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30. Oktober 2009, 11:10 Uhr

Die wahrste Wahrheit über Michael Jackson

Nun ist er raus, der Film über die letzten Tage des King of Pop. "This is it" ist ein surrealer Zusammenschnitt der Proben zur geplatzten Comeback-Konzertreihe von Michael Jackson. Der im Juni gestorbene Popstar erscheint als Monster und Genie zugleich. Von Sophie Albers

Zoom
Michael Jackson, This is it, Kenny Ortega, Sony

Michael Jacksons letzter Auftritt: "This is it"© Sony/ DPA

Wenn Michael Jackson nach 112 Minuten zum zweiten Mal stirbt - der Tod käme logischerweise nach dem Abspann und ist ja der Grund für diese erste Konzertprobendokumentation, an deren Ende kein Konzert steht - ist man seltsam erschöpft. Der Film ist lang, keine Frage. Aber das ist es nicht. Auch an die Dauerbeschallung mit Michael-Jackson-Songs, die nicht abreißen will, seit der Popstar im Juni an einer Überdosis Medikamente starb, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Und die kaputtoperierte Nase schockt sowieso niemanden mehr. Nein, das geht tiefer. Aus irgendeinem seltsamen Grund fasziniert und berührt der Film. Auch wenn Glitzerhandschuh-klar ist, dass er einzig dazu dient, das Geld für die geplatzte Konzertreihe wieder reinzukriegen.

Vergessen Sie die ganzen PR-Ankündigungen über das "Vermächtnis an die Fans" und "Michael hätte das so gewollt". Sie gucken einem abgehalfterten Vollprofi bei der Arbeit zu. Mehr nicht. Um es mit den Worten eines Geschäftsmannes zu sagen, der die Mitternachts-Premiere von "This is it" in Berlin besuchte und nicht beim Namen genannt werden möchte: "Michael Jackson würde kotzen, wenn er wüsste, dass seine Fans das zu sehen kriegen".

Zum Glück hat Michael Jackson seinen Moonwalk

Nach zwölf Jahren Pause, dem Missbrauchsprozess-Wahnsinn und mit existentiellen Geldsorgen am Hals, läuft Michael Jackson abgemagert und mit anfangs erschreckend matschiger Stimme zwischen seinen Mitkünstlern herum. Meist auf der riesigen Bühne, auf der in Los Angeles geprobt wurde, bevor im Juli in London die Konzertreihe mit 50 Auftritten starten sollte. Mal gibt Jackson Anweisungen, mal hetzt er durch Songs, mal streitet er mit dem musikalischen Leiter, weil der das Tempo nicht Jackson-mäßig hält. Bei allem, was er tut, wirkt der Popstar wie ein Außerirdischer und weit entfernt vom extremen Perfektionismus, der ihm einst nachgesagt wurde.

Doch er wird langsam warm, und dann kommt auch noch der Moonwalk. Das ist der Augenblick, in dem die berüchtigte Magie einsetzt. Die war sogar im Kino am Potsdamer Platz in Berlin zu spüren und brachte eine kleine Offenbarung mit sich: Jackson scheint Synästhetiker gewesen zu sein, ein Mensch, bei dem sich die Sinnesebenen vermischen. Wenn Jackson Musik hört, bewegt er sich. Er fühlt Musik im wahrsten Sinne des Wortes. Töne sind für den Mann, der nur 50 Jahre alt wurde, besetzt mit Bewegungsabläufen, und nur wenn beides im Einklang ist, bricht aus dem schüchtern lächelnden, hinter Sonnenbrillengläsern versteckten Gesicht ein Lachen. Das war für manche Menschen im Publikum geradezu ein Schock: Wir müssen uns Michael Jackson als glücklichen Menschen vorstellen - solange er auf der Bühne stehen durfte.

Auch verblüffend ist die unbedingte Präsenz des Sängers. Höhepunkt ist gegen Filmende ein Probedurchlauf von "Billie Jean", bei dem sich allerdings die Frage stellt, ob da nicht an der Tonspur des Films geschraubt wurde. Der Song hört sich nämlich so gar nicht nach Probe an. Der Vorwurf von Michael Jacksons Vater übrigens, dass im Film Doubles eingesetzt worden seien, sei hiermit zurückgewiesen. Falls es doch der Fall gewesen sein sollte, dann waren sie so gut, dass man es nicht bemerkt.

Zwischen Zombie und Disneyfigur

Trotzdem bietet "This is it" tatsächlich eine ganze Riege verschiedener Michael Jacksons: Mal wirkt er wie ein klappriger Untoter - und das nicht bei "Thriller" -, mal wie eine durchgedrehte Mangafigur, dann plötzlich wie ein possierlicher Disney-Charakter. Vor allem aber ist er immer wieder die 80er-Jahre-Ikone, die Töne und Bewegungen in die Welt gesetzt hat, die für gleich mehrere Generationen unvergesslich sind.

Auch bei der Berliner Premiere war fast jede Altersgruppe vertreten. Für die 13-jährige Lisa ist es eigentlich egal, dass Michael Jackson gestorben ist. "Ich kenne den eh nur aus'm Fernsehen. Und da lebt er ja immer weiter". Möglicherweise ist "This is it" auch noch gar nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer ganzen Reihe von Filmen, bei denen Michael Jackson gekotzt hätte, wenn er wüsste, dass seine Fans sie sehen. In einem Nebensatz verrät nämlich Jacksons musikalischer Leiter, Michael Bearden, dass sein Boss "alles, was er machte, dokumentiert hat". Das war's also möglicherweise noch lange nicht.

Von Sophie Albers
KOMMENTARE (10 von 17)
 
sandrineMUC (30.10.2009, 19:51 Uhr)
unglaublich
...Alexander0815, den namenskürzel trifft es ja....nullachtfünfzehn...
Einen großen Künstler als jemanden zu bezeichnen, der "doch nichts konnte" ist so armselig....
Würdest du wissen, dass er zu den wenigen Künstlern gehoert, die 90% ihrer Songs selbst komponiert, geschrieben, gesungen UND produziert (falls du nicht weisst, was das ist...er hat die meisten unstrumente selber eingespielt).
Davon gibt es wenige...Shakira gehoert noch zu den seltenen, die alles selber machen, Madonna zb. singt keine eigenen Lieder, die werden fuer sie komponiert und geschrieben. Also halte dich zurueck mit solchen dummen Aussagen!
Schau dir mal andere Artikel an von rennomierten Zeitungen wie der Süddeutschen oder n-TV....
Was bist du fuer ein gefühlskalter Mensch!!!!
Alexander0815 (30.10.2009, 12:22 Uhr)
Es ist klar ...
... das Menschen, die so krank sind, dass sie bei dem Tod dieses abgehalfterten Musikers in Tränen ausbrechen und fast selbstmordgefährdet sind, auf so einen Artikel sehr feindselig reagieren.

Mir gefällt er und ich denke, dass er auch - wenn man das ganze mal ganz nüchtern und ohne kindisches Bewundern betrachtet - den Kern der Sache trifft.

Ich frage mich immer wieder was das für Menschen sind, die bei so etwas so reagieren oder so auf einen Menschen abfahren, der doch nichts konnte ausser - früher mal - ganz gut singen. Seine besten Jahre waren lang vorbei, er hatte einen Lebensstil den man wohl nicht als nachahmenswert bezeichnen sollte und trotzdem wurde er immer wieder irgendwie aufgefangen.

Sorry, aber da gibt es tragischere und wichtigere Dinge auf den Welt (wahrscheinlich fast alles) als der Tod dieses MJ.

Und dass dieser Film nur die reine Geldmache ist, dass sollte doch wohl jedem einleuchten, der noch ein bisschen Hirn zum Denken frei hat.
sandrineMUC (30.10.2009, 11:06 Uhr)
STERN ist nicht mehr tragbar
....eine kurze Anmerkung noch zu dem Film...heute ist mir der Artikel von n-TV, einem seriösen Nachrichtenmagazin in die Hände gefallen, der Artikel ueber den Film beeindruckt und ist genau gegenteil dem, was hier steht. Da hatte die Stern Schreiberin wohl einen seeeehr schlechten Tag und sollte sich mit solchen Größen des Musikgeschäfts besser nicht mehr beschäftigen.
Schaut den Film, lest den n-TV Artikel und geniesst einfach den Moment mit MJ, er hat alles gegeben und es wäre eine gigantische Show geworden......
Lila79 (30.10.2009, 09:10 Uhr)
Stern ist für mich erledigt...
Kommentare verschwinden, sind wieder da, verschwinden, sind wieder da.... ein Artikel den jede 12-jährige besser geschrieben hätte.
Stern, für mich nicht mehr tragbar.
Profil wird gelöscht und Zeitschrift nicht mehr gekauft.
Schlechte Werbung für Stern mit inbegriffen :)

Wünsche Ihnen noch viel Spass hier. Und bleibe bei der Meinung, das man hätte eine fähige Person einsetzen sollen.

RESPEKTLOS = STERN

Selbst die BILD hat so nen Mist nicht veröffentlicht u das soll schon was heissen ;)
speechless (30.10.2009, 09:01 Uhr)
Verschwundene Kommentare
@ Admin

Als ich hier gestern morgen meinen Kommentar abgegeben habe (ich habe ihn ja noch selbst gesehen), standen hier wesentlich mehr Leserbeiträge. Ich frage mich, warum diese alle weg sind!!

Solch einen Artikel wie den obigen in die Welt zu setzen, ist wohl in Ordnung?

Fakt ist, dass ich noch nie einen Film im Kino gesehen habe, der einen so mitreißt.
Gefühl pur!!

Liebe Leser, schaut Euch den Film an und überzeugt Euch selbst davon. Aber lasst Euch nicht von solchen Artikeln abschrecken. Dieser Artikel ist einfach nur unverschämt. Das hat MJ nicht verdient.

Dieser Film ist ein würdiges Andenken an Michael Jackson, den Kenny Ortega mit viel Liebe erschaffen hat. Hier sieht man einen Michael, der die Bühne liebte und seine Songs lebte. Es gibt keinen der soviel Seele in seine Stimme gelegt hat wie er.

@ Admin
Falls das jetzt auch wieder gelöscht werden sollte, können Sie mein Profil direkt danach löschen. Das dürfte dann so ungefähr mein letzter Besuch hier gewesen sein.
sandrineMUC (29.10.2009, 22:29 Uhr)
WOW.....Tabloid Junkie
...was fuer einen Redakteur hat denn der Stern bitte an diesen Artikel gelassen, unfassbar, ich bin geschockt, wie jemand sowas schreiben kann. ES WAREN PROBEN und das er ein Perfektionist ist, zeigt der Film ja wohl sehr deutlich. Sicherlihc haette er gekotzt, wenn er den Film gesehen hätte, aber nur, weil er seine SHOW grandios machen wollte.
MEine Güte, gibt es keinen Respekt mehr vor so einem großen Künstler, der wirklich alles versucht hat, seinen Fans eine supershow zu liefern..Matschige Stimme ist ueberhaupt die Frechheit.....Dann schaut euch gefaelligst den ganzen Film an....späetestens beim Singen von HEal the world sollte euch das HErz in die Hose rutschen mit seiner sanften Stimme.
Bin sehr enttäuscht vom Stern, das ist kein objektives statement!!!!!
Administrator (29.10.2009, 17:56 Uhr)
@ speechless
Kann es sein, dass Sie sich im Artikel irren? Wir haben zu diesem Artikel nur den Kommentar von 17:13 Uhr von Ihnen bekommen.
Aurele (29.10.2009, 17:46 Uhr)
Speechles
Nachdem meine erste Wut über diesen Artikel verraucht ist und ich wesentlich bessere Artikel gelesen habe: Löschen Sie hier bitte mein Profil.
Der Artikel geht so unter die Gürtellinie, dass ich mit dem Stern nix mehr zu tun haben möchte.
speechless (29.10.2009, 17:13 Uhr)
Wo ist mein Kommentar?
Wo ist mein Kommentar geblieben, den ich heute morgen abgegeben habe? Dieser war weder beleidigend noch sonstwie abstoßend.
Darf man sich nicht positiv über MJ`s Film äußern?
Oder war es die Frage, ob Frau Albers für so ein Geschreibsel Geld bekommt?
Lila79 (29.10.2009, 13:33 Uhr)
@gabypsilon..
.... mediengeprägt ohne Ende.

Erst informieren - und zwar an den richtigen Stellen - bevor man so was von sich gibt..



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