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1. Juli 2008, 18:20 Uhr

Runterschlafen ist auch keine Lösung

Die Eva Hermans sterben aus: Immer mehr Frauen machen Karriere. Allerdings bringt ein Vorteil im Job nur Nachteile in der Beziehung, denn es gibt nicht genügend Männer, die da mithalten können. Doch kann die Akademikerin mit dem Brummi-Fahrer wirklich glücklich werden? Von Ulrike Blieffert

Sonnige Aussichten für Karrierefrauen. Doch der Postfeminismus hat auch seine Schattenseiten© Daly & Newton/Getty Images

Es gab einmal eine Zeit, da erhörte der Chefarzt noch die Krankenschwester, die ihn anhimmelte, und heiratete sie. Sie bekam daraufhin Kinder, engagierte sich ehrenamtlich im Elternbeirat der Schule, sammelte bei Kaffeekränzchen Geld für wohltätige Zwecke, schmiss den Abend, wenn die Kollegen ihres Gatten zum Essen kamen. Eine Änderung dieses Heiratsschemas wurde deutlich, als Schwester Christa aus der Schwarzwaldklinik 1985 eine Fortbildung machte. In Nullkommanix wurde sie Ärztin und stand ihrem Professor Doktor Brinkmann bereits Anfang 1986 auf Augenhöhe gegenüber. In diesem Tempo ist es seitdem weitergegangen: 1999 gab es in Deutschland zum ersten Mal mehr Frauen als Männer an den Universitäten. Zum Weltfrauentag am 8. März meldete das Statistische Bundesamt, dass Frauen jetzt auch männliche Domänen wie Ingenieurwissenschaften erobern. Frauen sind besser ausgebildet, sie brechen seltener ihr Studium ab als ihre Kommilitonen, sie haben beste Karrierechancen. Die Frauen könnten sich freuen. Aber der real existierende Postfeminismus hat auch seine Schattenseiten.

Masochistisches Verhalten der Studentinnen

Der zukünftigen Frontfrau mit 60-Stunden-Woche wäre gedient, wenn sie es machen würde wie der Schwarzwald-Doktor (vor Christas Fortbildung) und downdaten würde. Das heißt: Sie könnte mühelos einen Mann wählen, der auf der Einkommensleiter unter ihr steht. Sie könnte dann die Familie ernähren, und er sich zumindest in Teilzeit um Haushalt und Kinder kümmern. Stattdessen kloppt sie sich,schon an der Universität mit ihren Kommilitoninnen um die wenigen gebildeten Männer.

Bei Internet-Agenturen wie Parship das gleiche Szenario. "Bei der Partnerwahl steht heute ein gemeinsamer Lebensstil im Vordergrund", erklärt Professor Heinz Bude, Soziologe an der Universität Kassel, das masochistische Verhalten, das er bei seinen Studentinnen beobachtet". Auch Männer bleiben lieber im eigenen Milieu, denn es gilt als machohaft, eine weniger gebildete Partnerin zu haben. Da braucht man schon viel Selbstbewusstsein, um dem gesellschaftlichen Druck standzuhalten." Schließlich will man nicht, dass die Freunde mit den Augen rollen, wenn sie Bru-Schetta sagt, wenn sie Bruschetta bestellt. So ist zurzeit zu beobachten, dass man in allen gesellschaftlichen Milieus - von Akademiker- bis zu Facharbeiterkreisen - gern unter sich bleibt: Alt- oder Neubau? Parkett oder Laminat? St. Barth oder Menorca? Da muss Einigkeit bestehen. Diese Einigkeit hat ihren Preis. Und im Zweifel ist es die Frau, die draufzahlt.

Windelexperten sind nicht sexy

"Die Eva Hermans sind ausgestorben", so Bude, "keine Frau will sich heute noch ihrem Mann widmen und sich in seinem Schatten ein bisschen ehrenamtlich verdient machen." Darum muss in Beziehungen, in denen zwei gleiche Partner sich beruflich wie privat verwirklichen wollen, das Zusammenleben neu geregelt werden. Bis man da etwas Passendes gefunden hat, ist man schon ein paar Jährchen im heiratsfähigen Alter. Wenn es dann um Kind und Karriere geht, versucht die Frau nicht mehr, eine traditionell männliche Position einzunehmen. Sie will beides und nimmt die Mehrbelastung in Kauf. Heinz Bude: "Frauen sind auch hier schlauer als die Männer", sie stabilisieren die Beziehung, indem sie den Spagat zwischen Chefetage und Wickeltisch meistern. Entlastung bekommen sie auch deshalb nicht, weil sich das Modell des Vollzeit-Hausmannes nicht durchgesetzt hat. Auf dem Arbeitsmarkt nicht und auch nicht auf dem Heiratsmarkt. Windelexperten sind nicht sexy.

Das Segment mit den angemessenen Partnern ist also immer kleiner geworden, und für Frauen, die aus ihrer Zielgruppe keinen abbekommen, wird es Zeit, sich nach Alternativen umzusehen - solche, an die sie noch gar nicht gedacht haben. Seit Jahrtausenden geht es in Beziehungen entweder um Geld, Bildung oder - Sex. "Da hat sich nichts geändert", sagt Bude. Weil nicht alles auf einmal zu haben ist, arrangieren sich die Frauen. In Frankreich sind laut Bude deshalb magrebinisch gemischte Männer sehr attraktiv, für Deutschland sagt er dem arabisch-stämmigen Künstlertyp einen Kursanstieg voraus. "Das sind alte Muster" erklärt der Soziologe, "nur das Spiel, mit dem man gegenseitig die Attraktivität aufrecht erhält, ist komplizierter geworden." Denn was tut die Frau des Künstlers, damit sich dieser wegen ihres höheren Einkommens nicht auf den Pinsel getreten fühlt? Sie wird ein bisschen mehr im Haushalt machen, den Attraktivitätsgewinn genießen - und beide werden darüber schweigen. Ähnliches besagt schon eine Studie des französischen Soziologen Jean-Claude Kaufmann zu Ehen, in denen die Frau mehr verdient.

Tatsache ist also, dass ein Vorteil im Job den Frauen nur Nachteile in der Beziehung bringt. Neben der Doppelbelastung müssen sie sie sich, wenn sie downdaten, auch noch um die angeschlagenen Egos ihrer Partner kümmern. Ein Skandal, den die Frauen scheinbar hinnehmen. Sind sie wieder mal schlauer und sehen großzügig über männliche Schwächen hinweg? Oder haben sie Angst, sich zu streiten? Um etwas zu ändern, müssten beide Partner das Missverhältnis nämlich erst einmal zugeben und thematisieren. "Das ist sehr schwer, hier die richtigen Worte zu finden. Man riskiert viel, wenn man das Schweigen bricht", meint Bude. Eines ist sicher: Hier sind wieder mal die Frauen gefragt.

Von Ulrike Blieffert
 
 
KOMMENTARE (10 von 72)
 
J.Stahl (04.07.2008, 00:13 Uhr)
charakter und ausstrahlung
ist ja schön und gut.zuerst entscheidet man aber über die optik.in den ersten sekunden entscheidet sich ob man jemanden "riechen" kann oder nicht.alles weitere zeit sich dann.ich muß aber auch mit einem menschen reden können.wenn ich mir nichts zu sagen habe hält die verliebtheit nicht lange.
ashcroft_house (03.07.2008, 23:59 Uhr)
Laecherlich
Ich, Student im ersten Jahr, bin (relativ) frisch verliebt und kann sagen, dass ich sie vorher bestimmt nicht nach Bildungs-, oder Berufsstand gefragt habe, in den ersten Wochen habe wir uns fuer solche Gedanken einfach keine Chance gelassen ;)
Und jetzt ist es mir immer noch egal, selbst als Hartz4-Empfaenger laege ich ihr zu Fuessen. Weil es einfach nicht um diese Dinge, sondern um Charakter und Ausstrahlung geht. Aber vielleicht aendert sich das ja, wenn man erstmal in der Mittelschicht angekommen ist und sich seine Probleme kuenstlich herbeireden muss. Dafuer ist diese Webseite - in Sachen Meinungsmache - ja ein Paradebeispiel!
J.Stahl (03.07.2008, 15:34 Uhr)
rabotscherarmije
die wenigstens männer suchen sich eine frau mit romantik aus.da wird ganz hart aussortiert "zu klein,nicht blond,zu dick,zu kleiner busen,etc".ich bin froh das frauen auch aufgewacht sind und sich nicht mehr von einem hormoncocktail genannt verliebt sein beeindrucken lassen.wenn der nach ein paar monaten verflogen ist sieht man nämlich was übrig bleibt.ob man miteinander noch gespräche führen kann etc.
Rabotschearmije (03.07.2008, 08:59 Uhr)
" Karrierefrauen "
Aus diesem Artikel ist sehr deutlich zu erkennen das viele Frauen fast krankhaft in ihrer eigenen Traumwelt leben und nicht bereit sind die Realität anzuerkennen. Neueste Studien besagen das ( Jungen ) Männer keinesfalls fauler, dümmer oder schlechter in Schule oder Uni sind. Sie erhalten auf Grund des Emmanzipationsgeschreies in den letzten Jahren nur nicht genug Förderung . Laut dieser Studie punkten Frauen in den Bildungsstätten mit größerer Angepasstheit. Übersetzt heißt das für mich mit Schleimerei bei Lehrern und Professoeren, mit Verzicht auf Mitarbeit bei studentischen und politischen Gremien. Man könnten ja was falsches sagen und schlechtere Noten bekommen. Sorry aber an so einer Spezies Frau habe ich Null Interesse. So ist der Anteil von Frauen in Gewerkschaft und Politk eher gering. Woher kommt das? Wie soll die Lohngerechtigkeit ( Löhne Männer / Löhne Frauen ) sonst hergestllt werden ? Da machen wohl viele Frauen einen großen Fehler und beschweren sich dann lautstark. Das ist ein Witz. Was mir noch auffällt ist das das Wort Liebe in ihrem Artikel gar nicht mehr vorkommt. Traurig wie es um Deutschlands Frauen bestellt ist. Keine Romantik mehr. Was bei diesen Damen zählt ist gesellschaftliche Stellung und Geld in einer Gesellschaft die sowieso ungerecht ist und kaum Chancengleichheit kennt. Genauer betrachtet ist ihre Analyse , so oberflächlich wie es in den USA eben zugeht. Die Akademiker Deutschlands habe sich in vielen Fällen auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, totale Korruption und Selbstbereicherung in Unternehmen und Politik. Wenn sich Frauen in so einer Schicht wohl fühlen dann sagt das auch einiges über diese Frauen aus.
Maria1000 (02.07.2008, 18:38 Uhr)
@LisaT:
ZITAT: ".....Meiner Erfahrung nach hat das viel miteinander zu tun: Zuerst sucht Karriere-Frau einen (finanziell) "ebenbürtigen" Mann..."
--
FALSCH! Zuerst sucht Karrierefrau sich einen GEBILDETEN Mann aus guter Familie bzw. möglichst gutem familiärem Background...dann komnmt nämlich das mit dem Geld meist von ALLEINE! :-)
Maria1000 (02.07.2008, 18:36 Uhr)
Zuviele Cliches....vielleicht war es vor 30 Jahren anders, aber
die sehr wohlhabenden und beruflich erfolgreichen Top-Frauen und Männer, die ich berufsbedingt kennenlernte, hatten NIE(!) ein "Mäuschen aus der Unterschicht, das zu ihnen aufschaut" als Frau/Lebensgefährtin, sondern wirklich durchgehend ALLE einen Partner, der statusmässig und herkunftsmässig auf ziemlich derselben(!!) Ebene war! Was sollen denn auch Geschäftsfreunde denken, wenn man im Beruf souverän und selbstbewusst-sachlich kompetent sich gibt als Mann und zuhause dann eine schlecht gebildetes dummes aber junges Doofchen mit keinerlei Bildung noch Wissen noch gesellschaftlichen Verhaltensnormen dann "eingestheen" muss!? Das war vielleicht in den 60iger oder 70igern so, dass man sich als Vorstand oder Geschäftsführer es sich gesellschaftlich "leisten" konnte einenaiv-dumme nicht berufstätige Frau vorzuweisen, HEUTE ist das auf oberster Ebene VÖLLIG anders! Die Frauen meiner Bekannten haben meist SELBST ein Unternehmen selbstständig eröffnet (nein, nicht die Kinderklamottengebrauchtboutique! Sondern z.B. Gebraucht-Maschinen und Fabrikanlagen etc.), leiten nebenher Netzwerke wie Lions Club udn organisieren internationale Treffen oder arbeiten als angestellte Managerinnen auf mindestens mittlerer wenn nicht sogar oberer Ebene! Zudem ist keine der Frauen wesentlich JÜNGER als der Mann, meist plus/minus 5 Jahre gleichaltrig, gleiches/ähnliches Elternhaus, usw...
Nur Loddar Maddäus (und einige unerfahrene Jungmanager) glaubt doch noch, dass er mit 20 Jahre jüngeren Amateurmodels und/oder Tippsen als Lebensgefährtin gesellschaftlich(!) "punktet" ....
J.Stahl (02.07.2008, 15:52 Uhr)
ach ja
die böse emanzipation.man kann frauen beglückwünschen nicht so blöd zu sein und nach unten zu heiraten.männer machen das vorallem aus egogründen.ist doch schön so ein mäuschen zuhause zu haben das einen bewundert weil man die kohle ranschafft und einem dann ganz ausgeruht alle wünsche erfüllen kann.schade das man in deutschland die emanzipation nie ganz durchgezogen hat.man müßte jungs ganz anders erziehen.aber da fallen zu meinem erschrecken immer noch sätze wie du bist ein junge du brauchst das nicht können,im haushalt helfen,etc.bei den meisten frauen ist es mit der emazipation eh vorbei sobald das erste kind da ist.traurig.
RomanTicker (02.07.2008, 14:57 Uhr)
Selbsttäuschung
Dieser Artikel dient genau wie so viele anderen Thesen von sogenannten Emanzen einzig und allein dem Zweck, sich selbst zu täuschen. Sie glauben, dass die Männer es besser hatten und haben und denken, es läge an der Karriere. Sie entwickeln sich also zu Karrierefrauen und werden so egoistisch, wie sie den Männer unterstellen zu sein. Und wenn sie dann einsam und unglücklich sind, dann formulieren sie derartige Gedanken oder Artikel, um sich selbst zu loben und sich zu täuschen. Das ist nun mal ihre Art, sich ihr Leben schönzureden. Das ganze wäre ja auch überhaupt nicht problematisch, wenn dies nicht dazu führte, dass diese Gesellschaft immer weniger Nachwuchs bekommt. Aber keine Sorge, liebe Emanzen, denn es gibt genug andere Kulturen und Gesellschaften, die für Nachwuchs sorgen. Allerdings gibt es dort auch deutlisch weniger von Euch. Ihr sorgt für euer eigenes Aussterben. Ob das wirklich so schlau ist?
MonsieurAlex (02.07.2008, 14:39 Uhr)
@LisaT: Sie haben ja so recht:-)
Der schwule Frauenversteher Noél Coward schrieb einmal: Wenn Damen sich als Herren versuchen, kommt immer nur ein Lümmel dabei heraus. Also: Erstmal Dame werden, alles auskosten und nicht versuchen die Armseligkeit des eigenen Frauenbildes durchs Nachäffen männlicher Verhaltensweisen zu übertünchen.
senfdazugeb2 (02.07.2008, 14:21 Uhr)
Everything's gonna be all right
Wenn eine Frau spricht sollte Mann zuhören. Wenn Mann tut sollte die Frau vertrauen.
Eine Beziehung ist dafür da wenn 2 Menschen sich entscheiden Ihren Lebensweg zusammen zu gehen, wie lange auch immer. Der rest ist doch nebensächlich.
Damit will ich nicht sagen das eure Argumentationen unwichtig sind. Jedoch vieleicht mal dies dabei zu berücksichtigen.
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