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Zusatzversicherungen: Welche Police hilft, wenn's weh tut?

Für gesetzlich Versicherte gibt es die Möglichkeit, den teilweise mageren Schutz mit privaten Zusatzpolicen aufzubessern. Aber welcher Schutz ist wirklich sinnvoll?

Die Leistungskataloge werden immer dünner - wer im Krankheitfall einen Rund-um-Schutz sucht, muss wie bei der Rentenversicherung auch selbst vorsorgen. Kassenpatienten tun dies am besten mit einer Zusatzversicherung. Aber auch hier gilt: "Drüm prüfe wer sich ewig bindet" - denn nicht alle Angebote sind wichtig.

Bei Zahnproblemen sinnvoll

Beim Zahnersatz beträgt der (Kassen-)Zuschuss zwar bis zu 65 Prozent, aber dies bezieht sich nur auf die Regelversorgung. Darunter versteht man die Kosten einer Standardlösung, auf sich Kassen und Zahnärzte für jeden möglichen Befund geeinigt haben. Wer mehr zahlen muss, als die Regelversorgung kostet, bekommt dennoch nur den Zuschuss zur Regelversorgung.

In diesem Fall können private Kassen hilfreich sein. Wie viel sie dazuzahlen, hängt vor allem vom gewählten Tarif ab. Die Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest hat kürzlich die Tarife getestet. Ihr Ergebnis: Wer Zahnersatz aus höherwertigen Materialien, Inlays statt Amalgamfüllungen und einen möglichst hohen Zuschuss zu Implantaten wünscht, ist bei folgenden Versicherern (und Tarifen) gut aufgehoben: Barmenia (Tarif ZG), Arag (Tarif Z 100), Deutscher Ring (Tarif Dent+).

Hoher Schutz ist nicht billig

Der Tarif der Barmenia beispielsweise sieht eine Erstattung von 85 Prozent des gesamten Rechnungsbetrages vor, wobei der Kassenzuschuss angerechnet wird. Mit anderen Worten: Bei einer Zahnarztrechnung von 2000 Euro zahlt der Versicherte nur 300 Euro selbst - die restlichen Kosten tragen Barmenia und gesetzliche Kasse. So viel Schutz hat allerdings einen hohen Preis: 18,20 Euro kostet die Police monatlich für einen 40-jährigen Versicherten. Eine gleichaltrige Frau zahlt 23,05 Euro.

Ein oft gewünschter Schutz ist die stationäre Zusatzversicherung für einen Krankenhausaufenthalt. Sie macht aus gesetzlich Versicherten Privatpatienten. Die Konsequenz: Bei vielen Leistungen können die Versicherten wählen, welche Leistungen sie wo in Anspruch nehmen. Als Privatpatienten haben sie zum Beispiel Anspruch auf die Behandlung durch leitende Krankenhausärzte. Dafür ist es aber wichtig, dass die abgeschlossene Zusatzpolice die Honorare der Ärzte mindestens bis zum 3,5-fachen Höchstsatz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) übernimmt. Aber auch dieser Schutz zählt nicht gerade zu den günstigen Policen. Je nach Alter und Krankheitsvorgeschichte kann die Police zwischen 35 und 55 Euro monatlich kosten, wenn der Versicherte bei Vertragsabschluss Anfang 40 ist.

Unerlässlich: Krankenversicherung für Auslandsreisen

Wenig sinnvoll sind andere Zusatzpolicen. So haben Versicherte zum Beispiel die Möglichkeit, die Anschaffung von Sehhilfen zu versichern, denn Krankenkassen zahlen für Brillen und Kontaktlinsen nichts. Aber die Anschaffung von Brillen und Linsen ist mittlerweile so günstig, dass ein besonderer Versicherungsschutz nicht wirklich sinnvoll ist. Nach Beobachtungen der Stiftung Warentest sind selbst bei günstigen Verträgen die Beiträge manchmal höher als die maximal mögliche Leistung.

Ein anderer Zusatzschutz hingegen ist unerlässlich: Die Auslandsreisekrankenversicherung. Denn die gesetzlichen Krankenkassen mit ihrem "Auslandskrankenschein" decken kaum noch die anfallenden Kosten, wenn der Urlauber in den schönsten Wochen des Jahres krank wird. Außerhalb Europas müssen gesetzlich Versicherte fast immer alle Kosten selber zahlen. Dabei ist privater Schutz alles andere als teuer: Policen für den obligatorischen Drei-Wochen-Sommerurlaub gibt es schon ab rund acht Euro. Dafür erstatten die privaten Kassen in den meisten Fällen alle Kosten für ambulante und stationäre Behandlung, zahlen Medikamente und übernehmen sogar den Rücktransport, wenn er medizinisch notwendig ist.

Oliver Mest/DDP / DDP