, dass das Wichtigste für Patienten ein vertrautes Gesicht und eine individuelle Betreuung sei - zu erkennen an den guten Noten für den eigenen Hausarzt. Der Ausbau seiner Rolle als "Lotse" im Gesundheitswesen sei deshalb richtig und werde die Zufriedenheit mit dem System steigern. Gleichwohl mutmaßt das Beratungsunternehmen, dass die Akzeptanz des Systems in den nächsten Jahren eher schwinden wird. Vor allem in Krankenhäusern werde der Kostendruck dazu führen, dass Personal abgebaut werde. Eine auf Kosteneffizienz getrimmte Apparatemedizin sei genau das, was die Patienten nicht wollen.

AP/DPA / AP / DPA