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Warum uns beim Lesen im Auto schlecht wird

Sie ist die wohl nervigste Begleiterscheinung der Ferienzeit: die Reiseübelkeit. Kaum hat man im Auto ein Buch in die Hand genommen, wird einem schlecht. Woher rührt das leidige Phänomen?

Wie entsteht Reiseübelkeit?

Lesen im Auto kann auf den Magen schlagen

Ein gutes Buch legt man nicht gern aus der Hand – auch nicht, wenn man auf Reisen ist. Dumm nur, dass das Lesen im Auto auf den Magen schlagen kann. Kaum hat man ein paar Seiten gelesen, macht sich ein flaues Gefühl in der Magengegend breit. Einige Menschen können nicht einmal einen Satz zu Ende lesen, ohne dass ihnen übel wird. Doch warum ist das so?

Hauptverursacher der Übelkeit ist unser Gehirn: Es kontrolliert ständig, wo wir uns im Raum befinden, ob wir uns bewegen oder ruhen. Dafür empfängt es Informationen aus verschiedensten Regionen unseres Körpers, zum Beispiel von unseren Augen. Auch in unserem Ohr befinden sich Sinnesorgane, die sogenannten Gleichgewichtsorgane. Dabei handelt es sich um kleine knöcherne Gänge, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Beginnen wir etwa zu laufen, versetzt das die Flüssigkeit in Bewegung. Auf diese Weise werden Nervenzellen angeregt, die Reize an das Gehirn schicken.

Beim Lesen im Auto kommen diese Sinneseindrücke durcheinander: Die Augen melden dem Gehirn Stillstand, weil der Blick auf dem Buch ruht. Gleichzeitig wirbelt die Bewegung des Autos die Flüssigkeit im Gleichgewichtsorgan des Ohrs durcheinander. Sie schwappt hin und her und sendet Bewegungssignale an das Gehirn, das mit den unterschiedlichen Meldungen überfordert ist.

Reiseübelkeit – Folge eines verwirrten Gehirns

Warum uns dabei schlecht wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Doch der britische Neurowissenschaftler Dean Burnett, der an der Cardiff University in Wales forscht, hat dazu jüngst eine interessante These aufgestellt. Sie basiert auf der Annahme, dass es sich bei der Reiseübelkeit um ein recht neuartiges Problem handelt. Unsere Vorfahren fuhren schlicht noch nicht in Autos durch die Gegend – deswegen konnte ihnen dabei auch nicht schlecht werden.

Das Ungleichgewicht der Sinnesorgane wurde in Vorzeiten durch etwas anderes ausgelöst: Gift. "In der Entwicklungsgeschichte des Menschen konnte ein Ungleichgewicht der Sinne nur durch ein Neurotoxin oder Gift verursacht werden", erklärt Burnett in einem Gespräch mit "NPR Fresh air". "Im Grunde genommen denkt das Gehirn also, dass es vergiftet wurde. Und in diesem Fall versucht es, das Gift wieder loszuwerden – was am besten mit Erbrechen geht. Sobald das Gehirn verwirrt ist, sagt es sich: 'Ich weiß nicht, was los ist. Also melde ich Übelkeit - nur für den Fall der Fälle'. Und in der Folge werden wir reisekrank."

Wie wird man die Übelkeit los?

Zum Glück muss es jedoch nicht zum Äußersten kommen. Mit einem einfachen Trick verschwindet die Übelkeit nämlich so schnell wieder, wie sie gekommen ist. Und der heißt: Buch aus der Hand legen und aus dem Fenster schauen. Auf diese Weise nehmen auch die Augen die Bewegung wahr, geben diese Information an das Gehirn weiter – und das Reiz-Wirr-Warr lichtet sich. Für die nächste Reise lohnt es sich also, für ausreichend anderweitige Ablenkung vorzusorgen, zum Beispiel in Form von einer schönen Playlist auf dem Handy.

ikr
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