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2. Dezember 2009, 16:00 Uhr

Machoalarm im Hasenstall

Mehr als sechs Millionen Kinozuschauer haben "Keinohrhasen" gesehen. Jetzt erweitert Til Schweiger seinen Film-Streichelzoo: In "Zweiohrküken" baut sein Macho Ludo mit Nora Tschirner als naiver Kindergärtnerin ein gemeinsames Nest. Beziehungszoff und aufgeblasene Brüste - der Erfolg ist programmiert. Von Alexander Kühn

Til Schweiger,

Das Erfolgspaar des deutschen Kinos: Til Schweiger und Nora Tschirner in "Zweiohrküken"© Gero Breloer/AP

Keine Ahnung, wie Til Schweiger als Kind war. Man hat unweigerlich einen leicht nuschelnden Jungen vor Augen, der sich, weil ein anderer Bub ein Bauklötzchen mehr hat als er, bockig in die Schmollecke verzieht: "Ich will, ich will, ich will!" Wenn Schweiger sich irgendwo äußert, zum Beispiel zum Status quo des deutschen Films, geschieht das gern im Grundton des Nölens und Quengelns. Erst vor ein paar Tagen klagte er in einem Interview wieder über das böse deutsche Feuilleton, das seine Filme immer so fertigmache. Tapfer schob er hinterher: "Unterschätzt worden bin ich mein Leben lang, schon in der Schule. Und ich kann nur jedem empfehlen, sich gründlich unterschätzen zu lassen, das ist ein Riesenvorteil."

Natürlich weiß Schweiger genau, wie gut ihm die Rolle des ewig Missverstandenen und Zukurzgekommenen steht. Deshalb spielt er sie nicht nur bei öffentlichen Auftritten, sondern auch in seinen Filmen. Dieser Ludo - Aufreißer, Stoffel und Hauptfigur seiner neuen Komödie "Zweiohrküken" - ist ja auch so einer, der immer abwechselnd beleidigt ist oder genervt. Er leidet unter der Unentschiedenheit seiner Freundin Anna bei der Auswahl ihrer Abendgarderobe. Und unter ihrer Eifersucht. Anna ist maulig, weil er weiter seine Ex trifft, ein Biest, aber ein verführerisches. Dass Ludo nicht putzt und Pfandflaschen über Wochen im Schrank hortet, obwohl er versprochen hat, sie zu entsorgen, verbessert das Klima nicht gerade.

Strickmuster Naivchen trifft Machoarsch

Seit "Keinohrhasen" weiß man, wie gut der Quengelschweiger in Kombination mit Nora Tschirner funktioniert. Sie spielt Anna so, dass diese selbst im schlimmsten Zoff noch reizend ist. Weil Anna, unbeholfene Kindergärtnerin mit Strickjacke und dicker Brille, eigentlich gar nicht weiß, wie das geht: rumzicken. Selbst wenn sie noch so sauer ist.

Wenn Til Schweiger über Nora Tschirner spricht, lobt er gern, dass sie "sexy und witzig zugleich" sei. In "Zweiohrküken" sitzt sie im Gegensatz zum Vorgängerfilm nicht nackt auf dem Klo, sondern angezogen. Dafür erscheint sie gleich in der ersten Szene in Springerstiefeln und halb offener Fliegeruniform, unter der fröhlich ihre Brüste hervorlugen, vom Computer aufgeblasen auf Kindskopfgröße - was in der nächsten Einstellung aufgelöst wird als Sequenz aus Ludos wilden Träumen. Schweiger weiß, was Männer wünschen.

Neuentdeckung: Ken Duken als Komödiant

Das Ping Pong zwischen Tschirner und Schweiger rettet sogar darüber hinweg, dass der Geschichte von Anna und Ludo bisweilen die Luft ausgeht; selbst das Kino kann Beziehungskräche nun mal nicht neu erfinden. Matthias Schweighöfer, in "Keinohrhasen" eher Anhängsel Schweigers, wird als glückloser Frauenjäger zur dritten Hauptfigur. Yvonne Catterfeld und Wladimir Klitschko spielen noch einmal sich selbst, Schweigers kleine Tochter Emma Tiger ist auch wieder dabei. Eine Entdeckung ist Ken Duken, der bisher in Tragödien und Katastrophenfilmen auffiel und sich nun als begabter Komödiant erweist. Er spielt Annas Ex. Aus ihrer Sicht ein lieber Kerl, aus der Ludos ein unerträglicher Schleimer. Gesegnet mit einem Gemächt, von dem selbst Ochsen nur träumen können. Irgendwann gibt's von Ludo eins auf die Nase.

Auf der Plusseite im Komödiendebakel 2009

In der Bilanz des Komödienjahrs 2009, das uns schlimme Nichtigkeiten bescherte wie "Männersache" (Mario Barth) oder "Isch kandidiere!" (Hape Kerkeling), steht "Zweiohrküken" auf der Plus-Seite. Irgendwo hinter Simon Verhoevens "Männerherzen" und "Maria, ihm schmeckt's nicht!" mit Christian Ulmen. Man muss Til Schweiger nicht liebhaben. Man muss sein Mäuschen-Casting auf RTL nicht gesehen haben und nicht der Meinung sein, er sei er für Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" ein schau-spielerischer Gewinn gewesen. Seine Filme kann man trotzdem mögen.

Von Alexander Kühn
 
 
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