Als Stefan Raabs welkes Fleisch vibrierte

3. März 2010, 07:01 Uhr

Bei "Unser Star für Oslo" waren die Song-Beiträge wie gewohnt hörenswert, die Jury-Statements dagegen erneut fiebrig-fantasievoll. "Hinten wird keiner klar ausscheiden!" war die Devise. Wer jedoch dem stern.de-Votum vertraut hatte, der ahnte es schon vor der Sendung - am Ende nahm der "Jopi Heesters" des Castings seinen Hut. Von Ingo Scheel

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Am Ende waren es nur noch fünf: Leon Taylor (2.v.r.) wird definitiv nicht "Unser Star für Oslo". Sharyhan Osman, Christian Durstewitz, Jennifer Braun, Lena Meyer-Landrut und Kerstin Freking (v.l.n.r.) können dagegen weiter hoffen©

Fremdschämen war - wen wundert's mittlerweile noch - erneut Fehlanzeige bei Raabs Grand-Prix-Generalüberholung. Und dass es, dem hehren Auftrage scheint auch das geschuldet, sogar hinter den Kulissen nachhaltig fair, ja, bodenständig zugeht, zeigten die Backstage-Aufnahmen, die es in der gestrigen Unser Star für Oslo-Ausgabe zum ersten Mal zu sehen gab. Dort nämlich waren Eitelkeiten oder Zickenkrieg überhaupt nicht angesagt, stattdessen parlierten Jennifer und Leon zusammen locker über ihre Song-Beiträge, gaben Lena und Kerstin einander professionell die Klinke zum Musikraum in die Hand.

Mit Mettbrötchen auf Trab gebracht

Ganz unglamourös wurde da in einem garagenartigen Verhau geprobt, saßen die Heavytones in einem engen Kabuff beisammen und studierten mit den verbliebenen sechs Eleven deren Songs ein. Wie gut diese dann in der Live-Sendung über die Rampe gingen, mussten am Abend die Gäste Joy Denalane und Reamonn-Sänger Rea Garvey beurteilen. Dazu gesellte sich wie gewohnt Stefan Raab, der mit Mettbrötchen auf Trab gebrachte "König der Juroren".

Der Musikmix war dann, im besten Sinne, spannungsarm. Kerstin, die nordische Nymphe mit dem blassen Teint, hatte Regina Spektors "Better" gewählt, zitierte Tarkan, flötete und falsettierte sicher und dehnte lediglich das Outro etwas lang. Lena Meyer-Landrut bewies ein gutes Näschen, indem sie ihren zur Abnutzung neigenden Geek-Charme diesmal in den Hintergrund stellte. Ihre Version von Paolo Nutinis "New Shoes" geriet beinah unaufgeregt normal. Jennifer griff, nach Melissa Etheridge in der vorletzten Sendung, erneut tief in die Setlist ihrer Stadtfest-erprobten Coverband, und erledigte ihren Job ebenfalls sehr souverän. So souverän, dass Raab gar eingestand, ihm würde vom Groove des Chaka-Khan-Klassikers "Ain't Nobody" das welke Fleisch vibrieren.

"Tears in Heaven" war die falsche Entscheidung

Leon, mit 26 Jahren mittlerweile der Senior und laut Opdenhövel "Jopi Heesters" dieser Castingshow, vergriff sich anschließend am Clapton-Song "Tears in Heaven" - wie sich am Ende herausstellte, nicht nur für Jurorin Joy Denalane die falsche Entscheidung. Sharyhan vertraute mit "In the City" zum zweiten Mal erneut mit Fug und Recht auf einen eigenen Song. Und Christian "Dursti" Durstewitz, der inzwischen nicht nur vom Vater, sondern sogar von einer Fanclub-Präsidentin in die Show begleitet wird, pickte sich mit Mando Diaos "Dance with Somebody" einen Song, der wiederum bestens dazu angetan war, den kumpeligen Kerl mit der Naturkrause eine Runde weiter Richtung Oslo zu befördern. Ähnlichkeiten mit Prince hörte da zwar nur Joy Denalane heraus, die Stimmen der Anrufer waren ihm am Ende dennoch sicher.

Hieße diese Sendung "Wetten, dass ..?", stünden wohl schlechte Quoten und ein leidlich gekrümmter Spannungsbogen zur Diskussion, so aber brachten Raab & Co. ein weiteres Mal die Euro-Schäfchen sicher ins Trockene. Da machte es auch nichts, dass Rea Garveys Anmerkungen klangen wie von Howard Carpendale synchronisiert und Joy Denalane das meiste schlicht "ganz toll" fand. Ein Sänger, eine Sängerin für Oslo muss her - und diesem Ziel ist "USFO", mit Ausnahme von Leon, der sein Ausscheiden entspannt nahm, wieder ein Stück näher gekommen.

stern.de-User hatten den richtigen Riecher

Im stern.de-Votum jedenfalls, wo Leon bereits vor der Sendung den letzten Platz belegte, gibt es auch in Sachen Pole-Position einen mehr als deutlichen Trend, die Entscheidung aber ist noch nicht gefallen. Die Wahrheit liegt wie gewohnt auf der Bühne und dort - Gracia und Zlatko, Texas Lighting und die No Angels können davon ein Lied, nun ja, singen - ist, insbesondere mit dem Zielband in Sicht, noch so einiges möglich.

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KOMMENTARE (10 von 14)
 
Sardor (03.03.2010, 20:43 Uhr)
... der letzten auf ProSieben...
"Wie gut diese dann in der Live-Sendung - der letzten auf ProSieben, bevor mit dem Viertelfinale am Freitag die ARD übernimmt" - Nee, nächsten Dienstag läuft das Halbfinale auf Pro7!
martineden (03.03.2010, 15:42 Uhr)
Und die Konkurrenz?
USFO ist überwiegend ansehenswert und ambitioniert, wenngleich man etwas weniger emotional, objektiver und ein bisschen ironischer agieren könnte (z. B. Hape's Vorentscheidungen aus den Neunzigern). Und es fehlt natürlich, trotz allem laienhaftem Charme, die Ausdrucksfähigkeit gestandener Profis.

Abgesehen davon wäre es den Kandidaten zuträglich, sie allmählich mal mit neuem, bisher nicht gehörtem Songmaterial zu konfroniteren. Lena und "Dursti" und Co. sind ja begabt und bemüht, im positiven wie z. T. auch negativen Sinn - doch wissen die eigentlich, was Eurovision bedeutet?

Vor allem - warum haben "Miniländer" wie Island (Hera Björk) und Albanien (Juliana Pasha) ohne derart aufwändige Suche schon solche dynamischen Stimmbegabungen gefunden?
tannebaum (03.03.2010, 11:38 Uhr)
@weeeeed
die lena kann aber performen, sich in szene setzen und schafft es, dass songs, die sie für sich selbst verändert hat, besser klingen zu lassen, als im original. nehmen sie nur mal das erste lied von ihr und schauen sich auf youtube die wahre interpretin an...

das ist kunst, sie fesselt und sie lenkt ein publikum. daher ist sie live toll. durstewitz dagegen nur albern. und sein gitarrenspiel (schnelles, monotones auf und ab) einer drittklassigen schulband nicht würdig.

wir hatten in den 80ern mehrere schulbands an unserem gymnasium. die beherrschten die instrumente alle besser, gingen dennoch studieren, weil für die musik nicht reichte...
si-tacuisses (03.03.2010, 11:30 Uhr)
Das Lied... Der Style...
Bis jetzt war ich jedesmal von der Sendung und den Kandidaten begeistert. .

Ich mache mir aber Sorgen um das Lied, das dann in Oslo gesungen wird. Wo kommt das her? Wer schreibt das?
Wenn ich den Modus richtig verstehe kann man erst in der letzten Auswahlshow das Lied hören und bestimmen. Ich finde diesen Punkt aber ebenso wichtig wie den Interpreten. Mal sehen, ob das dann zum Schluß gut zusammen passt.

Am liebsten wäre es mir übrigens, wenn Lena, Kerstin und Dursti als Trio auftreten würden und einen "3 geteilten Song" mit individuellem Stil aber gemeinsamem Refrain performen würden. DAS könnte ein Knaller werden. Mir fällt da aus der Zeit (lange bevor alle Kandidaten geboren wurden) "Run DMC" und "Aerosmith" ein, die sich genial ergänzt hatten. So hart muss es ja nicht gleich werden, aber eine Kombination der Besten Interpreten und deren Eigenheiten fände ich überlegenswert.

Wie auch immer. Mit keinem der jetzigen Kandidaten kann Deutschland sich blamieren. Deren Natürlichkeit ist es, die sie so einzigartig und beliebt macht.
Kein Rumgehopse, keine Tanzorgie, kein Kostümball...
Liebe Verantwortliche: Lasst die Kandidaten nicht zu gestylt, zu geschminkt, zu affig auftreten. Lasst sie so, wie sie sind und zwängt sie nicht zum Schluß in eine Rolle. Das grüne Klein von Joy Flemming sollte uns immer eine Mahnung sein ;-)
poldi55 (03.03.2010, 10:23 Uhr)
raasb show
"tears in heaven" kann nur von eric clapton gesungen werden. wer sich daran vergreift, kann nicht denken.
laketahoe (03.03.2010, 10:17 Uhr)
Vollkommen egal....
...wie Deutschland beim Grand Prix abschneidet - endlich gibt man dem Land ein Gesicht, das zum jungen Deutschland passt. Es kann ja ohnehin nicht drum gehen, gegen all die langbeinigen und gepimpten Ost- und Westschönheiten mit ihrem unsäglichen Primitivpop durch gräßliche aber ernst gemeinte Beiträge wie in den letzten beiden Jahren anzukämpfen.

Wenn man schon teilnimmt und damit viel Geld für diesen Jux ausgibt, dann schon besser mit einem dieser Kandidaten mit Würde im Allerlei glänzen und dann versinken. Am liebsten mit Lena oder Christian.

Die Sendung fand ich wieder unaufgeregt unterhaltsam und rundweg gelungen.
ks1301 (03.03.2010, 10:13 Uhr)
wenn das mal gut geht
ich weiß nicht ob Leute wie Durstewitz der egentlich keinen Ton richtig trifft und dies durch Lautstärke übertüncht oder eine Lena mit einer unkonvetionellen Stimme ein internationales Publikum beeindrucken können. Für mich die Beste in der Runde Sharyhan wird es wohl nicht schaffen. Das sieht man schon an dem diskreten Versuch von Raab in dieser aber auch in der letzten Folge Sharyhan durch abschließende Bemerkungen in der Gunst des Publikums nach unten zu drücken. In dem Geschäft geht es nie mit rechten Dingen zu so sauber die Sendung auch wirken mag. Letztendlich kommt es dann auf den Song an der zum Einsatz kommt. Ob dann Sharyhan oder Kerstin das Rennen machen ist egal. Ich traue beiden zu vor der internationalen Kulisse zu bestehen.
Berlin0110 (03.03.2010, 10:11 Uhr)
@weeeeed
Gefallen und Musikverständnis sind ja bekannter Weise zwei paar unterschiedliche Schuhe. Ihnen passt leider keiner von beiden. Demzufolge sollten Sie nicht über Themen sprechen, von denen Sie in keinster Weise Ahnung haben.
cardiac (03.03.2010, 09:23 Uhr)
@weeeed
Zu viel geraucht oder was?
gunnarhaeger (03.03.2010, 09:17 Uhr)
@tannebaum
auf´s singen kommt es beim grand prix doch gar nicht an. raab platzierte sich mit waddehaddeduddeda ziemlich gut und diese finnland rocker damals doch auch. egal wen wir da hinschicken, das wird wieder nix und wir sollten das auch gar nicht persönlich nehmen, dieser gp ist mittlerweile eine art mafia veranstaltung. nehmen wir also den (oder die) mit den größten wiedererkennungswert, der/die spaß auf der bühne hat und diesen spass dann auf uns überträgt. und mein favorit ist da die "flitzpiepe" dursti. womit ich nicht sage, dass die anderen schlecht sind. besser wie dsds sind sie allesamt.
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