ARD Dokumentarfilm: Westerwelle
Zehn Jahre nach seinem Tod: Wer war Guido Westerwelle als Mensch und Politiker?

  • von Maximilian Haase
Zehn Jahre nach seinem Tod widmet das Erste Guido Westerwelle ein Doku-Porträt.
Zehn Jahre nach seinem Tod widmet das Erste Guido Westerwelle ein Doku-Porträt.
© 2013 Getty Images/Jens Schlueter
Vor zehn Jahren starb Guido Westerwelle mit nur 54 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Anlässlich des Todestages porträtiert das Erste nun in einer Dokumentation den streitbaren Politiker und den Menschen dahinter. In bislang unveröffentlichten Aufnahmen kommt Westerwelle auch selbst zu Wort.

Er war einer der streitbarsten Politiker der jüngeren deutschen Geschichte, er war liberaler Vizekanzler und Außenminister, zudem der erste offen homosexuell lebende Inhaber eines hohen Regierungsamtes in der Bundesrepublik: Vor zehn Jahren starb Guido Westerwelle mit nur 54 Jahren infolge einer schweren Krebserkrankung. Kurz vor seinem Todestag am 18. März widmet ihm das Erste nun ein dokumentarisches Porträt, das die politische Figur, aber auch den Menschen dahinter zu fassen versucht. Gelingen soll die sehr persönliche Annäherung vor allem anhand bislang unveröffentlichter Tonaufnahmen, in denen Westerwelle selbst auf sein Leben zurückblickt,

Der Film von Jobst Knigge kann dabei, anders als die meisten posthumen Porträts, auf wertvolles Material zugreifen: Stundenlang sprach Guido Westerwelle nach seiner Leukämie-Diagnose 2015 mit dem Autor Dominik Wichmann über seine Biografie, Karriere und privaten Erinnerungen. Ein Jahrzehnt nach seinem Tod erteilt er auf diese Weise noch einmal persönlich Auskunft – die Ausschnitte aus den exklusiven Interviews sind hier erstmals zu hören,

Hinzu kommen teilweise ebenfalls bisher unveröffentlichte Archivquellen sowie Interviews mit Wegbegleitern wie Wolfgang Kubicki, Daniel Bahr, Renate Künast, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Christian Lindner und Klaus Wowereit. Aufschlussreich sind vor allem die Aussagen von Ehemann Michael Mronz, mit dem Westerwelle eine enge Beziehung verband, die noch einmal eine unbekanntere Seite, nämlich jene des privaten Menschen hinter der politischen Fassade offenbarte.

"Plötzlich bin ich ein ganz Schwacher"

Die ARD-Produktion verspricht dabei nicht weniger als "einen neuen, persönlichen Blick auf den Instinktpolitiker Westerwelle – und damit auch ein tieferes Verständnis für den Weg Deutschlands". Und es stimmt ja: Ganze drei Jahrzehnte wirkte Westerwelle in der deutschen Politik, prägte und formte sie mit. Als Oppositionsführer und Machtmensch, als herausragender Redner und humorvoller Gesprächspartner. Nicht zuletzt auch als FDP-Vorsitzender, der 2009 für die höchsten Zustimmungswerte seiner Partei sorgte, angesichts ihres anschließenden Abstiegs aber machtlos erschien.

"Jahrzehntelang war ich ein Starker, und plötzlich bin ich ein ganz Schwacher." – So formulierte es Guido Westerwelle kurz nach seiner Krebsdiagnose, infolge derer der polarisierende Politiker auch in der Öffentlichkeit differenzierter wahrgenommen wurde. Wer war er in aller Widersprüchlichkeit? Was trieb ihn an und was waren seine Ziele? Nicht zuletzt: Was bleibt heute von Guido Westerwelle, dem Politiker und Menschen? Diese Fragen sucht die Dokumentation zehn Jahre nach seinem Tod zu klären.

ARD Dokumentarfilm: Westerwelle – Mo. 09.03. – ARD: 22.50 Uhr

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