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12. Oktober 2009, 16:37 Uhr

Dicke Muttis, schneidet Puderzöpfe ab!

Frauen freuen sich über die "Brigitte"-Aktion mit den "normalen" Models. Karl Lagerfeld wendet nur seinen bezopften Schopf ab. Zeit für einen Putsch gegen den Modezar und andere Mager-Fetischisten. Von Sophie Albers

Karl Lagerfeld, Magermodels, Brigitte, BMI

Kurvenlos glücklich: Karl Lagerfeld© Michel Euler/AP

Eigentlich ist es doch eine Lachnummer: Ein Männchen mit Stehkragen, Handschuhen und gepudertem Zopf, rein beruflichem Interesse an Frauen und flexiblem Geburtsdatum gilt vielen als Gradmesser dessen, was schön ist, wie die Frau von heute aussehen und vor allem, wie viel sie wiegen sollte.

Nachdem die Frauenzeitschrift "Brigitte" beschlossen hat, gegen den Magerwahn Stellung zu beziehen, indem sie in Zukunft "normale Frauen" an Stelle von Magermodels engagiert, pöbelte Karl Lagerfeld, der mit dem Puderzopf natürlich gemeint ist, dass die Diskussion über magersüchtige Models "absurd" sei. "Da sitzen dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich." In der Welt der schönen Kleider wolle einfach niemand "runde Frauen" sehen, so der Modezar, der übrigens Anfang des neuen Jahrtausends selbst innerhalb von einem Jahr 42 Kilo abgenommen hat.

Erste Diät mit Zwölf

Jede Frau bei Trost würde kurz lachen und dem Männchen in seiner Welt der schönen Kleider alles Gute wünschen, doch gibt es da ein Problem. Und zwar die Mädchen, die noch nicht im Stadium der Frau bei Trost angekommen sind.

Laut Studien im Auftrag der Jugendzeitschrift "Bravo" sind gerade mal die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen in diesem Lande zufrieden mit ihrem Gewicht. 42 Prozent der 14-Jährigen haben bereits eine Diät hinter sich. 80 Prozent der Heranwachsenden sind davon überzeugt, dass Beliebtheit und Gewicht zusammenhängen. Wobei die Beliebtheit bei Gewichtsverlust zunimmt. Essstörungen sind in der Pubertät nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Allein um diese Mädchen - und zunehmend auch Jungs - muss es gehen. Geht es aber nicht.

"Die wissen das doch"

Frühjahr 2008, Cannes. Die Sony World Photography Awards werden zum ersten Mal verliehen. In einem Hinterzimmer sitzen die bekanntesten Fotografen der Welt zusammen - von Martin Parr bis Rankin, ein paar Galeristen und Verleger sind auch dabei. Die Presse wird nach 20 Minuten rausgeschmissen. Denn hier geht es ums Eingemachte: um Copyright, aber auch um Bildmanipulation. Und der erschreckende Satz, der völlig nebenbei fällt, aber klar macht, was hier eigentlich los ist, stammt von einer Dame von der "Vogue": "Natürlich wissen die da draußen, dass die Bilder manipuliert sind."

Die da draußen sind die Mädchen und Frauen, auf die die Arbeit der Fotografen und Magazine mit ihren zurechtgehungerten und zurechtretuschierten Geschöpfen zielt. Bevor die Tür sich schließt, ist noch ein Fotograf zu hören, der sagt: "Nein, sie wissen es nicht." Und er hat Recht, sagt Claudia Engel, Sprecherin vom Therapienetz Essstörungen Anad, das unter anderem magersüchtigen Mädchen hilft, wieder essen zu lernen.

Aussehen wie Victoria Beckham

Die Mädchen "wollen aussehen wie die Stars", sagt Engel. "Wie Victoria Beckham. Dann bekommen sie tolles Feedback, und dann kommen sie da nicht mehr raus." Bei Anad freue man sich über die "Brigitte"-Aktion, so wie man sich auch über die realgewichtigen Models der Körperpflegemarke Dove gefreut habe. Weil "die Mädchen sich daran orientieren".

Dann gibt Engel ihr Lieblingsbeispiel für die Macht der Bilder: "Die Leute sagen 'Toll, dass die bei Dove übergewichtige Menschen als Models nehmen. Dann sage ich 'Wieso, das sind normalgewichtige Frauen'." Weil die Bilder der Insektenmädchen überall sind, glauben wir bereits, sie seien normal. Wenn man nur von extrem Dünnen umgeben ist, ist Normalgewicht schon fett. So sehr habe sich das bereits verschoben, sagt die Anad-Sprecherin.

Vielleicht ist das ja das Problem. Lagerfeld und seine Kollegen, die ihre Kreationen am liebsten an knabenhafte Körper hängen, haben einen Knick in der Pupille. Und deshalb ist es an der Zeit, dass sich nicht die Menschen der Mode, sondern die Mode den Menschen anpasst. Für die ist sie doch eigentlich auch gemacht.

Ihre Meinung

Magerwahn in der Schönheitsindustrie. Ist das ein Ideal, von dem auch Sie sich unter Druck gesetzt fühlen? Diskutieren Sie in den Kommentaren oder schreiben Sie uns eine Mail an aktion@stern.de

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Von Sophie Albers
 
 
KOMMENTARE (10 von 29)
 
steinhardt (14.10.2009, 18:37 Uhr)
Schwule Modezaren lieben das Knabenhafte
darin liegt das Problem. Diese ganzen Lagerfelds sehen in normalgewichtigen Frauen leider zuviel Weiblichkeit, und weil sie nun mal fast alle schwul sind, finden sie einen knabenhaften Mädchenkörper halt schöner.
Für die "Brigitte" ist die zweifelhafte Aktion gegen dürre Models reines Geschäftsinteresse; billige Amateurmodels gibts immerhin genug...
MarthaMuse (14.10.2009, 18:31 Uhr)
angucken
wen er mal wieder meckert, dieses bild angucken und ruhig bleiben:
http://images.google.de/imgres?imgurl=http://images.huffingtonpost.com/2009-01-02-lagerfeld.jpg&imgrefurl=http://www.huffingtonpost.com/2009/01/02/karl-lagerfeld-defends-fu_n_154873.html&usg=__d0oJK9iCAHrtc-93r_-jyM4OXJM=&h=700&w=550&sz=140&hl=de&start=37&um=1&tbnid=euRqolLgKYxqKM:&tbnh=140&tbnw=110&prev=/images%3Fq%3Dlagerfeld%26ndsp%3D20%26hl%3Dde%26sa%3DN%26start%3D20%26um%3D1
flyingfree (13.10.2009, 16:04 Uhr)
Das Grauen
Die Witzfiguren in diesem Gewerbe sind Karl Laberfeld und Victoria Beckham.
immerhin wissen wir jetzt, dass Laberfelds Gehirn 42 Kilo wog und die Entfernung ein Jahr in Anspruch nahm.
XYZ357 (13.10.2009, 12:32 Uhr)
ja fetzt euch, immer dasselbe
immer immer immer dasselbe, bei allen diskussionen. Da werden sich die Phrasenkeulen um die Ohren gehauen. Hier also von Hungergestänge bis Gutmenschmuttis. WAS SOLL DAS!!! Wie wärs mal mit GELASSENHEIT? Ich persönlich liebe die Vielfalt: dick, normal, dünn, blond, braun, rot, grau, schwarz, groß, mittel, klein, alt, dazwischen, jung, blaue, graue, grüne, braune augen, konserativ, öko, punk, yuppie, sehend, brille, blind, forsch, zurückhaltend, schüchtern...................................................
botoxia (13.10.2009, 10:17 Uhr)
Schöne Kleidung
für dicke Leute gibt es nicht besonders viel. Und da es ja die Kleider sind, die Leute machen, glaube ich, dass sich der Magerwahn bis dahin nicht legt, bis für dickere Menschen richtig gute Mode angeboten wird. Nicht nur in sogenannten Übergröße-Läden, sondern Massenware. Viele, die für die jetzige Mode zu dick sind, fühlen sich nicht in ihren Körpern unwohl, sondern nur in dessen Gewändern. Natürlich sieht es nicht gut aus, wenn der Hüftspeck hinten aus der Jeans quillt, da es aber grade für Jüngere leider keine schicken Klamotten gibt, um den Hüftspeck optimal zu präsentieren und sich schick zu fühlen, hungern die Mädels eben. Oder sehen halt ziemlich scheiße aus in der jetzigen Mode.
Kommentatore (13.10.2009, 09:16 Uhr)
Immer noch nicht verstanden
@ Aurum

Man könnte doch meinen, dass inzwischen jedem klar sein sollte, dass die Diskussion um ein verschobenes Frauenideal geht und nicht um fettleibige Menschen. Und da es in jeder Gesellschaft, ob nun mit einer Schüssel Reis oder 10 pro Tag, es Dünne und Dicke gibt, könnte man diese Vielfalt auch auf dem Laufsteg abbilden oder ein Mittelmaß finden. Und das Mittelmaß lautet nicht: 180cm/45kg!

@ezechel

Wenn die Gesellschaft nicht dieses verschobene Idealmaß propagieren würde, müsste sich niemand schämen. Wobei ich es übrigens erleben, dass die Frauen ihre Hüfthosen, egal mit welchem Gewicht, halt gern tragen, ohne Scham. Wem der Anblick nicht gefällt, kann wegschauen. Toleranz ist das Stichwort. Aber Toleranz muss man auch wollen.
ezechel (13.10.2009, 08:55 Uhr)
Was sind normale Frauen?
Meint ?Brigitte? diese in Hüfthosen gepressten Damen, die vor dir an der Kasse stehen, und du vor Scham nicht weißt wo du hinschauen sollst, weil nicht nur der Speck seitwärts sondern hinten der halbe A? inklusive String raus quillt?
Administrator (13.10.2009, 08:48 Uhr)
@spocks_kommentar
Wir haben Ihre Postings entfernt - bitte argumentieren Sie sachlich.
desas (13.10.2009, 08:39 Uhr)
Lächerlich
Die Diskussion unter den Kommentatoren schweift recht häufig ins Lächerliche ab.
Das "Männchen mit dem Puderzopf", das nicht mal den eigenen Krawattenknoten an die richtige Stelle bekommt, ist einer jener Schneider, die nicht in der Lage zu sein scheinen, Kleidung für jede Statur zu entwerfen. Knabenhemdchen sind leichter zu schneidern als Damenblusen und so weiter. Allerdings - Respekt - haben diese Schneiderlein es geschafft, die normalen Verbraucher davon zu überzeugen, dass sie keine modische Kleidung verdient haben. Die Verbraucher haben sich darauf eingelassen, leider. Wenn man die Knochen durch die Haut zählen kann, ist das genauso ungesund, wie wenn man das Michelin-Männchen vor sich hat.
Die Gesellschaft braucht Kinder für eine Zukunft, gesteht Frauen mit Kindern jedoch nicht zu, dass man Ihnen die Geburten ansieht. Dass die Werbung dieser Schneiderlein nun auch auf Kinder zielt, um sie gleich als hautüberzogenes Gestänge einkleiden zu dürfen, betrachte ich als Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gemeinschaftlichen schweren Körperverletzung.
Wer stolz darauf ist, nur durch extreme Askese und Nahrungsverzicht ein Wunschgewicht zu erreichen und zu halten, ist nicht nur im Körper krank und benötigt dringend Hilfe.
dmgroupie101 (13.10.2009, 08:30 Uhr)
einfach Normal
Ich gehöre mit 30 jahren zu den Frauen, die noch als Teenager mitbekommen haben, dass Kleidergröße 38 Idealgewicht bedeutet. davon kann heute keine Rede mehr sein. Ich bedaure jedes Mädchen im Teenageralter (und auch bei den Jungs geht es los), die mit dieser verqueren Weltanschauung der Size Zero aufwachsen müssen. Ich bin keine Mutti, arbeite Vollzeit, mache zweimal die Woche Sport und arbeite aktiv an meinem Gewicht, und ich sehe mir schlanke Frauen an (Gr. 38/40) und finde sie hübsch und gut proportioniert, und ich sehe Vici Backham und denke Iiiiiih... Das hat nichts mit Neid zu tun, es ist einfach mein Schönheitsideal... da können alle stänkern, wie sie wollen, ich finde Renee Zellweger als leicht übergewichtige Bridget Jones auch 100 Mal besser, als wenn sie danach abgespeckt hatte und aussah, wie eine Krähe...
Leider wollen die Designer diese Size Zero- Mädchen...Ich will sie nicht!!!

Und ich denke auch nicht, dass das Ziel der Brigitte ist, jetzt Mode für Mollige zu präsentieren, sondern für NORMALE Frauen...das finde ich gut! Weiter so!
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