Mit Tom Cruise stand er für "Walküre" vor der Kamera. Jetzt spielt Matthias Schweighöfer in "Der Rote Baron" einen Jagdfliegerpiloten aus dem Ersten Weltkrieg. Im Gespräch mit stern.de erzählt er von Krieg und Fliegen - und davon, dass Superstars auch nur ganz normale Menschen sind.

Für die Rolle des "roten Barons" musste Matthias Schweighöfer seine Flugangst überwinden© DPA
Es ist gut, weil man eigene Geschichten entwickeln kann. Man hat mehr Entscheidungskraft. Um alles, was mit Geld zu tun hat, kümmern sich aber die Jungs, die Geschäftsführer.
Er ist mir wichtig, weil ich damit so viel Zeit verbracht habe. Ich finde es gut, solche großen historischen Stoffe auch einmal in Deutschland zu machen. Amerikaner und Engländer sind in dieser Hinsicht wesentlich entspannter. Die kennen den Roten Baron, diesen jungen Fliegerkapitän aus dem ersten Weltkrieg, auch besser. Ich habe den Film mit Tom Cruise gesehen. Der fand den richtig geil. Wir kriegen aus Amerika Anfragen ohne Ende. In Deutschland könnte es schwieriger werden, was mit der Geschichte zusammenhängt. Die Amis haben weniger Probleme mit Patriotismus. Wir dürfen ja keine deutschen Helden haben, weil wir schuld an zwei Weltkriegen waren.
Ich finde ja.
Mich hat interessiert, warum er das gemacht hat: in meinem Alter eine Jagdstaffel leiten, Freunde sterben sehen.
Du verstehst schon besser, was es geheißen hat, da oben auf 3000 Metern Höhe so eine Kiste zu fliegen und da rumzuballern. Ich stelle mir das furchtbar vor. Diese Angst. Ich wüsste gar nicht, wie man die überwinden kann. Du fliegst los und hast keine Ahnung, was kommt. Plötzlich stehen da 150 andere Flieger am Himmel. Das ist so absurd. Ich kann es nicht nachvollziehen: Du drückst irgendwo drauf und plötzlich ist jemand tot.
Ich habe mal einen Bericht gesehen, wie das für Soldaten im Irak ist, Freunde zu verlieren. Für uns ist das nicht existent. Wir lesen es, wir hören es, aber es ist für uns nicht existent. Was einem schon näher kommt: Aus Richthofens Staffel sind ja fast alle gestorben. Beim Dreh fingen wir mit zehn Leuten an. Am Ende blieb nur ich übrig. Das war ein seltsames Gefühl. Natürlich ist das nichts gegen die Erfahrung, wenn deine Freunde sterben. In diesem Alter - oder jünger. Wie es ist, wenn plötzlich jemand neben dir höllisch schreit, weil er im Flugzeug verbrennt. Am Set ist das natürlich eine künstliche Umgebung. Wenn du es dann anschließend siehst, wird dir einiges bewusster. Wir sind ja auch nicht wirklich geflogen, sondern saßen vorher nur im Simulator. Das lief alles über Green-Screen-Technik, bei der das meiste digital nachbearbeitet wird. Es ist dafür kein einziges Flugzeug abgehoben.
Ich hatte tatsächlich einmal Flugangst. Aber dann habe ich vor einiger Zeit parallel in Berlin und Sofia gedreht. Da blieb mir nichts anderes übrig, als zu fliegen. Ich habe dann eine Therapie gemacht. Meine Fluglehrerin für den Film hat einen roten Doppeldecker. Die hat mich eingeladen, mal mitzufliegen. Das habe ich bisher aber noch nicht geschafft.
Das ist ein komisches Gefühl. Gerade, wenn dann die Familie zum Dreh vorbeikommt und einen so richtig wertschätzt. Die haben zum Spaß gesagt: "Da ist ja wieder unser Uronkel. Hallo Manfred!"
Vor drei oder vier Jahren hat mich der Regisseur angerufen und gesagt, er würde gerne mit mir arbeiten. In der Zeit war ich gerade 15 Monate arbeitslos. Ich habe in diesem Land einfach keine Arbeit bekommen und dann ruft dich jemand aus Los Angeles an und bietet dir so einen Riesenfilm an. Das war schon skurril. Es hat sich hier niemand für mich interessiert. Ich weiß also, wie es ist, wenn ein Hype vorbei ist. Deshalb habe ich dann auch die Firma gegründet. Mit der Firma planst du langfristig. Du bist nicht abhängig: Gibt mir jemand ein gutes Buch? Du sagst eher: Was meint ihr Jungs, machen wir den Film in drei, vier Jahren? Ist realistisch! Gut, dann machen wir das jetzt.
Ich habe mit der Autorin von "Keinohrhasen" ein Drehbuch verfasst, das wir für 2009 vorbereiten. Michael Proehl, der "Die Katze im Sack" geschrieben hatte, schreibt ein Buch für einen Film mit Milan Peschel. Da werde ich zum ersten Mal als Regisseur aktiv. Das vorzubereiten ist enorm viel Arbeit.
Solange du Alternativen hast, eine Firma, ein Hobby, kann dir so eine Spirale relativ egal sein. Solange du dein Glück nicht vom Erfolg abhängig macht. Es ist natürlich manchmal absurd: Wenn Tom Cruise dich anruft und sagt: "Matthias, ich komme nach Deutschland, gehen wir essen?" Dann sagst du: "Klar, ich bin da". Auf einmal sitzt du mit Karl Lagerfeld am Tisch, du kriegst einen Bambi und Tom Cruise umarmt dich und sagt: "Geil, Alter, super!" Anstatt: "Herr Schweighöfer, klasse." Da denke ich mir auch: Wie abstrus ist das eigentlich? Der Umgang mit den Leuten wird normaler. Anfangs war ich natürlich total aufgeregt. Bin ich jetzt nicht mehr so sehr. Im Grunde sind das alles ja auch nur normale Leute, die es eben geschafft haben und jetzt Supersupersuperstars sind.
Nee. Jede Klatschpresse schreibt irgendeinen Scheiß über Tom Cruise. Was soll er denen noch erklären? Der ist wirklich ein cooler Kerl, wirklich.
Ich liebe die amerikanische Filmkultur sehr. Aber Amis brauchen offensichtlich keine deutschen Schauspieler. Mal gucken, was passiert. Ich arbeite gerne auf Englisch, weil die Sprache so klar ist und ohne Schnörkel. Was ich gerne schaffen würde: Aus Deutschland heraus Filme zu machen, die international laufen. The Red Baron. Ist doch Wahnsinn, wie das auf Englisch klingt, oder?
Interview: Johannes Gernert