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Ein Film über die "älteste Boyband der Welt"

Das Besatzungskind Benedikt sucht im Nachkriegs-Österreich seinen Vater und kämpft um die Aufnahme bei den Wiener Sängerknaben. "Kleine große Stimme" ist ein gefühlvoller Familienfilm, der auch schwierige Themen anpackt.

Kleine große Stimme

Benedikt Thaler (Wainde Wane) singt beim Abschlusskonzert "Our Song"

Als die glockenhelle Stimme des Jungen auf der Leinwand ertönt, ist Benedikt Thaler (Wainde Wane) sofort fasziniert. Noch im Kino fasst das Besatzungskind den Entschluss, auch ein Teil der Wiener Sängerknaben zu werden. Denn die Amerikatournee des weltberühmten Chors ist für ihn die Chance, seinen US-amerikanischen Vater zu finden. Damit beginnt in "Kleine große Stimme" am 30. Dezember um 20.15 Uhr in der ARD die Suche Benedikts nach einem Zuhause.

Mit seiner dunklen Haut und den schwarzen Locken ist der Halbwaise 1955 auf dem österreichischen Land ein Exot, Anfeindungen wegen seiner Hautfarbe gehören für den Zehnjährigen zum Alltag. Die Mutter ist tot, seinen Vater kennt Benedikt nicht. Das Leben bei den Großeltern ist trostlos, der kriegsversehrte Opa lehnt ihn ab. "Es ist nicht gut, wenn man anders ist bei uns hier", sagt die Großmutter (Margarethe Tiesel) und hilft ihrem Enkel bei der Flucht nach Wien.

Die 50er Jahre erstehen wieder auf

Mithilfe von Schnaps und Einfallsreichtum schlägt sich Benedikt bis in die österreichische Hauptstadt durch. Hier lässt Regisseur Wolfgang Murnberger die 1950er Jahre mit vielen Details lebendig werden. Bei einem unkonventionellen Vorsingen beeindruckt Benedikt den jungen Chorleiter der  Wiener Sängerknaben, Max Goldberg (David Rott).

Der jüdische Goldberg, aus den USA zurückgekehrt, will frischen Wind in die altehrwürdigen Hallen des 500 Jahre alten Traditionschores bringen. Mit amerikanischen Klängen begeistert er nicht nur die jungen Sänger, sondern auch Elsa Brandl (Miriam Stein, "Goethe!"), die rechte Hand des Direktors - sehr zum Missfallen des Präfekten Hans Roschek (Philipp Hochmair).

Tatsächlich schafft Benedikt die Aufnahme in den Chor. Doch dort fangen die Probleme erst richtig an. In Goldbergs Vater Siegfried (Karl Merkatz) findet der Junge einen Verbündeten. "Es ist keiner fremd, wenn wir das nicht wollen", sagt der alte Mann. Er hilft Benedikt bei der Suche nach dem Vater.

Freundliche Familienunterhaltung 

Routiniert erzählt Murnberger in der deutsch-österreichischen Co-Produktion die Geschichte von Benedikt Thaler und gewährt dem Zuschauer Einblicke in den Schulalltag der "ältesten Boyband der Welt". 1498 gegründet, zählen die Wiener Sängerknaben heute zu den bekanntesten Chören der Welt und prägen das internationale Bild von Österreich.

Bei allen Gefühlsmomenten und musikalischen Einlagen mit schönem Gesang weicht der Film auch schwierigen Themen der Nachkriegszeit nicht aus. Wenn Roscheks Sportübungen mit den Kindern an Leibesertüchtigungen im Dritten Reich erinnern oder ein ehemaliger Nachbar der Goldbergs sich mit seiner Entnazifizierung brüstet, zeigt sich die problematische Aufarbeitung der Nazizeit.

Trotzdem entlässt der Film den Zuschauer am Ende mit einem guten Gefühl, was nicht zuletzt an den jungen Hauptdarstellern liegt. Gelegentlich könnten Zuschauer außerhalb der Alpenrepublik mit dem Dialekt Probleme haben. Insgesamt ist "Kleine große Stimme" aber freundliche Familienunterhaltung zur Weihnachtszeit.

Teresa Fischer, DPA
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