Jamie Oliver nennt Landsleute Weicheier

28. August 2013, 17:37 Uhr

Starkoch Jamie Oliver provoziert seine britischen Jungköche: Ihre eingewanderten Kollegen seien nicht so weinerlich wie sie. Nun hagelt es Kritik - aus dem ganzen Land.

Jamie Oliver, Koch, Immigranten

Jamie Oliver erwartet von seinen britischen Jungköchen mehr Engagement - und keinen Entschuldigungsanruf von Mutti©

Das muss Jamie Oliver erstmal einer nachmachen: Binnen eines "Radio Times"-Interviews provoziert der berühmte Fernsehkoch an zwei Fronten und wird damit zum heiß diskutierten Thema in sämtlichen britischen Medien. Zuerst hat der berühmte Engländer die Wut der nicht kochenden Briten auf sich gezogen: Er hatte seine Landsleute kritisiert, in einer modernen Falle der Armut gefangen zu sein. Sie versorgten sich und ihre Familien mit minderwertigem Fertigessen, hängten sich aber riesige Fernseher an die Wand. Ein sizilianischer Straßenkehrer dagegen koche aus 25 Muscheln, zehn Kirschtomaten und einer Packung Nudeln das erstaunlichste Gericht selbst. Es hagelte Proteste.

Direkt im Anschluss ätzt der Fernsehstar gegen die kochenden Briten. In seinen mehr als 30 Restaurants beschäftigt der 38-Jährige rund 350 Köche. Doch nicht mit allen ist er zufrieden. "Ich habe nie jemanden gesehen, der so feucht hinter den Ohren ist wie britische Kids. Mich rufen Mamis für ihre 23-Jährigen an und entschuldigen sie mit den Worten: 'Mein Sohn ist zu müde.' Nach einer 48-Stunden-Woche! Darf ich mal laut lachen?"

"Ohne Immigranten könnte ich dichtmachen"

Der Selfmademan, dessen Imperium 150 Millionen britische Pfund schwer ist, sagt von sich, er habe als junger Mann 80 bis 100 Stunden pro Woche gearbeitet. Das sei normal gewesen. Durch die EU-Regularien betrüge die Arbeitszeit nun nur noch 48 Stunden, die Hälfte seiner eigenen Arbeitszeit damals. "Und sie jammern immer noch!"

Oliver geht sogar noch einen Schritt weiter. "Ich glaube, meine immigrierten europäischen Freunde sind viel belastbarer, viel tougher. Wenn wir sie nicht hätten, könnte ich all meine Restaurants morgen dichtmachen. Es gäbe keine Briten, die sie ersetzen könnten." Von sich selbst erzählt er, dass er bereits mit 13 Jahren 15 Stunden täglich in dem Pub seines Vaters gearbeitet habe.

Auf Olivers Facebook-Seite reagieren die (nun wohl ehemaligen) Fans. "Ich werde deine Restaurants nicht mehr besuchen, Jamie, deine Kommentare zu britischen Arbeitern sind beleidigend und nicht wahr", schreibt User Dave W. an die Pinnwand. Valerie B.B. sieht's politisch: "Er wird viele Fans verlieren mit seinen Tory-Bemerkungen!" Der Arbeitersohn ist mit seinen konservativen Äußerungen in den Fettnapf getreten. Da wird ganz schnell vergessen, dass Oliver mit seiner Aufklärungskampagne über das ungesunde britische Schulessen der Labour-Regierung das Versprechen abgerungen hat, 280 Millionen zusätzliche Pfund dafür bereitzustellen. Von seinem weiteren sozialen Engagement ganz zu schweigen.

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