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18. September 2008, 12:52 Uhr

Schamhaarverlust durch Pornokonsum

Schon minimale Abweichungen von der Missionarsstellung galten als pervers, bevor Oswalt Kolle zum Chefaufklärer einer prüden Nation wurde. Heute reden wir über fast alles. Jetzt liefert Deutschlands größte Sexstudie auch noch einen unverstellten Blick in die Betten. Kolle macht sich trotzdem Sorgen. Von Johannes Gernert

Zoom

Pornografie beeinflusst das Aussehen der Bikini-Zone© DPA

Man fragt danach nicht einfach wie nach der Vorliebe für einen bestimmten Schokoriegel. Mit Erdnüssen? Oder lieber Kokos? Es ist alles wesentlich komplizierter. Es ist ja Sex, es sind ja Stellungen beispielsweise. Doggystyle, Reiter oder Missionar. Blasen, Peitschen, Onanieren. Jakob Pastötter und seine Kollegen mussten sich etwas mehr Mühe geben, um herauszufinden, wie die Deutschen denn so lieben. Pastötter ist Sexualwissenschaftler. Für Pro Sieben hat er gemeinsam mit Kollegen die bisher größte Sexstudie Deutschlands betreut. Knapp 56.000 Menschen haben im Internet seinen Fragebogen beantwortet. Ein komplexes Geflecht aus 200 Punkten. Er hat dabei oft um die Ecke gefragt - wenn es um Pornos ging etwa.

Besonders für viele junge Leute gehören Sexclips seit Youporn und Co. zum Alltag. Pastötter wollte nun herausfinden, wie das Pornoschauen sie beeinflusst. Darüber weiß man zurzeit fast nichts. Eine Auswirkung, die er festgestellt hat: Die Schamhaare gehen verloren. Wer regelmäßig auf den Rotlichtseiten des Internets unterwegs ist, rasiert sich eher. Bei Frauen, vor allem den jungen, sei die Intimrasur noch deutlich stärker ausgeprägt als bei Männern. Er wollte noch mehr darüber wissen, wie Pornos die Vorstellung vom Sex formen. Statt sich einfach zu erkundigen, ob die Leute gern Genitalien hätten wie Pornostars, hat er sie gefragt, ob sie denken, dass ihre eigenen Partner sich wünschen würden, dass sie welche hätten. Erstaunlich viele tun das tatsächlich. Pastötter schließt daraus, dass sie sich von den Pornos unter Druck gesetzt fühlen, dass die Bilder in die Beziehungen eindringen.

Pornodreh als Wunschtraum

Pornografie sei zu einer Art Leitkultur geworden. "Die Leute sind überzeugt davon, dass das echte Sexualität ist", sagt er. Viele würden als Wunschtraum angeben, selbst Pornos zu drehen. "Die wissen nicht, dass das harte Arbeit ist." Der Sex wäre besser, wenn diese Bilder nicht nachgeturnt würden, sagt er. Aber die Befragten orientieren sich nicht immer an den Idealen des Sexualwissenschaftlers. Auch die Frauen haben den Leistungsgedanken verinnerlicht. Sie sind zufriedener, je mehr Orgasmen sie bei einem Mann bekommen. "Der Mensch ist offenbar quantitativer angelegt, als man wahrhaben will", folgert der Forscher und seufzt.

Pastötter, ein kleiner Mann, runde Brille, gerader Rücken, ist nicht der einzige Wissenschaftler, den Pro Sieben für die Präsentation des "Sexreports 2008" angeheuert hat. In den fünf Teilen der Aufklärungs-Serie, die am 20. September um 22:15 Uhr startet, widmet sich eine ganze Armada von Evolutionspsychologen, Endokrinologen und Neurobiologen der Erkundung der Sexualität. Mit der Biochemie etwa lässt sich erklären, warum Pornos süchtig machen wie Zigaretten, Alkohol und andere Drogen. Das Gehirn schüttet Dopamin aus. "Es entsteht ein Wohlfühlgefühl, das wir wieder und wieder haben möchten", klärt der Sexreport auf. Deshalb fürchtet Oswalt Kolle, Deutschlands Sexpapst und Pro Siebens Serien-Pate: "Wir steuern auf eine Masturbationsgesellschaft zu."

49,1 Prozent hatten Analsex

Die Porno-Flut mache die Gesellschaft zwar nicht kaputt, glaubt er, "aber es kann den Einzelnen kaputt machen." Nicht nur weil dopamingesteuerte Sexsüchtige sich am Rechner "immer stärkeren Tobak" besorgten und das Haus nicht mehr verließen, sondern auch weil 16 Jahre alte Mädchen sich zum 18. Geburtstag schon Schamlippenkorrekturen wünschen würden - und nicht nur meinen, dass der Freund es gern hätte, wenn sie pornomäßigere hätten.

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KOMMENTARE (10 von 12)
 
Taurusfunk (19.09.2008, 03:45 Uhr)
Intimrasur
hat nichts mit Pornos zu tun,sondern mit Haaren im Mund.
Getrimmte Körperbehaarung gehört wie die Verwendung von Deo zur Körperpflege.
Die Medien sollten sich entscheiden ob die Jugend nun zur Prüderie oder Pornographie neigt,es gibt ja Statistiken in beide Richtungen.
sky_1 (18.09.2008, 23:49 Uhr)
Fernsehen, oder was...?
wenn ich hier so einige Kommentare sehe(die Glotze bleibt eh aus...) dann hat das mit dem Artikel (Sexstudie bei Pro 7)höchstens mittelbar etwas zu tun. Einige der wenigen zentralen Ergebnisse der Studie, die hier genannt wurden (Bedeutung von Pornos in der Gesellschaft aus der Videothek, aus dem Internet...) würde ich bejahen, Korrelation zur Intimrasur: würde ich auch bejahen... ;_)), das aber quer über alle Altersschichten und bei Singles und auch Liebespaaren. Die Sendung selber ist wahrscheinlich nicht so toll (weil Pro 7) wer aber mit den Ergebnissen an sich Probleme hat, sollte hier vielleicht besser keinen Kommentar abgeben...
Kiezzabel (18.09.2008, 17:22 Uhr)
seit zwei Jahren
habe ich eh keine Glotze mehr - das ist herrlich!
Johann58 (18.09.2008, 14:42 Uhr)
Schoen und gut
dass ueber die Privatsender geschimpft wird und mit tollen Wortkreationen das Progarmm nieder gemacht wird. Sicher nicht zu unrecht. Aber wenn die Zielgrupe genau diese Sender anschaut, dann macht es wenig Sinn in ARD und ZDF oder gar Arte und Phoenix etwas zu zeigen was diejenigen, die angesprohen werden sollen so wie so nicht sehen.
Mindsplitting (18.09.2008, 14:09 Uhr)
mich wunderts
das bei dem Werbebombardement und sinnlosen Hirntötungsshows überhaupt noch Menschen fernsehen (zumindest free-TV) Ich glaube ich hab seit gut nem Jahr ZUHAUSE (ich kann ja andren nicht vorschreiben was sie sehen möchten) keine Privatsender im Öffentlichen geguckt. Hin und wieder ma aufn GEZ Sendern (ARD, ZDF, WDR) was wenn mal en guter Film oder ne interessante Doku läuft und Nachrichten, das Wars. Wenn ich bock aufn en Film hab gehe ich meist den Weg zu Videothek, die 1,50€ sind es mit Wert als Filmliebhaber eine angemessene Qualität und guten 5.1 Ton zu haben.
Toreador (18.09.2008, 13:53 Uhr)
Immerhin eine Möglichkeit...
So wenig ich von RTL, 2 und Pro 7 halte: immerhin besteht hier eine vage Möglichkeit, daß gerade diejenigen, die tatsächlich Pornos als Anhaltspunkt nehmen, keine Ahnung von Verhütung haben und mit 15 Kinder kriegen, weil sie sich geliebt fühlen wollen, etwas lernen. Ja, tatsächlich, Lernen durch Pro 7. Schauderhafte Idee, eigentlich. Aber wenn die ganzen Teenies und Handyfilmer einschalten und nur ein paar von denen lernen, daß nicht alles so ist, wie andere gerne behaupten, dann ist das ein Gewinn. Bin mal gespannt, welche Werbung in den Pausen kommt :-)
Vincent_Vega (18.09.2008, 13:33 Uhr)
Bei mir bleibt die Gotze immer öfter aus
ausser bei gut gemachten Dokumentationen auf Arte oder Phönix. Aber selbst auf Letzterem gibt es immer wieder Wiederholungen.
anninal (18.09.2008, 13:28 Uhr)
die deutsche Glotze bleibt aus
Seit Jahren im Ausland lebend und "normal fernsehend" bekomme ich Ekelzustaende wenn ich mal wieder ins Deutsche zappe. Kein Wunder das Normaler Sex keine Menschenseele mehr "anmacht" und sich Einige (wenige???) vermeintlich dazu gezwungen sehen, einen anderen/besseren Thrill besorgen zu muessen. Ich kann mich nur anschliessen - die DEUTSCHE Glotze bleibt aus!
kuki83 (18.09.2008, 13:27 Uhr)
Pro 7 ist...
...vielleicht der falsche Sender für so eine Reportage. Weiß auch nicht, wie sehr das Pro 7 "tunen" wird, um einfach mehr Leute vor den Fernseher zu locken. So wie Big Brohter, wo von Staffel zu Staffel mehr nackte Haut zu sehen ist, sein soll. Schau das nicht an. Generell ist aber so eine Aufklärungsserie nicht schlecht, WENN sie gut recherchiert ist und auch Experten von Beratungsstellen usw. zu Wort kommen. Hier im Artikel wird zu Recht die Frage gestellt weshalb sich das Öffentlich-Rechtliche dieser Verantwortung entzieht?!Gerade diese Sender, welche als seriös gelten, würden hier ordentlich punkten können.
bR4iNST0RM (18.09.2008, 12:42 Uhr)
Aha.
Jeder, der in Sexualfragen Hilfe benötigt, sollte sich lieber an richtige Beratungsstellen wenden, als den Schwachsinn aus der Glotze. Wer glaubt Fernsehen bildet, der glaubt auch, dass der Storch die Kinder bringt.
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