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Job-Projekt in Brandenburg: Von der Putzfrau zur Ärztin

Brandenburg hat in einem einmaligen Projekt zugewanderte Mediziner auf den Wiedereinstieg in ihren Beruf vorbereitet. Ausländische Ärzte, die in Deutschland oft in fachfremden Berufen jobben, sollen wieder als Mediziner arbeiten können. Doch nicht nur die Ärzte profitieren von dem Projekt - Brandenburg hofft damit Lücken in der Versorgung zu stopfen.

Zugewanderte Ärzte sollen in Brandenburg die Lücken in der ärztlichen Versorgung schließen

Zugewanderte Ärzte sollen in Brandenburg die Lücken in der ärztlichen Versorgung schließen

Von der Putzfrau zur Ärztin: In einem bundesweit einmaligen Projekt hat Brandenburg zehn Monate lang aus dem Ausland zugewanderte Mediziner auf den Wiedereinstieg in ihren Beruf vorbereitet. Davon sollen nicht nur die Ärzte profitieren, die in Deutschland oftmals in anderen Jobs, etwa als Reinigungskraft, arbeiten. Das östliche Bundesland hofft, so Lücken in der ärztlichen Versorgung zu schließen - und die integrierten Mediziner in Brandenburg zu halten, wie Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) betont. "Wir sind darauf angewiesen, dass wir gut ausgebildete Ärzte haben."

Ziegler überreichte jetzt in Potsdam Zertifikate an 17 von 21 Teilnehmern, die ihre Prüfungen vor der Landesärztekammer bestanden hatten. Drei Mediziner arbeiten in Brandenburg bereits wieder in ihrem Beruf. Schon jetzt gebe es landesweit 450 Ärzte mit ausländischen Wurzeln, sagte Ziegler. Derzeit würden in einigen Regionen dringend Hausärzte und Spezialisten für Frauen- und Augenheilkunde gesucht. Das Projekt, an dem vor allem jüdische Immigranten aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie Spätaussiedler teilnahmen, habe bundesweit große Beachtung erfahren.

Von der Reinigungskraft zur Ärztin

"Jetzt haben wir alle Möglichkeiten, weiter zu arbeiten", sagt Zinaida Fomenko und lächelt. Die 51 Jahre alte Gynäkologin erzählt, dass sie im Jahr 2000 von Usbekistan nach Deutschland gekommen sei - und zuletzt als Reinigungskraft gearbeitet habe. Freunde hätten sie auf die brandenburgische Weiterbildung aufmerksam gemacht, woraufhin sie von Schleswig-Holstein in die Mark gezogen sei. "Ich glaube, das Projekt hat sich gelohnt." Sie sei gerade dabei, Bewerbungen zu schreiben.

Diese Mühe muss Vadim Romanov nicht mehr auf sich nehmen. Der Gynäkologe aus Russland arbeitet seit einigen Wochen im Carl-Thiem- Klinikum in Cottbus. Dort war der 51-Jährige als Projekt-Teilnehmer zunächst einfacher Praktikant, obwohl er nach eigenen Angaben auf eine 20-jährige Berufserfahrung in seiner Heimat zurückblicken kann. "Durch das Projekt konnte ich meine Fachkenntnisse verbessern."

"Ohne Fleiß kein Preis"

Dem Gesundheitsministerium in Potsdam zufolge müssen Mediziner aus dem Ausland erst eine Prüfung durch die Ärztekammer ablegen, damit ihr Berufsabschluss in Deutschland anerkannt wird. Hohe Hürden seien für Viele medizinische Fachsprachen-Kenntnisse in Deutsch. Diese wurden bei der Weiterbildung vermittelt, die von März bis Dezember 2008 dauerte und gemeinsam mit der Otto Benecke Stiftung aus Bonn auf die Beine gestellt wurde. Auch hätten die Teilnehmer Praktika gemacht und sich auf die Prüfungen in medizinischen Fachgebieten vorbereitet. Nun würden sie beim Einstieg in den Beruf begleitet.

Wer aus dem Ausland nach Deutschland komme und dort wieder in seinem Beruf arbeiten könne, werde unabhängig von Sozialleistungen, betonte die brandenburgische Integrationsbeauftragte Karin Weiss. Für das Modellprojekt gab Brandenburg nach Ministeriumsangaben 150.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und Landesmitteln aus. Es werde nun geprüft, ob es Bedarf für ein Folgeprojekt gebe, sagte Weiss. Für mögliche künftige Teilnehmer hat der Arzt Vadim Romanov gleich einen Tipp: "Ohne Fleiß kein Preis." Internet: www.masgf.brandenburg.de; www.obs-ev.de) Gesundheitsministerium: Heinrich-Mann-Allee 103, 14473 Potsdam, Otto Benecke Stiftung: Kennedyallee 105-107, 53175 Bonn

Leticia Witte/DPA / DPA