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13. Oktober 2007, 16:26 Uhr

Talk ohne Eva Herman

Bettina Tietjen, die ihre Sendung zusammen mit Eva Herman moderiert hatte, hat einen neuen Co-Moderator bekommen. Es heißt zwar immer noch "Talk mit Tietjen" aber der in Äthiopien geborene Yared Dibaba teilte sich mit ihr die Gespräche mit den Gästen. Und das gar nicht schlecht. Von Michael Rossié

Yared Dibaba ist der neue an Bettina Tietjens Seite. Vorübergehend und auch nur im Fernsehen© Peter Steffen/DPA

Einer Redaktion gegenüber, die Eva Herman als Moderatorin eingesetzt hat, hege ich ein gewisses Misstrauen, auch wenn das noch vor Hermans Bemühungen passierte, die deutsche Mutter unter Naturschutz zu stellen. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Der Mann ist nicht nur schwarz und glatzköpfig, nein der macht seine Sache gut.

Der Einstieg ist bei beiden so langweilig wie es nur geht. Nach dem obligatorischen "Einen wunderschönen guten Abend" wurde dann von Frau Tietjen nur noch unterschieden zwischen "herzlich willkommen", "ganz herzlich willkommen" und "besonders herzlich willkommen". Dibaba ergänzte dann mit einem "herzlich willkommen auch von meiner Seite", abgewechselt mit "erst mal herzlich willkommen".

Frau Tietjen freut sich natürlich sehr, dass er da ist, und Yared Dibaba freut sich riesig, dass er dabei ist. Wären es vier Moderatoren gewesen, hätte sich der dritte noch "gewaltig" freuen können, und der vierte hätte dann schon zu "sakrisch" oder "unbändig" greifen müssen.

Nun ist es nicht ganz fair, ihn mit Frau Tietjen zu vergleichen. Aber es gibt zwischen den beiden eine Menge Unterschiede.

Dibaba - eher zurückhaltend

Frau Tietjen gab wie die vielen anderen Gastgeber lieber ein Statement ab, das ihre gute Vorbereitung zeigte und bat dann den Gast zuzustimmen. Anschließend kämpfte sie darum, auch genügend zu Wort zu kommen. Frau von Friedl bombardierte sie mit so vielen unterschiedlichen Themen in kürzester Zeit, dass einem schwindelig wurde. Dibaba hielt sich angenehm zurück. Er stößt ein Thema an, hört zu und lässt dann seinen Gast so lange machen, bis der einen neuen Anstoß braucht. Die meisten Fragen entwickeln sich aus der Antwort des Gastes. Man kann allerdings darüber streiten, ob er aus seinen Gästen so wirklich etwas herausgeholt hat. Wenn Caroline Beil von ihrem Stolz erzählt, in Zukunft täglich um 15.10 Uhr bei "Sturm der Liebe" die Böse zu geben, wäre mir dazu schon eine kritische Frage eingefallen. Auch den Bergsteiger Reinhold Messner hätte ich nicht alleine machen lassen. Aber das Konzept der Sendung ist ja offenbar anders.

Natürlich hält Dibaba noch viel die eine mit der anderen Hand fest und fummelt sich häufig im Gesicht herum, aber eine gewisse Nervosität ist nur natürlich. Einige dumme Fragen gab es dann von beiden. Dibaba zu der Sängerin Christina Stürmer: "Wie ist das, mit so einer Band zu spielen?" oder "Kickt es dich an?" oder zu dem Komiker Rick Kavanian: "Wie war das, als Sie Bully kennenlernten?" Tietjen zu Caroline Beil: "Meinen Sie, Ihrem Vater hätte die Beerdigung gefallen, die Sie für ihn organisiert haben?" oder zu Susanne Fröhlich: "Erwischst du dich dabei, wie aus dem Mund Sachen rauskommen?"

Fehler beim frei Sprechen

Menschen, die frei sprechen, machen viele Fehler, auch das ist ganz normal. Bei Dibaba werden "Die Filme von der Pike auf gemacht" und es heißt "in der Praxe", bei Messner ist es das Matriat und Patriat (da fehlt zweimal eine Silbe), bei Frau Fröhlich gibt es "auch so Wertesachen" und Frau Tietjen zieht immer "heile Unterwäsche" an. Das kann man niemandem vorwerfen.

Aber muss denn alles so belanglos sein? Es erwartet niemand von einer solchen Sendung investigativen Journalismus. Aber deswegen sind doch nicht alle Gäste gleich immer wuuunderbaaar?

Frau Tietjen ist von dem Buch von Susanne Fröhlich, das lediglich 300 Fragen an die Mutter enthält, begeisterter als die Autorin selber (Tietjen: "Das Schöne an dem Buch ist, dass man die Wahl hat, ob man antworten möchte."). Sie findet Christina Stürmers Stimme faszinierend, Frau Friedl war ein RIESENSTAR und Frau Beil hat "beängstigend viele Talente". Das führt natürlich nicht unbedingt zu einer interessanten Diskussion.

Dibaba versucht da wenigstens ansatzweise einen Diskurs zu entfachen ("Will ich das von meiner Mutter überhaupt wissen?" oder zu Frau Stürmer: "Du hast was Anständiges gemacht. Warum gingst du dann zu einer Casting-Show?"). Aber auch er bleibt an der Oberfläche. Kritische Fragen gab es kaum.

Keine Anstalten, sich zu profilieren

Wie auch immer. Dibaba ist schlagfertig, witzig (Tietjen: "Was hat dich an deiner Mutter genervt?" - Dibaba: "Gar nichts, sie guckt gerade zu!") und landet einige der besten Pointen der Sendung. Er strahlt, ist voller Energie und fragt gut informiert mit ausführlichen Moderationskarten, die er nie sichtbar benutzt. Außerdem macht er keinerlei Anstalten, sich zu profilieren. Schließlich ist es ja ihre Sendung. Das macht ihn sehr sympathisch, aber diese Harmlosigkeit ist gleichzeitig seine größte Schwachstelle.

Zur Person:

Zur Person: Michael Rossié arbeitet seit 20 Jahren als Sprechtrainer und Coach im Auftrag verschiedener Radio- und Fernsehsender. Er bildet Schauspieler für die Arbeit mit der Kamera aus, schult Moderatoren und Sprecher, coacht Prominente für Fernsehauftritte und berät Musikgruppen für die Moderationsanteile bei ihren Live-Auftritten.

Daneben ist er Autor der Bücher "Sprechertraining" (2000) und "Frei sprechen" (2004), beide in der Reihe "Journalistische Praxis" des List-Verlages erschienen, sowie des Buches "Schwierige Gespräche - live" (2005) im Haufe Verlag.

Von Michael Rossié
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Schnaafpaaf (14.10.2007, 18:29 Uhr)
Fox59Fire
Hat nix genutzt!
J.Stahl (14.10.2007, 18:25 Uhr)
hier geht es ausnahmsweise mal nicht um...
eure so verehrte frau herman,sondern um den neuen moderator der,auch wenn es euch vielleicht nicht passt,seine sache gut gemacht hat.mir waren die rassistischen kommentare von german by nature einfach zu blöd.an german by nature:nicht nur schwarze nehmen drogen,ich persönlich kenne keinen der das tut.dagegen einige weiße die dieses tun.
Anemone (14.10.2007, 17:16 Uhr)
Vielen Dank für die Greiler-Gruesse!
Ich freue mich, daß bestimmte Leute also die Autobahn nicht mehr benutzen wollen. Toll! Hoffentlich seid Ihr viele!
R.Greiler (14.10.2007, 14:43 Uhr)
Autobahn geht gar nicht!
Ich begrüße alle Freunde von Eva Herman mit einem frischen "AUTOBAHN GEHT GAR NICHT!"
Möglichst viele bedruckte T-Shirts und Wimpel herbei... das Volk muß lernen, was geht!
R.Greiler (14.10.2007, 14:38 Uhr)
Herman homepage download
http://eva-herman.de/downloads/Auszug_Eva_Prinzip.pdf
Was Eva Herman tatsächlich über die Nazis schreibt, kann man in einem freien download nachlesen. So ein Rufmord, das sie Nazi sein soll, das gibts gar nicht!
cousteau (14.10.2007, 09:41 Uhr)
@Anemone
Es ist schon bezeichnend, dass im deutschen Bürgertum exakt in dem Moment das Recht auf Meinungsfreiheit eingefordert wird, wenn es letztlich um "ursuppige" Äußerungen wie "Bei Adi war ja doch gar nicht alles so übel" geht. Mir scheint, hier wird letztlich das Gut der Meinungsfreiheit nur wieder mit dem Wunsch auf Stammtischhoheit verwechselt.
Wenn es den Leuten schon nach "Gerechtigkeit" und "Meinungsfreiheit" lechzt, dann sollen sie dann ihre Stimme erheben (und sich selbst am besten noch aus dem warmen Sesselchen, doch das würde ja Mühe bedeuten), wenn ihre elementaren Grundrechte zum Beispiel in Heiligendamm niedergeknüppelt wurden. Wir sollten dann unsere Stimme erheben, wenn wir es einfach nicht mehr ertragen, dass nicht mehr benötigten Menschen feudal so etwas wie Hartz IV zum Überleben bestimmt wird - wr die nächten "Empfänger" sein könnten. Wir sollten dann unser Recht auf Meinungsfreiheit bedroht sehen, wenn Informationsfaschisten wie Schäuble und deshalb gläsern sehen wollen, damit sie uns noch willkürlichen manipulieren und kontrollieren können.
Doch den Wunsch nach freier Rede an dem Recht nach offensichtlich ungebildeten Ergüssen einer schon bestens - und nach diesem Buch sicher noch besser - situierten Schein-Journalistin und -Autorin fest zu machen? Wie armselig.
Elektrolurch (14.10.2007, 05:01 Uhr)
Balla-balla
Lieber "Stern",
in welchem Universum hast du eigentlich diesen seltsamen "Sprechtrainer" namens Michael Rossie (?) entdeckt, dessen rührendes argumentatives Unvermögen nur durch seine offenkundigen Probleme mit der deutschen Sprache in den Schatten gestellt wird?
Mein Tipp: Lasst die TV-Kommentare künftig doch lieber von euren Praktikanten verfassen.
Anemone (13.10.2007, 19:21 Uhr)
yared dibaba
Ick frei mi ok bannig, dat Se den Job kregen hebbt. Noch mehr wör ick mi frein, wenn Se nich in dat Geheul und de Lögen vun den Sender gegen düsse Fru einstimmen wörn. För lange Tied wör dat för Se nich god. Glöven Se mi dat!
Anemone (13.10.2007, 18:53 Uhr)
@ "stern"
"Einer Redaktion gegenüber, die Eva Herman als Moderatorin eingesetzt hat, hege ich ein gewisses Misstrauen, auch wenn das noch vor Hermans Bemühungen passierte, die deutsche Mutter unter Naturschutz zu stellen."
Hört es bei "stern" nie auf mit dem unglaublichen Rufmord an einer Frau? Aufhören mit dem Spott! Aufhören mit der Bosheit! Wir wollen Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit!!!!!!!!!!!!!!!!!
Gibt es bei "stern" keinen Menschen mehr mit Mut und Anstand?
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